Vertrauen aufzubauen ist wesentlich für die Arbeit von Streetworker Daniel Stoll (links), der viel im Umfeld der Schlössle Galerie unterwegs ist.
Vertrauen aufzubauen ist wesentlich für die Arbeit von Streetworker Daniel Stoll (links), der viel im Umfeld der Schlössle Galerie unterwegs ist. | Foto: Wacker

Weniger Auseinandersetzungen

Pforzheim: Arbeit der Streetworker zahlt sich aus

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Sechs Monate nach Einführung des Sicherheitskonzepts „Leo“ in Pforzheim ziehen Ordnungshüter und Sozialarbeiter positive Bilanz. Seitdem die Streetworker in der Goldstadt unterwegs sind, ist es ruhiger und sauberer geworden.

Die jungen Männer stammen aus Eritrea, Syrien, Irak, Afghanistan und Rumänien. „Sie kommen regelmäßig, manchmal nur zum Reden“, sagt Daniel Stoll. Der Streetworker arbeitet zusammen mit seinem Kollegen Jusef Ankour, einem gebürtigen Marokkaner, in einem Büro in der Pforzheimer Goethestraße, das speziell für das „Integrationsprojekt für junge Männer“ eingerichtet wurde. Das sind Zielgruppen, die manchen Menschen in der Stadt Unbehagen bereiten, wenn sie in großer Zahl vor der Schlössle Galerie oder auf dem Leopoldplatz auftreten.

Ein halbes Jahr, nachdem Polizei und Stadt das Sicherheitskonzept „Leo“ auf den Weg gebracht haben, zu dem auch das Büro in der Goethestraße gehört, ist es ruhiger geworden in der City. „Es lungern nicht mehr so viele junge Männer herum“, wie es jüngst ein Einzelhändler gegenüber der Polizei darstellte. „Es gab seither keine Ansammlungen größerer Gruppen mehr und keine größeren Auseinandersetzungen“, erklärt Polizeisprecher Frank Otruba.

Keine größeren Auseinandersetzungen seither

Statt 15 bis 20 Personen standen in den vergangenen Monaten nur noch zwei, drei Leute vor der Schlössle Galerie oder auf dem Leo. „Es ist nicht nur weniger laut, sondern auch sauberer geworden“, wie Otruba Äußerungen von Anliegern und Einzelhändlern entnimmt. Für die Polizei zeigt dies, dass „das Maßnahmenbündel nachhaltig gewirkt hat“ – selbst während der heißen Sommermonate, als die Ordnungshüter ihre Kräfte wieder auf Normalmaß zurückgefahren hatten.

Dass auch Streetworker wie Stoll und Ankour ihren Anteil daran haben, bestätigt Otruba. „Wir haben die Leute ja nicht erreicht.“ Auch wenn nur ein Zeuge eines Streits gesucht war: „Die wollten mit der Polizei nichts zu tun haben.“ Dank Streetworkern wie Daniel Stoll und Jusef Ankour scheint bei jungen Migranten das Misstrauen gegenüber der Obrigkeit kleiner geworden zu sein.

In der Goethestraße betreuen Stoll und Ankour mittlerweile über 80 junge Migranten von 16 bis 27 Jahren, die mehrmals im Monat vorbeischauen. Die Streetworker geben Tipps bei beruflichen wie persönlichen Fragen. Sie begleiten auch zum Jobcenter und behandeln alltägliche Situationen: Den respektvollen Umgang mit Frauen und älteren Menschen. Probleme wie Diskriminierung und Rassismus. „Wir sprechen darüber, wie man sich in Extremsituationen verhält und in der Öffentlichkeit auftritt“, umreißt Stoll die Palette soziokultureller Arbeit.

Streetworker sprechen über Probleme wie Diskriminierung und Rassismus

Flankierend gibt es Seminare in der Carlo-Schmid-Schule. Das Interesse daran wachse bei jungen Migranten. Streetworker Stoll, der auch viel in der Stadt unterwegs ist, berichtet von ausschließlich guten Erfahrungen. Mögliche Täter beziehungsweise Opfer aus Schlägereien sind seines Wissens aber unter den Klienten. Es brauche seine Zeit, um Vertrauen aufzubauen, erklärt Stoll. Und dies treffe umso mehr auf problematischere Fälle zu.

Nach Erkenntnissen der Polizei waren es in der Vergangenheit immer nur einige wenige Aggressoren, die gewalttätig wurden. So auch im April, als eine größere Gruppe Syrer einer irakischen gegenüber stand und die Polizei wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelte. Massenschlägereien habe es nie gegeben, sagt Polizeisprecher Otruba und betont: „Pforzheim ist die zweitsicherste kreisfreie Großstadt in Baden-Württemberg.“

Von März bis Juni, als das Sicherheitskonzept „Leo“ aktiv war, habe die Polizei rund 1 000 Personenkontrollen an den genannten Bereichen und in der Fußgängerzone vorgenommen. Dabei wurden Platzverweise erteilt und Verstöße dagegen geahndet, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz festgestellt und mehreren Personen Messer abgenommen.