Netter Faschingsscherz oder nah am rassistischen Stereotyp? Auch die Kostümierung zur „fünften Jahreszeit“ ist Teil der Online-Diskussion. | Foto: dpa

Hitzige Diskussion dauert an

Petitions-Initiatorin sieht Kritik an „Happianer“ falsch dargestellt

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Im Streit zwischen Petitions-Initiatorin Helena Leucht und den Veranstaltern des Happiness-Festivals bleiben die Fronten weiter verhärtet. Im jüngsten Statement der Macher sieht Leucht ihre Kritik verzerrt: Darin war es vor allem um die Herkunft des Namens „Happianer“ und das Tipi auf dem Zeltplatz gegangen.
„Es geht nicht um den Namen ,Happianer‘, wenn dieser alleine steht, wie auch in der Petition deutlich gesagt wird“, erklärt sich die Initiatorin in einer Mitteilung an den Kurier. „Durch die Maske, über die sich die Veranstalter nicht weiter geäußert haben, wird jedoch der Name in einen neuen Rahmen gesetzt.“ Nicht in den vorab stattgefundenen Gesprächen, sondern erst auf medialen Druck hin hätten sich die Macher mit der Kritik ernsthaft beschäftigt, bedauert Leucht. „Es wurde dennoch nicht anerkannt, dass es für rassistische Handlungen nicht zwingend einen Vorsatz geben muss.“ In einem längeren Leserbrief an den Kurier unterstützt die Leipziger Native-American-Nachfahrin Julia Bünger Leuchts Position.

Durch die Maske wird der Name in einen neuen Rahmen gesetzt.

BNN-Leser melden sich zu Wort

Während die kritische Studentin auf Facebook von Dutzenden Nutzern teils sehr harsche Kritik einstecken muss („Schwachfug“, „Die Nazikeule ist wie ein Virus“) meldeten sich auch zwei BNN-Leser mit längeren Statements zu Wort und forderten mehr Verständnis für Helena Leucht. „Meine Kritik richtet sich an die ,Stellungnahme‘ der Veranstalter mit der Frage ob ,das haben wir nicht so gemeint‘ wirklich alles ist, was sie dazu zu sagen haben“, schreibt Bruno Tröndlin aus Karlsruhe. Auch er sieht den Schwerpunkt der Kritik falsch verstanden: „Der Große Aufreger ist die Holzmaske, die ganz klar einen Stereotyp zeigt und in diesem Zusammenhang ist dann auch das Wort („Happianer“, Anm. d. Red.) zu hinterfragen.“ Mit Blick auf die zitierten Facebook-Kommentare findet Tröndlin: „Die Sorge, ob man jetzt aufpassen müsste, wie man sich kostümiert, beantworte ich ganz klar mit ,Ja!‘ Es ist das Jahr 2018 und es ist zumindest fragwürdig, sich als ,Indianer‘ oder eine ähnlich stereotypisierte marginalisierte Gruppe zu verkleiden.“

Petition hat inzwischen über 1300 Unterstützer

Leserin Jessika Kluth schreibt: „Es handelt sich bei der Petition nicht um ein persönliches Belangen der Initiatorin, sondern es geht um ein Problem unserer Gesellschaft: die Aneignung und Reproduktion eines Stereotyps. Dabei handelt es sich um Rassismus“. Die Petition haben zwischenzeitlich über 1300 Menschen unterzeichnet.

Bürgermeister stärkt Veranstaltern den Rücken

Der Straubenhardter Bürgermeister Helge Viehweg hingegen hält die Kritik an den Happiness-Machern, in Übereinstimmung mit den meisten Facebook-Kommentatoren, für überzogen. „Die Veranstalter kenne ich persönlich – und sie sind mir nie aufgefallen, wie in der Petition beschrieben. Aus meiner Sicht sollte man nicht auf jeden Quatsch eingehen“, so der knappe Kommentar des Gemeindeoberhaupts.
Das Video, mit dem die Veranstalter deutlich machen wollten, dass ein „Happianer“ aus ihrer Sicht tausende verschiedene Gesichter haben kann, erhielt auf der Facebook-Seite fast 200 Reaktionen – von „Daumen hoch“ über Herzchen und Smileys.

change.org/happianer
facebook.com/HappinessFestival
https://www.happiness-festival.de