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Kommentar: Falsch beraten

Outlet-Pläne in Pforzheim: Stadt kann nicht die Katze im Sack kaufen

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Zum politischen Wirbel um die Outlet-Pläne in Pforzheim und die Kritik von Versandhauschef Bader an der Verwaltung kommentiert Kurier-Redakteur Daniel Streib: Auch von einem verdienten Unternehmen kann die Stadt nicht einfach die Katze im Sack kaufen. Bader ist mit seinem Konfrontationskurs falsch beraten.

„Bader kommt ganz groß in Mode“, so lautet der bekannte Werbeslogan des Pforzheimer Versandhändlers. Etwas aus der Mode wirkt indes die Strategie mit der Seniorchef Klaus Bader die Nachnutzung seines alten Logistikzentrums verfolgt: Ignorieren der Rechtslage, Vorwürfe an Stadträte, Beschimpfung der Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit nach Gutsherrenart.

Nein, ein Unternehmen das vieles geleistet hat, muss nicht als devoter Bittsteller daherkommen. Die Realität sollten seine Chefs dennoch zur Kenntnis nehmen. Stadt und Gemeinderat sind allen Bürgern verpflichtet, sie können nicht einfach die Katze im Sack kaufen, wenn ein noch so verdienter Unternehmer blumige Versprechungen macht.

Baders Konfrontationskurs ist nur durch alte Wunden erklärbar

Der von Bader gewählte Konfrontationskurs ist wohl nur durch schwärende Wunden erklärbar, aus der Zeit, als Bader sich mit seiner Logistik von der Politik aus Pforzheim gedrängt sah – oder, je nach Lesart, bei den Verhandlungen um die in Pforzheim durchaus vorhandenen Grundstücke zu hoch gepokert hatte.
Längst ist die Bader-Logistik nun im entfernten Östringen.

Und die durch die Westtangente inzwischen bestens erschlossene, aber veraltete Riesenimmobilie im Brötzinger Tal, liegt immer noch brach. Bei Bader selbst räumt man ein, dass es vor dem schwierigen Outlet-Vorhaben durchaus schon andere Pläne für eine Nachnutzung gab, diese sich aber mangels Nachfrage zerschlugen.

Auch nach der Kommunalwahl ist das Planungsrecht noch dasselbe

Auch vor diesem Hintergrund ist Bader mit seinem politischen Konfrontationskurs und der Vereinnahmung durch die Gruppe der City-Ost-Gegner schlecht beraten. Denn auch wenn die Kommunalwahl vorbei ist, ist das Planungsrecht noch dasselbe. Und die Liegenschaft im Brötzinger Tal steht immer noch leer.