Um die neueste Installation des Pforzheimer Künstlers Andreas Sarow (rechts) an Ort und Stelle zu ziehen packt auch Jochen Essig vom Sperlingshof mit an. Foto: Roth

Thema „Wohnrecht“

Neue Sarow-Skulptur in Remchingen aufgestellt

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Nein, das Heilpädagogische Kinder- und Jugendhilfezentrum vor den Toren Wilferdingens eröffnet keinen Campingplatz – obwohl Platz ja vorhanden wäre. Der Wohnwagen, der seit Freitagabend zwischen der besser als „Sperlingshof“ bekannten Einrichtung und der Lutherischen Kirche steht, hat eher symbolischen Charakter. Geparkt hat ihn unter großem Aufwand und mit entsprechend künstlerisch aufbereiteter Umrahmung der Pforzheimer Installationskünstler Andreas Sarow.

Von Susanne Roth

Jochen Essig, beim Sperlingshof unter anderem für Öffentlichkeitsarbeit zuständig und Fan der Arbeiten von Andreas Sarow, bat den Künstler im Oktober um Beachtung. Besser: darum, bei und um die Einrichtung in Remchingen aktiv zu werden. „Damit wir besser bekannt werden; kaum jemand weiß genau, was der Sperlingshof ist“, so Jochen Essig im Gespräch mit dem Pforzheimer Kurier.

Dass es dann so schnell ging, überraschte ihn dann doch.

Nur wenige Wochen später hängte Andreas Sarow nun am Freitag den Wohnwagen an den Anhänger, beauftragte Arbeiter damit, eine Bühne samt neutral-schwarzem Hintergrund an besagten Ort zwischen Sperlingshof und Kirche aufzubauen und legte dann selbst noch bei Regen und Wind Hand an.

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Wohnwagen strahlt Nomadenhaftes und Bodenständigkeit aus

Titel der Installation: Wohnrecht. Der monochrom in Weiß gespritzte Wohnwagen strahlt etwas Nomadenhaftes und zugleich etwas Bodenständiges und Heimatgefühle auslösendes aus. „Das Recht auf Wohnen ist neben dem Recht auf Freiheit das wichtigste Gut“, ist die Meinung des Künstlers. Wem gehört die Welt? Wo darf ich mich aufhalten? Das sind gerade in der aktuellen Flüchtlingssituation Fragen, mit denen nicht nur er sich beschäftigt. „Kein Mensch ist illegal“: Dieser Satz werde gerade in den Tagen vor Weihnachten oft in Anspruch genommen und als Ausdruck für Toleranz, Nächstenliebe, Geborgenheit verwendet.

Standort zwischen Sperlingshof und Kirche

Mit dem Standort zwischen Heilpädagogischem Kinder- und Jugendhilfezentrum und der Lutherischen Kirche will Andreas Sarow auf die beiden Einrichtungen hinweisen, die für ihn auch dafür stehen, Menschen ein Dach über dem Kopf zu geben. Ein reelles oder ein ideelles könnte man sagen.

Weiter Wassernotstand im Sperlingshof

Aber die Skulptur, die bis Weihnachten an diesem Platz stehen wird, steht für den Künstler auch für harte Standortfaktoren wie Strom, Wasser, Abwasser, Kommunikation. Damit weist es gleichzeitig auch auf den Wassernotstand des Sperlingshofs hin, der nach zwei trockenen Sommern und dem dadurch ungenießbar gewordenen Brunnenwassers akut geworden ist (der Pforzheimer Kurier berichtete). „Wasser und Internet, das sind derzeit unsere Themen“, so Jochen Essig, der auf eine Box mit Flyern hinweist, die jeder Besucher mitnehmen kann. Ein Selfie unmittelbar am Ort zu posten, das ist allerdings unmöglich. Funkloch lässt grüßen.

Readymade bezieht sich übrigens auf die Tatsache, dass der skulpturale Wohnwagen jederzeit ready, also abrufbar ist. Manch einer kennt ihn noch in „Hermes-Orange“; in dieser Farbe leuchtete er 2017 für einige Wochen als „Penthaus“ an der Hachelallee in Pforzheim.

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