Nur sechs Tische für die Kundschaft: Memo Ulutas bedient eine Frau vor seinem Café D’Anvers. Er erwartet nicht, dass das Geschäft wieder wie früher wird. | Foto: Roth

Wechselwirkung

Öffnung der Gastronomie belebt in Pforzheim auch den Einzelhandel

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Mit der Öffnung der Gastronomie kehrt langsam auch das Leben in den Pforzheimer Einzelhandel zurück. Die Stimmung bei Gastronomen und Einzelhändler ist jedoch gemischt. Nicht alle blicken optimistisch in die Zukunft, denn nicht jeder kann von den Wechselwirkungen profitieren.

Von unserer Mitarbeiterin Susanne Roth

„Normalität?!?“ Die Frage- und Ausrufezeichen von Daniel Peters kann man auch hinter dem Mundschutz gut hören. „So lange ich das hier tragen muss, ist für mich nichts normal“, sagt der Mann, der zusammen mit seiner Frau Kathrin Graul-Peters die „Kleiderordnung“ gegenüber vom Eis-Pavillon betreibt. Der Modefachmann räumt aber gern ein, dass die Öffnung der Gastronomie schon zu einer Belebung des Einzelhandels beitrage – das befruchte sich gegenseitig.

Die Menschen kommen auch in Pforzheim wieder mehr in „Shopping-Bummel“-Stimmung. Und sie stillen ihre Sehnsucht danach, bei schönem Wetter im Freien bei einem Kaffee, einem Glas Wein oder einem Essen sitzen zu können.

Die Städte funktionieren nur, wenn die Gesamtheit stimmt.

Daniel Peters, Chef der „Kleiderordnung“

Dass einige Kunden die „Kleiderordnung“ besuchen, führt Daniel Peters aber eher auf „den eigenen Aufwand und Einsatz“ zurück. Zum Beispiel auf allen Social-Media-Kanälen unterwegs zu sein – jeden Tag. Daniel Peters ist aber überzeugt: „Die Städte funktionieren nur, wenn die Gesamtheit stimmt.“ Aber schließlich sei „ein Licht immer noch besser als ganz dunkel“.

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Gastronomen blicken wegen Corona in eine düstere Zukunft

Zappenduster schildert Memo Ulutas vom Café D’Anvers seine Aussichten: „Wenn das so weitergeht, kann ich nächstes Jahr schließen.“ Nicht eine einzige Reservierung habe er in den vergangenen Tagen gehabt, sagt der Betreiber des Cafés in der Dillsteiner Straße, in dem auch Speisen serviert werden. „Das wird nicht mehr so wie früher“, vermutet der Gastronom, der sechs Tische bedienen darf und schon ein paar Mal Diskussionen und Streit wegen der Beschränkungen mit Gästen gehabt hat. Das Kurzarbeitergeld, so Ulutas, rette ihn noch bis Dezember. Aber höchstens 100 Euro Umsatz bei drei Vollzeitkräften reichten einfach nicht aus.

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Jeanette Garoll im Schuhgeschäft „Madison Avenue“ hat eher das Problem, dass nur ein einziger Kunde den winzigen Laden betreten darf. Klagen will sie nicht, aber „der Mai ist unser stärkster Monat und jetzt ist er wie alle anderen Monate“.

Buchhandel und Eiscafés sind optimistischer

Bei der Buchhandlung Thalia hat man sich laut Erika Föst schon mal vorsorglich – allerdings in Pforzheimer Eigenregie – auf die Möglichkeit eines weiteren Shutdowns eingestellt. „Wir bieten den Kunden an, dass sie jetzt bereits Kärtchen mit ihren Interessen aufschreiben können, damit wir sie dann beraten können.“ Das bedeute eine Menge Arbeit per Telefon oder E-Mail, aber so versucht man, den Kunden nah zu sein. Der Buchhandel werde recht gut besucht.

Es wird jeden Tag besser.

Angela De Re, Eiscafé Rialto

„Es wird jeden Tag besser“, sagt Angela De Re vom Eiscafé Rialto in der Blumenstraße. „Die Stammkunden sind zurück, und die Leute sind gut drauf, weil sie wieder draußen sitzen dürfen.“

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Dass sich etwas verändert hat, wurde für Geschäftsführerin Stephanie Jeckel von Galeria Karstadt Kaufhof deutlich beim Öffnen ihres Bürofensters zur Fußgängerzone hin. In Zeiten des Shutdown hörte sie: nichts. Jetzt dringe wieder Stimmengemurmel durch das Fenster ins Innere. Und auch das Kaufhaus belebe sich zusehends.