In die Ferne gerückt ist der Waldrand im künftigen Gewerbegebiet „West 2“ am Ortsausgang von Neuhausen. Die Rodung ist abgeschlossen, im März sollen die Tiefbauarbeiten beginnen. Die Erschließung soll bis Jahresende fertig sein. Foto: Ochs

Erweiterung des Gewerbegebiets

Neuhausener Bürgermeister verteidigt Waldrodung am Ortsausgang

Anzeige

Von Erstaunen bis Entsetzen reichen die Reaktionen im Enzkreis auf den Kahlschlag am Ortsausgang von Neuhausen in Richtung Schellbronn. Für die Erweiterung des Gewerbegebiets „West“ sind im Gewann „Dreiviertelshau“ 5,6 Hektar Wald gerodet worden.

„Wir haben keine Gewerbeflächen mehr“, begründet Neuhausens Bürgermeister Oliver Korz auf Nachfrage die Notwendigkeit für die Erweiterung. Die Gemeinde habe bereits 2014 die hiesigen Firmen nach ihrem Bedarf befragt und herausgefunden, dass der Wunsch nach mehr Gewerbeflächen bestehe. Auch auswärtige Unternehmen hätten Interesse bekundet, sich in Neuhausen anzusiedeln. Daraufhin habe die Verwaltung gemeinsam mit dem Gemeinderat beschlossen, den Flächennutzungsplan fortzuschreiben und das bestehende und komplett belegte Gewerbegebiet „West“ zu erweitern. Anschließend habe das Bebauungsplanverfahren begonnen und die Bürger seien öffentlich informiert worden, so Korz.

Erschließung soll bis Jahresende fertig sein

Mehr als drei Millionen Euro kostet das Bauvorhaben am Waldrand. Wie viel Grundstücke entstehen, könne noch nicht gesagt werden, weil sie erst noch gebildet werden. Im Sommer soll die Akquise starten, erklärt Hauptamtsleiter Joachim Lutz. Nach der Rodung beginnt die Erschließung, die bis Jahresende abgeschlossen sein soll. Die Tiefbauarbeiten sollen im März starten.

Ausgleichsmaßnahmen für 667.000 Euro

Verzögert wurde das Bauprojekt unter anderem von der Krötenpopulation, für die nach Gesprächen mit der unteren Naturschutzbehörde und dem Experten Gerold Vizthum vom Nabu Pforzheim ein Schutzzaun gebaut werden musste. Zeit haben auch Untersuchungen zu Ausgleichsmaßnahmen gebraucht, so Lutz. Die Gemeinde gibt hierfür 667.000 Euro aus.

Auch interessant: Neubaugebiet in Karlsruhe: Kröte macht Probleme und Bürger wollen mehr Transparenz

Vorgesehen ist unter anderem, einen „Grünzaun“ rund um das Gewerbegebiet anzulegen. Im Bereich „Galgenberg“ soll die vorhandene Waldweide erweitert werden und 10,6 Hektar Waldfläche in der Monbachschlucht zur Naturwaldzelle erklärt werden. An beiden Standorten wurden bereits 70 Kästen für Brutvögel und Fledermäuse aufgehängt. Im Gemeindewald „Dreiviertelshau“ ist außerdem vor einem Jahr ein Amphibienlaichgewässer für Erdkröten, Bergmolche und Grasfrösche angelegt worden.

Welche Firmen sich im erweiterten Gewerbegebiet ansiedeln, ist noch unklar. Gemunkelt wird, dass der Drogeriemarkt dm Interesse hat. Foto: to

Siedelt sich dm im neuen Gewerbegebiet an?

Bürgermeister Korz rechnet damit, dass mit der „West“-Erweiterung der Bedarf „für eine gewisse Zeit“ gedeckt ist. Die Gemeinde erwäge aber auch, auf der anderen Straßenseite des Lidl-Marktes ein Gewerbegebiet auszuweisen. „Das steckt jedoch in den Kinderschuhen“, betont der Rathauschef. Der Gemeinderat will sich erst noch mit dem Thema befassen.

Auch interessant: Zulauf zu den Grünen auch im Enzkreis: Neuer Ortsverband gegründet

Grundsätzlich gehe die Gemeinde vorsichtig mit dem Wald um – rund 400 Hektar Gemeindewald gebe es in Neuhausen insgesamt, betonte Bürgermeister Korz bei einer Einwohnerversammlung Ende September 2019, als Bürger mit Unverständnis auf die Gewerbegebietserweiterung reagierten.

Welche Firmen sich im künftigen Gewerbegebiet „West 2“ anzusiedeln möchten, wollte das Ortsoberhaupt nicht verraten – auch nicht, ob der Drogeriemarkt dm Interesse bekundet hat, wie im Ort gemunkelt wird.