Bader Pforzheim im Brötzinger Tal
EIN GROSSER NAME VERSCHWINDET: Mehr als 50 Jahre belieferte das Versandhaus Bader seine Kunden vom Industriegebiet Brötzinger Tal aus. Nun sind die Tage des dortigen Standorts gezählt. Derzeit wird der Versand schrittweise nach Östringen verlagert. 320 Pforzheimer Mitarbeiter sollen laut Gewerkschaft wechseln. Die Zentrale bleibt in Pforzheim. | Foto: Gress

Neuer Versand in Östringen

Pforzheim: 320 Bader-Mitarbeiter von Verlagerung betroffen

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Von der Teilverlagerung des Bader-Versands von Pforzheim nach Östringen ist rund ein Drittel der Beschäftigten betroffen. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi sollen rund 320 Angestellte vom alten Standort im Industriegebiet Brötzinger Tal an den neuen Standort versetzt werden. Laut Verdi ist die Zahl der tatsächlich betroffenen Mitarbeiter noch deutlich höher. „Das liegt an der großen Zahl von Leiharbeitskräften“, so eine Sprecherin.

Zur Erinnerung: Es war vor rund vier Jahren ein Schlag in die Magengrube für den Wirtschaftsstandort Pforzheim. Ausgerechnet eines der bekanntesten Unternehmen der Stadt kündigte an, sein neues Versandzentrum nicht mehr in der Stadt zu bauen. Zuvor waren Gespräche über einen neuen Standort zwischen dem Versandriesen und der Pforzheimer Stadtverwaltung gescheitert.

Bader-Pakete aus Östringen

Nach längerer Suche in ganz Deutschland entschied sich Firmenchef Klaus Bader schließlich für den Standort Östringen. Inzwischen ist das neue Logistikzentrum fertiggestellt. Das erste Bader-Paket aus Östringen wurde bereits vergangenen Herbst verschickt. Seither läuft die Test- und Übergangsphase. „Wir werden nun recht zügig die neue Anlage in Östringen weiter hochfahren“, sagte der für die Verlagerung zuständige Colin Bader beim Östringer Neujahrsempfang. Zunächst sollte der Übergang von der alten zur neuen Versandzentrale bis zum 1. Juli vollzogen werden, heißt es bei Verdi.

Der Testbetrieb im Bader-Versandzentrum in Östringen läuft bereits. | Foto: Braunecker

Doch dabei könnte es zu Verzögerungen kommen, was auch an der Personalsituation liegen dürfte, wie vermutet wird. Denn für viele der oft langjährigen Pforzheimer Bader-Mitarbeiter erschien ein beruflicher Wechsel ins mehr als 60 Kilometer entfernte Östringen wenig attraktiv. Etliche der Beschäftigten im Brötzinger Versandzentrum sind Verdi-Angaben zufolge angelernte Kräfte über 55 Jahre.

320 Bader-Mitarbeiter betroffen

Zunächst hatte der Arbeitgeber die Mitarbeiter auf freiwilliger Basis zum Ortswechsel ermutigt. Doch dies reichte offenbar nicht aus. Nun sollen 320 Mitarbeiter versetzt werden. Inzwischen wurde ein Interessenausgleich mit Sozialplan vereinbart, der von Verdi allerdings kritisiert wird. Manche Mitarbeiter sehen sich, beispielsweise wegen einer Behinderung, für einen Wechsel nach Östringen außerstande – und gehen juristisch gegen die Versetzung vor. „Uns sind 30 Mitarbeiter bekannt, die gegen ihre Versetzung klagen“, erklärt Melanie Rechkemmer.

Verdi kritisiert: Keine Härtefallregelung

Die für Handel zuständige Gewerkschaftssekretärin im Verdi-Bezirk Mittelbaden-Nordschwarzwald bedauert: „Leider hat das Unternehmen keine Härtefallregelung eingebaut.“ Mit öffentlichen Verkehrsmittel sei man immerhin eineindreiviertel Stunden unterwegs, so Rechkemmer. Zwar setze Bader auch Busse für den Transfer ein, doch nicht alle Mitarbeiter könnten diese nutzen oder zeitnah erreichen. Bader wurde 1929 in Pforzheim gegründet und beschäftigt früheren Angaben zufolge rund 1 000 Mitarbeiter. Die Zentrale bleibt in Pforzheim.

Der Bader-Versand im Internet: www.bader.de