Freude pur: Mit dem Sieg gegen Verfolger Esslingen am 16. Februar sicherten sich die Bisons vorzeitig die Meisterschaft in der Eishockey-Landesliga. In der kommenden Saison wollen die Pforzheimer wieder möglichst oft jubeln – dann in der Regionalliga. | Foto: Arnd Waidelich

Trotz Saisonabbruch

Pforzheim Bisons steigen als Meister in die Eishockey-Regionalliga auf

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Die große Meistersause mit den Fans fällt wegen der Corona-Krise vorerst ins Wasser, doch über ein neues Revier können sich die Bisons trotz Saisonabbruch freuen: In der kommenden Saison treten die Eishockey-Cracks vom 1. CfR Pforzheim in der Regionalliga Süd-West an.

Schon vor dem finalen Spiel gegen den EC Balingen standen die Bisons uneinholbar an der Tabellenspitze der Landesliga, nachdem sie sich im Top-Spiel gegen Verfolger Esslingen durchgesetzt hatten. Somit sicherten sich die Pforzheimer Puck-Jäger nicht nur die Meisterschaft, sondern auch das Aufstiegsrecht  – und das wollen sie wahrnehmen, wie der Verein seinen Anhängern mitteilte.

Regionalliga als Gewinn für die Bisons und die Stadt Pforzheim

„Wir freuen uns riesig über die Meisterschaft und den Aufstieg“, sagt Abteilungsleiter Tobias Nuffer. Die Regionalliga sei ein Gewinn – für die Bisons, aber auch für den Eishockey-Standort Pforzheim. „In der Regionalliga sind wir in ganz Baden-Württemberg unterwegs und steigern unsere Reichweite. Gleichzeitig kommen sicherlich mehr Zuschauer nach Pforzheim, auch aus anderen Städten.“

Sportlich wird das sicher eine große Herausforderung für uns.

Tobias Nuffer, Eishockey-Abteilungsleiter 1. CfR Pforzheim

Mannschaften wie Zweibrücken, Heilbronn oder Hügelsheim seien aber nicht nur bekannt für ihre großen Fangemeinden, sondern auch für ihre spielerische Qualität auf dem Eis. „Sportlich wird das sicher eine große Herausforderung für uns“, glaubt Nuffer.

Neuer Coach übernimmt für Meistertrainer Ken Filbey

Eine Herausforderung, die der CfR mit einem neuen Coach angehen wird: Meistertrainer Ken Filbey (57) wird vom 32-Jährigen John Kraiss abgelöst, der in dieser Saison noch beim Regionalligisten Eisbären Eppelheim das Sagen hatte. Nötig sei dieser Schritt, weil es Filbey einerseits an Zeit fehle, und die Bisons andererseits eine neue Strategie fahren wollten. „In den vergangenen sieben Jahren haben wir unser Team immer nur punktuell verstärkt. Das reicht nun nicht mehr“, erklärt der Abteilungsleiter.

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Zwar bleibe der Großteil des Meisterteams zusammen. „Für die ersten beiden Reihen werden wir aber sechs bis acht Neuzugänge verpflichten, darunter auch zwei neue Torhüter“, sagt Nuffer, der seinerseits den Kasten aus Zeitgründen nicht mehr hüten wird. Der regionalligaerfahrene Kraiss soll aus dem großen Kader in der Vorbereitung ein konkurrenzfähiges Team basteln, das nach der Aufstiegssaison auch mit Niederlagen umzugehen weiß – denn die, so Nuffer, werden in der starken Liga definitiv kommen.

Seit Dezember vergangenen Jahres habe man sich intensiv nach möglichen Trainerkandidaten umgeschaut und sei schließlich in John Kraiss fündig geworden. „John ist ein junger, motivierter Trainer, der mit seiner offenen Art sehr gut zu uns passt. Er wird uns als Verein und Team weiterbringen“, ist sich Nuffer sicher.

Der neue Trainer John Kraiss soll mit den Bisons den Klassenverbleib in der Regionalliga schaffen. | Foto: pr

Kraiss will das Ziel Klassenverbleib mit viel Kampfgeist erreichen

Besonders schwer fiel es dem neuen Coach nicht, sich für die Bisons zu entscheiden. „In Pforzheim hat sich in den letzten Jahren viel entwickelt. Das Konzept hat mich überzeugt“, sagt John Kraiss, der sich „sehr auf die Herausforderung freut“. Die Regionalliga sei zwar ein anderes Kaliber, doch das Potenzial im Team sei groß.

Verlieren mag ich gar nicht. Das war schon als Spieler so.

John Kraiss, neuer Bisons-Coach

Den Bisons möchte Kraiss eine Kämpfermentalität einimpfen. „Leidenschaft ist wichtig, man darf nie aufgeben. Dazu sollen dann Spielzüge und schnelle Abschlüsse kommen“, blickt der 32-Jährige voraus. Mit dieser Mentalität möchte er das Ziel Klassenverbleib erreichen und möglichst oft als Sieger vom Eis gehen, denn:  „Verlieren mag ich gar nicht. Das war schon als Spieler so.“

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Auch abseits der Eisfläche steht viel Arbeit für die Bisons an

Doch auch abseits der Eisfläche steht für das Abenteuer Regionalliga noch reichlich Arbeit an, etwa das Beschaffen der finanziellen Mittel – kein leichtes Unterfangen in Zeiten von Corona. „In der aktuellen Situation ist die Sponsorensuche schwierig. Zugute kommt uns aber, dass wir schon sehr frühzeitig mit den Planungen begonnen haben“, sagt Tobias Nuffer.

Gleichzeitig seien durch Auflagen in der Regionalliga Veränderungen im Pforzheimer Eissportzentrum notwendig, zum Beispiel am Zeitnehmertisch oder im VIP-Raum. Dies habe man bereits mit dem Pächter besprochen. „Da wir mit mehr Zuschauern rechnen, brauchen wir auch einen zusätzlichen Stand für Essen und Getränke“, erklärt der Bisons-Chef.

Im Pforzheimer Eissportzentrum soll jedes Regionalliga-Spiel für die Fans zu einem Event werden. Dazu muss aber so manches in der Halle verändert werden. | Foto: Harry Rubner

Eishockey-Spiele bei den Bisons sollen zu großen Events werden

Viel Wert will Nuffer zudem auf die Unterhaltung sowie den DJ legen. „Die Leute sollen bei uns ein richtiges Event erleben, so wie das etwa schon in Hügelsheim der Fall ist.“ Dazu gehören auch – wie von der Liga gefordert – fest nummerierte Sitzplätze sowie ein schlüssiges Security-Konzept. Künftig sollen die Fans ihre Platzkarten wie im Kino bequem online auswählen können. „Für diese Veränderungen brauchen wir natürlich Manpower und hoffen auf viele ehrenamtliche Helfer“, so Nuffer.

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Alle diese Planungen seien trotz der Corona-Krise in vollem Gang, ob bald wieder „normal“ trainiert werden kann, stehe aber noch in den Sternen. Für den Notfall seien jedenfalls schon individuelle Trainingspläne vorbereitet. Und außerdem gehe es ja allen anderen Mannschaften auch so, meint Tobias Nuffer, der noch ganz leise und vorsichtig auf einen womöglich „positiven“ Effekt der Krisenzeit hinweist. „Vielleicht kommen dadurch ja zumindest die momentanen Mondpreise für neue Spieler zurück auf ein normales Niveau.“