Leere Stühle wie auf diesem Symbolbild gibt es in den Pforzheimer Kindertagesstätten nicht. Aktuell fehlen 840 Plätze. Frühestens im Jahr 2025 soll der Platzbedarf gedeckt sein. Doch die Rechnung geht nur auf, wenn bis dahin genügend Personal gefunden wird.
Leere Stühle wie auf diesem Symbolbild gibt es in den Pforzheimer Kindertagesstätten nicht. Aktuell fehlen 840 Plätze. Frühestens im Jahr 2025 soll der Platzbedarf gedeckt sein. Doch die Rechnung geht nur auf, wenn bis dahin genügend Personal gefunden wird. | Foto: Archiv Frank Molter/dpa

840 Kita-Plätze fehlen

Pädagogische Fachkräfte dringend gesucht

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Aktuell gibt es in Pforzheim knapp 4 700 Kita-Plätze. Nicht genug. 840 Plätze fehlen. Etwa die Hälfte davon betrifft Kinder über drei Jahren. Die Stadt plant beziehungsweise hofft, bis 2025 das Defizit ausgeglichen zu haben. So einfach ist es aber nicht.

Rechnerische Null ab 2025

30 Ausbauvorhaben der Stadt befinden sich in verschiedenen Realisierungsstadien, wie die Stadt auf Kurier-Nachfrage mitteilt. Doch die rechnerische Null bei den Fehlplätzen ist eine „Best-Case“-Planung, geht davon aus, dass es keine signifikante Zuwanderung und keinen Anstieg der Geburtenrate gibt. Und: Der Mangel an Platz und Personal muss gedeckt sein. „Es müssten so viele Fachkräfte gefunden werden, das kann ich mir nicht vorstellen“, glaubt Nicole Gaidetzka. Die zweite Vorsitzende des Gesamtelternbeirats für Pforzheimer Kindertagesstätten und Schulkindbetreuung (GEPK) verfolgt die Situation mit Argusaugen. Als Sprachrohr für Eltern ist sie mit der Situation unzufrieden. „Die Stadt tut zu wenig.“

„Politisches Zeichen“ gefordert

Diese Einschätzung teilt WiP-Stadtrat Christof Weisenbacher nicht ganz: „Selbst wenn wir in Geld schwimmen würden, wäre es nicht einfach.“ Was der Stadtrat aber vermisst ist ein „politisches Zeichen“ von Sozialbürgermeister Frank Fillbrunn.
Denn der Fehlbedarf an Kita-Plätzen hat sich verschärft. Im Vergleich zu 2017, als die Flüchtlingskrise bereits den Scheitelpunkt erreicht hatte, werden 300 weitere Plätze benötigt. Die Stadt verweist darauf, dass der Ausbau mit höchster Priorität verläuft. „Pforzheim hat lange nichts gemacht und war eine der letzten Städte, die den Fehlbedarf angegangen ist“, sagt SPD-Fraktionsvorsitzender Ralf Fuhrmann. Das sieht auch Weisenbacher so: „Es kommt einem vor, als hecheln wir der Entwicklung hinterher.“

Kindertagespflege als ein Strohhalm

Was aber bleibt den Eltern der 952 Kinder, die im April eine Absage von der Stadt erhielten? Eine Möglichkeit sind Kindertagespflegeangebote des Kinderschutzbundes. Hier werden aktuell 216 Kinder betreut, 81 davon älter als drei Jahre. Ein Plus von über 30 Prozent im Vergleich zu 2018. „Doch auch wir können nur bedingt helfen bei der Nachfrage“, sagt Geschäftsführerin Doris Möller-Espe. Eine Klage, immerhin besteht seit 2013 ein rechtlicher Anspruch, wäre auch eine Option. Aktuell liegen aber keine vor, wie die Stadt erklärt. Außerdem sei es bisher gelungen, allen Familien, die dringend einen Platz benötigen, ein Angebot zu machen, so die Stadt weiter.

Berufsbild muss aufgewertet werden

In einem Punkt sind sich alle einig. Das Berufsbild der pädagogischen Fachkräfte muss aufgewertet werden. „Das sind nicht die, die dasitzen, Kaffee trinken und ein bisschen mit Kindern spielen“, sagt Gaidetzka. Dabei geht es aber nicht nur um soziale, sondern auch um finanzielle Anerkennung. „Solange man mehr Geld bekommt, wenn man auf zwölf LKWs aufpasst, als auf zwölf Kinder, läuft etwas falsch“, findet Fuhrmann. Die Stadt steht auch in einem Konkurrenzkampf mit dem Enzkreis, Karlsruhe und privaten Trägergesellschaften, die bisweilen mehr bezahlen können.

Rund 200 Fachkräfte benötigt

Aktuell sind bei der Stadt fünf Stellen für pädagogische Kräfte ausgeschrieben. Der Bedarf, um ab 2025 wirklich bei Null zu sein, ist jedoch höher. Rund 200 müssen es sein, wie die Stadt auf Kurier-Nachfrage mitteilt. Auch wurde die Zahl der Ausbildungsplätze erhöht. 16 Auszibildende beginnen zukünftig ihre Ausbildung bei einer von der Stadt getragenen Einrichtung. Außerdem seien weitere Projekte zur Fachkraftgewinnung geplant. „Es ist am Ende eine Prioritätenfrage, ob man Geld in ein Smart-City-Projekt investiert oder in Personal“, so Weisenbacher.