Beim Brand einer in der Otto-Hahn-Straße in Ölbronn-Dürrn gelegenen Elektronikfirma ist in der Nacht zum Freitag ein Schaden von geschätzten fünf Millionen Euro entstanden. | Foto: 7aktuell.de

Akkufabrik im Enzkreis

Ölbronn-Dürrn: Millionenschaden bei Firmenbrand

„Das Firmengebäude ist wie ein Kartenhaus zusammengebrochen“, schildert Kathrin El Ayar ihre Eindrücke vom Großbrand in Ölbronn. Die Kurier-Mitarbeiterin war in der Nacht auf Freitag gegen 1.30 Uhr aufgewacht, als die Feuerwehr zum Brand in der Firma „RKB electronic“ in der Otto-Hahn-Straße eilte. „Da hatte ich mir noch gar nichts dabei gedacht“, sagt El Ayar. Dann schaute sie aus dem Fenster und sah das Feuer in etwa 400 Metern Entfernung und dicke Rauchschwaden in die Höhe steigen. Kurze Zeit später sei ein weiteres Löschfahrzeug gekommen, habe die Pumpen an einen Hydranten angeschlossen und mit den Löscharbeiten begonnen.

Zeugen melden Brand

Viele Zeugen haben das Feuer vor Ort miterlebt und einige von ihnen den Brand kurz nach 1.20 Uhr gemeldet. Nach Angaben der Polizei soll es im mittleren Teil einer 100 auf 80 Meter großen eingeschossigen Produktionshalle zur Herstellung von Akkus ausgelöst worden sein.
Feuerwehren aus Ölbronn-Dürrn, Pforzheim, Ötisheim, Mühlacker, Kieselbronn, Illingen, Maulbronn, Knittlingen und Wiernsheim eilten mit einem Großaufgebot von mindestens 100 Kräften an den Brandort. Zudem hielten die Rettungsdienste vorsorglich zehn Einsatzkräfte vor. Vorsorglich ist die Bevölkerung über Medien gebeten worden, die Türen und Fenster geschlossen zu halten. Allerdings haben bisherige Messungen der Feuerwehr in beiden Ortsteilen keine erhöhten Schadstoffwerte ergeben, so die Polizei. Gefahr für die Bevölkerung habe nicht bestanden, erklärte Kreisbrandmeister Christian Spielvogel, der ebenfalls vor Ort war. Die meisten in der Elektronikfirma hergestellten Lithium-Ionen-Akkus seien in bestimmten Behältnissen aufbewahrt worden, die dem Feuer standgehalten hätten. Die Feuerwehr habe das Gebäude allerdings nicht betreten können, weil sich das Feuer beim Eintreffen der Wehr schon zu sehr ausgebreitet hatte, so Spielvogel.

Schaden auf fünf Millionen Euro geschätzt

Der Schaden wird nach Angaben der Polizei auf fast fünf Millionen Euro geschätzt. Allein die in der Firma produzierten Lithium-Ionen- und Lithium-Eisenphosphat-Akkus schlagen mit einem Schadenswert von rund einer Million Euro zu Buche, so die Polizei. Personen kamen bei dem Feuer nicht zu Schaden. Die genaue Brandursache ist laut Polizei noch nicht bekannt, vermutlich habe es sich um einen technischen Defekt im Produktionsbereich gehandelt. Eine vorsätzliche Brandlegung sei „aufgrund der Gesamtumstände weitestgehend auszuschließen“, teilte die Polizei weiter mit. Hierzu führt das Kriminalkommissariat Pforzheim die weiteren Ermittlungen.

Pforzheimer Straße lange gesperrt

Groß ist die Bestürzung bei den Mitarbeitern der Firma. „Hier ist jeder am Kämpfen, um Maschinen zu organisieren, damit wir schnell wieder produzieren können“, sagte eine Mitarbeiterin, die namentlich nicht genannt werden wollte, auf Nachfrage des Pforzheimer Kurier. Die Geschäftsleitung war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Sie sei damit beschäftigt, die Produktion zu sichern, so die Mitarbeiterin. Die Firma will in ein Gebäude innerhalb der Holding ausweichen und so bald wie möglich wieder mit der Produktion beginnen. Die Löscharbeiten zogen sich am Freitag bis in den späten Nachmittag. Unter Einsatz eines Baggers hat die Wehr letzte Glutnester freigelegt und abgelöscht. Die Pforzheimer Straße blieb in der Zeit gesperrt. Zur Fertigung von Luftbildern war auch ein Polizeihubschrauber im Einsatz. Das Rote Kreuz war beim Einsatz in Ölbronn mit zwei Rettungswagen, dem organisatorischen Einsatzleiter des Rettungsdienstes, Ehrenamtlichen des Ortsvereins Kieselbronn und der Kreisbereitschaftsleitung vor Ort. Viele Polizeibeamte wurden zu Absperr- und Verkehrsregelungs- sowie ersten Brandermittlungsmaßnahmen hinzugezogen.

Nicht der erste Großbrand in Ölbronn

Es ist nicht der erste Großbrand einer Firma in Ölbronn. Ende April 2011 war ein Feuer in der Werkzeugbaufirma Nonnenmacher in Ölbronn ausgebrochen. Dabei entstand ein Millionenschaden. Ursache war ein Kurzschluss in einem elektrischen Verteiler. Bereits zwei Wochen nach dem Brand hat die Firma in einem Ausweichgebäude in Königsbach-Stein wieder produziert und ein Jahr nach dem Brand ihren Neubau in Ölbronn-Dürrn bezogen.