Im Amtsgericht Pforzheim findet der Prozess gegen den mutmaßlichen Betreiber einer Kinderporno-Plattform im Darknet statt. Der 44-Jährige wird unter anderem beschuldigt, als Administrator den Austausch von mindestens 80 Bild- und Videodateien ermöglicht zu haben. | Foto: pf

Vor Gericht in Pforzheim

Betreiber einer Kinderporno-Plattform im Darknet könnte mildere Strafe erwarten

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Den in Pforzheim festgenommenen mutmaßlichen Betreiber einer Kinderpornografie-Plattform könnte im Falle eines Geständnisses eine mildere Strafe erwarten. Das haben Staatsanwaltschaft und Verteidigung bei der Verhandlung am Montag im Amtsgericht Pforzheim in Aussicht gestellt.

Auf den 44-Jährigen ist das Bundeskriminalamt durch einen Hinweis des amerikanischen FBI aufmerksam geworden. Ihm wird vorgeworfen, unter dem Pseudonym „lucky eddy“ selbst Dateien eingestellt zu haben sowie in mehr als 80 Fällen den Austausch von Bild- und Videodateien auf der Plattform „The Hidden Door“ ermöglicht zu haben, die sexuellen Missbrauch zeigen – meist an jungen Mädchen im Alter von vier bis 12 Jahren.

Weitere Zeugen sagen aus

Drei Jahre Gefängnis sind das minimale Strafmaß für den Besitz und die Verbreitung kinderpornografischer Schriften, maximal erwartet den Täter eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

Die Verhandlung in Pforzheim wurde nach Abschluss der Inaugenscheinnahme des kinderpornografischen Datenmaterials öffentlich fortgesetzt. Ebenso wurden, trotz der vorausgehenden Absprache um eine mildere Bestrafung, weitere Zeugen vernommen.

Bescheidene Lebensumstände

Der zuständige Sachbearbeiter des BKA vervollständigte seine Aussage mit der Schilderung der bescheidenen Lebensumstände des Angeklagten: Wohnhaft in einer 20 Quadratmeter großen Einzimmerwohnung, spartanisch eingerichtet, eine Rollmatratze diente als Schlafgelegenheit. „Kein ausschweifender Lebensstil“, bilanzierte der Zeuge.

Auch die finanzielle Situation des Angeklagten, die anhand von Kontobewegungen geprüft wurde, deute nicht auf einen solchen hin. Ebenso überschaubar seien die sozialen Kontakte des Beschuldigten gewesen, welche sich auf seine Mutter und ihren Lebenspartner beschränkt hätten.

Netzwerk-Zugriff auf mehrere Rechner

Der mit der Beweissicherung betraute Kriminalhauptkommissar bestätigte, dass bei Eintreffen der Kollegen in der Wohnung des Angeklagten mehrere Rechner vorgefunden wurden. Einen entdeckten die Ermittler in einem Schrank, ein weiterer stand offen sichtbar auf dem Schreibtisch. Der Rechner sei bei Ankunft „eingefroren“ und nicht mehr bedienbar gewesen, angesichts der geöffneten Anwendungen konnten die Ermittler aber darauf schließen, dass der Nutzer über virtuelle Netzwerke auf mehrere Rechner zugreifen konnte.

Mutter „fassungslos“

Durchsucht wurde nicht nur die Wohnung des Angeklagten, sondern auch die seiner engsten Kontaktperson: der Mutter. Wie der mit der Durchsuchung beauftragte Kriminalhauptkommissar schilderte, sei diese „fassungslos“ angesichts der Vorwürfe gegen ihren Sohn gewesen. Sie hätte so etwas nie für möglich gehalten, beteuerte sie gegenüber dem Einsatzleiter. In der Wohnung, in der sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten wohnt, wurden keine Anhaltspunkte für vom Angeklagten installierte Software gefunden.

Angeklagter akzeptiert Einigung

Nach einer kurzen Unterbrechung nennt der Richter die Bedingungen der angedachten Verfahrensverkürzung: Bekennt der Angeklagte sich gegenüber allen Vorwürfen für schuldig, erwartet ihn eine Freiheitsstrafe zwischen vier und viereinhalb Jahren. Der Beschuldigte erklärt sich einverstanden.

Weiterer Tatvorwurf

Er stellt aber eine Bedingung: Wie aus den Ausführungen des Staatsanwalts deutlich wird, besteht noch ein weiterer Tatvorwurf, der nicht Gegenstand der Anklage ist. Dieser soll mit dem Geständnis hinfällig werden. Ob der Staatsanwalt auf diese Forderung eingehen wird, ist noch unklar und soll außerhalb der Verhandlung geklärt werden.

Sagt FBI-Agent noch aus?

Auf Nachfrage des psychiatrischen Sachverständigen erklärt sich der 44-jährige Angeklagte allerdings nicht zu einer „authentischen Selbstauskunft“ bereit, sodass ein weiterer Polizeibeamter, der nähere Auskünfte liefern kann, noch gehört werden muss.

Angesichts des zu erwartenden Geständnisses wird das Gericht versuchen, die Anhörung des mit den deutschen Behörden kooperierenden FBI-Agenten abzusagen. Ob dies möglich ist, wird sich spätestens beim nächsten  Verhandlungstermin am 9. Dezember zeigen.

Darknet als „Glücksfall“ für Straftäter

„Internet und Darknet sind ein Glücksfall für die Hersteller und Konsumenten von Kinderpornographie“, sagt der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung Johannes-Wilhelm Rörig am heutigen Montagmorgen in einem Deutschlandfunk-Interview.

Rörig spricht sich dafür aus, dass neben dem Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen, der sich am heutigen Montag in Berlin konstituiert, auch eine zentrale Institution ins Leben gerufen werden soll, die Pädo-Kriminalität im Internet verfolgt.

Rörig fordert außerdem bundesweite Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften in allen Bundesländern. Und eine Meldepflicht für Cyber-Kriminalität gegen die sexuelle Selbstbestimmung im Zuge der von der CDU geforderten Reformierung des Netzwerk-Durchsetzungs-Gesetzes.