Zurück in Niefern: Uwe Mörgenthaler (links) trat gestern nach fast einem Jahr Abwesenheit wieder seinen Dienst als Leiter des Nieferner Polizeipostens an. Manfred Karpstein hatte ihn vertreten und begrüßt den Rückkehrer. | Foto: Pfitzenmeier

Uwe Mörgenthaler ist zurück

Nieferner Polizeipostenleiter rehabilitiert

Uwe Mörgenthaler ist angekommen. Der Polizeibeamte macht einen gelösten Eindruck. Sein Blick wandert durch das Büro, das der Leiter des Nieferner Polizeipostens etwa zehn Monate nicht mehr betreten hat. „Heute ist ein ganz besonderer Tag“, sagt er bei seinem Dienstantritt in Niefern. Der 10. Januar markiert für Mörgenthaler das Ende einer Zeit der Ungewissheit. Das Datum ist ein Schlussstrich unter ein Kapitel, das den Mann, der seit 36 Jahren Polizist ist, viel Kraft gekostet hat.

Ich muss mich erst noch sammeln

Mörgenthaler zeigt stolz auf einen Teil seiner Sammlung von Polizeihüten und -helmen. Die hatte er im März bewusst nicht mitgenommen zum Polizeiposten Remchingen, wohin er wegen eines Dienstvergehens versetzt worden war. Insgeheim hoffte der Hauptkommissar, wieder zurückkommen zu dürfen. „Ich muss mich erst noch sammeln“, gesteht ein sichtlich gerührter Mann, der in seinem Berufsalltag eigentlich gewohnt ist, stets Haltung zu bewahren.

Kampf gegen Wohnungseinbruch

Am Morgen begrüßte Manfred Karpstein den Rückkehrer. Karpstein vertrat Mörgenthaler in den vergangenen Monaten als Postenleiter. Vom gesamten Team sei er gut aufgenommen worden, so Mörgenthaler. Jetzt wolle sich der 53-Jährige wieder wichtigen Themen im Ort widmen. Dazu gehöre vor allem der Kampf gegen Wohnungseinbrüche. „Jeder Einbruch ist einer zu viel“, sagt er energisch, „bei der Bekämpfung der Einbruchskriminalität ziehen wir deshalb alle an einem Strang.“ Präventionsarbeit sei wichtig, letztendlich könne die Polizei aber nur reagieren.

Projekt „NÖssi“ Herzensangelegenheit

Aktiv für die Sauberkeit im Ort setzt sich Uwe Mörgenthaler seit 2009 ein. Sein mit Hilfe von örtlichen Vereinen und Institutionen ins Leben gerufene Projekt „NÖssi – Niefern-Öschelbronn sauber und sicher“ möchte er weiter vorantreiben. Mörgenthaler und seine sechs Kollegen wollen dabei an das Verantwortungsbewusstsein der jungen Bevölkerung appellieren. Den Beamten liegt die Kinder- und Jugendförderung am Herzen. Die Kinder danken es ihm, den Polizeiposten zieren zahlreiche Bilder von Schülern.

Leidenschaftlicher Sammler: Mörgenthaler besitzt eine große Zahl an Polizeihüten und -helmen. Hier ein Teil der Sammlung in seinem Büro. | Foto: Pfitzenmeier

Uwe Mörgenthaler freue sich „wahnsinnig“, dass seine Rückkehr geklappt hat. Er sei sogar ein wenig „nervös“, gesteht er. „Ich fühle mich wie ein Kind vor dem ersten Schultag.“ Der Kontakt zu seinen Nieferner Kollegen sei in den vergangenen Monaten nie abgerissen. Während seiner Zeit beim Remchinger Polizeiposten habe er „über den Tellerrand blicken“ können. Sowohl die Nieferner als auch die Remchinger Kollegen seien eine „wichtige Stütze“ für ihn gewesen.

Unterstützung aus der Öffentlichkeit

Rückblick: Im März 2016 musste Mörgenthaler den Posten in Niefern wegen eines Dienstverstoßes verlassen. Er wurde nach Remchingen versetzt. Den Polizeiposten Niefern leitet Mörgenthaler seit April 2005. Hier fühle er sich wohl, betonte er mehrfach im Gespräch mit den BNN. Bei den Bürgern und im Rathaus genießt der 53-Jährige großes Ansehen. Deshalb wurde mehrfach, unter anderen von Bürgermeisterin Birgit Förster, Landtagsmitglied Erik Schweickert und Alt-Bürgermeister Jürgen Kurz der Wunsch geäußert, Mörgenthaler möge doch bald wieder zurückkehren.

Disziplinarverfahren abgeschlossen

Gegen den Hauptkommissar wurde wegen des Verdachts auf Freiheitsberaubung ermittelt. Ihm wurde vorgeworfen, er habe 2015 während einer Befragung von drei Jugendlichen, die im Verdacht standen, in den Nieferner Jugendtreff „ChillHouse“ eingebrochen zu sein, widerrechtlich einen der jungen Männer eingesperrt. Das sei ein klarer Verstoß gewesen, allerdings von eher geringer Natur, lautete das Ergebnis, zu dem die Pforzheimer Staatsanwaltschaft im vergangenen Juni gekommen war.
Das Disziplinarverfahren, das das zuständige Polizeipräsidium Karlsruhe eingeleitet hatte, ist nun abgeschlossen, wie Martin Plate, Leiter der Pressestelle im Polizeipräsidium Karlsruhe, auf BNN-Nachfrage bestätigt.