Gemeinderat Pforzheim
ENTSCHEIDUNG IM GEMEINDERAT: Erster Bürgermeister Dirk Büscher, Oberbürgermeister Peter Boch, Sozialbürgermeisterin Monika Müller, Baubürgermeisterin Sibylle Schüssler (hinten von links). | Foto: str

Pforzheim baut IT-Zentrum für vier Millionen Euro

Die Stadt Pforzheim bekommt ein neues Rechenzentrum. BNN.de erfuhr: Den Beschluss über die Vier-Millionen-Euro-Investition hat der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung getroffen. Dies, so glauben manche, hat den Hintergrund, dass das neue Gebäude auf einem Freiareal bei der Heinrich-Wieland-Schule gebaut werden soll. Laut Stadtverwaltung Pforzheim gibt es einen anderen Grund.

Damit sei hier Schulerweiterungsfläche geopfert, während Oberbürgermeister Peter Boch genau eine solche bei der Pforzheimer Ottersteinschule verteidige, damit dort entgegen bisheriger Planung keine Asylunterkünfte entstehen können.

Rechenzentrum Pforzheim
FLEISSIG GERECHNET wird in der Heinrich-Wieland-Schule (hinten) bereits unter anderem am Technischen Gymnasium und an einem Berufskolleg. Vorne an der Kaulbachstraße auf dem Abschnitt zwischen Wurmberger Straße und Graf-Leutrum-Straße will Pforzheim ein neues städtisches Rechenzentrum bauen. Foto: Ehmann | Foto: Ehmann

Stadt-Sprecher: Keine Schulerweiterungsfläche

Laut Stadt liegt dieser Fall aber anders. „Eine Schulerweiterung wäre trotz der Bebauung möglich“, sagt Sprecher Philipp Mukherjee, der im übrigen den Gemeinderatsbeschluss bestätigt. Es handle sich um ein „eingeschränktes Gewerbegebiet“. Im Vorfeld seien andere Standorte geprüft worden. Hohe technische, funktionale und ökologische Anforderungen ließen jedoch das Neubauvorhaben als die wirtschaftlich beste Lösung erscheinen. Probleme mit dem Regierungspräsidium Karlsruhe wegen der Ausgabenpolitik in Pforzheim seien nicht zu befürchten. Die veranschlagte Summe „steht bereits im aktuelle Doppelhaushalt 2017/2018“.

Bedarf für IT-Zentrum unumstritten

Unstrittig ist auch unter Gegnern des Projekts, dass die Stadt das neue Rechenzentrum braucht. Bislang sind sowohl Server als auch Datensicherung im Pforzheimer Rathaus untergebracht. Deshalb habe das Thema entgegen der üblichen Gepflogenheiten auch nichtöffentlich besprochen werden müssen, heißt es bei einem Teil der damit Befassten. IT-Experten schütteln über derartige Vorstellungen den Kopf. „Hacker orientieren sich nicht an Baustrukturen.“

Kontroverse Debatte im Gemeinderat Pforzheim

Interessanter ist, was Insider zur Genese der „dringend notwendigen“ Investition sagen. Sie sei bereits im Wahlkampf 2001 ein Thema gewesen und damals gescheitert, nachdem sich die spätere Gewinnerin gegen OB Joachim Becker, Christel Augenstein, dagegen ausgesprochen hatte. Einen solchen Rückschlag wollten sich die Verantwortlichen im Rathaus und offensichtlich auch im Gemeinderat, der über den Haushalt entschied, dieses Mal nicht leisten. Nichtöffentlichkeit war also möglicherweise geboten, damit sich vier Millionen Euro für die Investitionen nicht im populistischen Wunschkonzert für Wählerstimmen auflösten.
Unstrittig war die Beratung am Dienstagabend hinter verschlossenen Türen deshalb nicht. So gab es bereits in öffentlicher Sitzung den Versuch, das Thema ganz von der Tagesordnung zu nehmen. Axel Baumbusch von der Grünen Liste hatte dabei allerdings im Sinne, den neuen OB vorzuführen, der im Wahlkampf versprochen hatte, keine Schulerweiterungsflächen zur Disposition zu stellen. Auch später im nichtöffentlichen Teil der Sitzung wurde wohl kontrovers über die Vorgehensweise beim Thema zweites Rechenzentrum diskutiert. In der Entscheidung war sich dann aber eine große Anzahl der Stadträte einig. Nach offiziell nicht bestätigten Informationen stimmten 24 für das neue IT-Haus bei der Heinrich-Wieland-Schule. Vier Räte sollen sich dagegen ausgesprochen, zwei enthalten haben.