Noch nicht in Azur: Der Pforzheimer Vincenzo Grifo steht erstmals im Kader der italienischen Nationalmannschaft. | Foto: Jennifer Lorenzini/imago

Fußball-Nationalspieler

Pforza, Vince! Pforzheimer hoffen auf Grifo-Einsatz für Italien

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Zumindest für zwei Tage ist Pforzheim die nördlichste Stadt Italiens. Nämlich am Samstag und am Dienstag, wenn die „Squadra Azzurra“, die italienische Fußball-Nationalmannschaft, ihre beiden Länderspiele gegen Europameister Portugal sowie die Vereinigten Staaten absolviert. Denn mit dabei ist ein gebürtiger Pforzheimer, Vincenzo Grifo, der möglicherweise vor seinem Länderspiel-Debüt steht.

CfR-Vorsitzender Geiser: „Vom kleinen Vince aus der Nordstadt zum großen Grifo“

Seine Karriere begann Grifo nicht in Italien und auch nicht bei seinem heutigen Club TSG Hoffenheim, sondern in der Jugend des 1. CfR Pforzheim beziehungsweise des VfR. Entsprechend stolz ist man am Holzhof auf den einstigen Schützling. „Das ist schon eine tolle Geschichte: Vom kleinen Vince aus der Nordstadt zum großen Grifo“, kommentiert der CfR-Vorsitzende Markus Geiser, der selbst enge Bande zu Grifos Familie unterhält. Er traut „Vince“ durchaus den dauerhaften Sprung in Kader und Mannschaft zu. „Früher hieß es, der Ballbesitzfußball, das Tiki-Taka, das sei die Perfektion des Fußballs. Aber Spanien, Deutschland und auch Italien, die haben alle Probleme bekommen“, lautet seine Analyse. Und da komme Grifo ins Spiel: „Bolzplatz Nord, Tempofußball, Eins-gegen-eins, das ist seine Stärke!“

Grifo kickte einst in der Pforzheimer Bolzplatzliga

Tatsächlich liegen die Wurzeln von Grifo im Straßenfußball, er war einer der ersten Sieger der Pforzheimer Bolzplatzliga und besuchte dieses Sozialprojekt erst im Sommer 2018 wieder – wenige Tage, bevor sein Wechsel nach Hoffenheim bekannt wurde.

Ex-Jugendtrainer: „Der war schon damals herausragend“

Zu Beginn seiner Karriere hießen die Clubnamen noch anders. Vom CfR ging es zunächst zu Germania Brötzingen und dann zur Jugend des Karlsruher SC. „Natürlich ist man da schon stolz, wir freuen uns riesig“, sagt Gunter Roser, Grifos früherer Jugendtrainer bei Germania Brötzingen in der C-Jugend. „Der war schon damals herausragend und hat Führungspositionen übernommen. Dass er aber so hoch kommen würde, war natürlich nicht abzusehen.“

Grifo im Kader gegen den Europameister

Auch wenn ein Einsatz im Testspiel gegen die USA wahrscheinlicher scheint als einer in der Nationsleague gegen Portugal – vielleicht kommt es ja doch zum Aufeinandertreffen zwischen dem Pforzheimer Straßenfußballer Grifo und den Europameistern – auch wenn Superstar Cristiano Ronaldo wohl fehlen wird. „Das wäre natürlich fantastisch“, sagt Roser. Er erinnere sich noch gut an die Zeit bei Germania. „Die ganze Familie war da engagiert, der Vater war im Trainerstab.“ Später kam die Fusion zum SV Kickers Pforzheim. „Aber auch die Kickers sind stolz auf Vince“, sagt Roser, dessen einziges Problem nun sei „das Spiel auch zu sehen. Vielleicht geht das ja übers italienische Fernsehen.“

Di Piazza: „In der ganzen Familie freut sich natürlich jeder“

Ein ganz anderes Problem mit dem Schauen hat Riccardo Di Piazza. Der Offensivmann geht für den FC Nöttingen in der Oberliga auf Torejagd – und ist Grifos Cousin. „Ich hoffe, dass ich rechtzeitig zuhause bin, um das Spiel zu sehen“, sagt er. Schließlich hat sein Team am Samstag noch ein Auswärtsspiel bei Normannia Gmünd. Das klingt zwar nicht so luxuriös wie CR7, will aber auch erst einmal gewonnen werden. „Ich hoffe, dass Vince seine Einsatzzeit bekommt und seine Chance nutzt“, sagt Di Piazza. „In der ganzen Familie, hier oben und im Heimatdorf auf Sizilien, freut sich natürlich jeder. Für ihn geht vielleicht ein Lebenstraum in Erfüllung.“

Die italienischen Länderspiele finden gegen Portugal am Samstag (20.45 Uhr) und am Dienstag gegen die USA (20.45 Uhr) statt.