Stefan Mappus war Mitglied der Findungskommission der Pforzheimer CDU für einen Oberbürgermeisterkandidaten. | Foto: Ehmann

Stefan Mappus im Gespräch

„Pforzheim bleibt hinter seinen Möglichkeiten“

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Mappus kündigt „Top-Kandidaten“ für CDU an

Einen guten Aufschlag – den muss die Pforzheimer CDU im Wahlkampf direkt hinlegen, um reelle Chancen auf den Oberbürgermeisterposten zu haben, sagt Stefan Mappus. Der frühere Ministerpräsident Baden-Württembergs ist Teil der Findungskommission für den Kandidaten der Partei. Oder war es, könnte man nun sagen. Denn die Suche ist „erfolgreich weit gediehen“, verrät Mappus während seines Redaktionsbesuchs beim Pforzheimer Kurier. Einen Namen will er selbstredend nicht kundgeben, nur: „Das Ergebnis ist sehr, sehr vorzeigbar, ein Top-Kandidat!“ Und das müsse es auch mindestens sein, betont Mappus, lehnt sich im Stuhl zurück und winkt ab – es sei schließlich nicht damit getan, einfach einen Kandidaten ins Rennen zu schicken, um dagegen zu marschieren: „Denn um das einmal klar zu sagen: Der Gert Hager ist ein anständiger Mann. Aber man kann aus Pforzheim deutlich mehr machen.“ Deshalb müsse es nun für das bürgerliche Lager darum gehen, ein gutes alternatives Angebot an Inhalten zu machen: „Womit Pforzheim aktuell noch sehr hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.“

 

In Pforzheim habe ich immer riesigen Rückhalt erfahren

Um Stefan Mappus ist es politisch ruhig geworden, seit er 2011 durch die Atomkatastrophe in Fukushima nahezu aus dem Amt katapultiert wurde und seine Politlaufbahn vorerst beendete. Und auch der ehemals häufig polternde Mappus selbst, der derzeit bei einem Münchner IT-Unternehmen im Vorstand sitzt, ist ruhiger geworden. Antworten auf Fragen nach den vergangenen Jahren gibt der 50-Jährige heute oft erst, nachdem er ein- oder zweimal tief Luft geholt und sich aufgerichtet hat. Denn die seien schwer gewesen, für ihn und seine Familie. Wenn er über Pforzheim und die Zukunft spricht, muss Mappus nicht erst durchatmen. „Hier habe ich immer riesigen Rückhalt erfahren“, betont der Christdemokrat. Auch darum habe er sich bei der Findungskommission für den OB-Kandidaten eingebracht. „Pforzheim ist eine schwierige Stadt mit allen Komplexitäten und in ihrer finanziell schwierigen Lage. Aber sie hat auch unglaublich viel Potenzial.“

Arbeitslosigkeit und Sicherheit als Wahlkampfthemen

Die Inhalte des Wahlkampfes – und Lösungen der Probleme – ergeben sich Mappus zufolge daher von selbst. Etwa die hohe Arbeitslosigkeit, die Infrastruktur, die Sicherheit. „Ich glaube, dass das Sicherheitsempfinden der Bürger in Pforzheim noch nicht da ist, wo es hin soll.“ Vor allem müsse die CDU einen Wahlkampf machen kann, der alle anspricht.
„Alle“, damit spielt Mappus vor allem auf diejenigen Wähler an, die bei der Landtagswahl der AfD ein Direktmandat verschafften. „Ich gebe diese Wähler nicht verloren. Wenn man die Menschen richtig anspricht, kann man viele zurückgewinnen, egal ob auf dem Buckenberg oder sonstwo in Pforzheim“, prognostiziert er. Gerade der Buckenberg sei ein besonderes Pflaster. Und für Überraschungen gut, sagt Mappus und erinnert an die Landtagswahl 2001, bei der er dort für die CDU über 70 Prozent der Stimmen geholt habe. „Das ist zwar gut 15 Jahre her, aber es ist ja nicht so, dass nun sämtliche Wähler von damals nicht mehr da sind.“

Mappus wünscht sich mehr Streitkultur

Grundsätzlich wünscht sich Mappus in der aktuellen Politik wieder mehr Streitkultur, das gelte auch für kommende Veranstaltungen in der Goldstadt, und gerade auch mit Kandidaten rechts der CDU. „Demokratie lebt von inhaltlicher Auseinandersetzung, auch vom Streit im positiven Sinne. Und den generiere ich nicht dadurch, dass ich mit bestimmten Leuten nicht rede“, erklärt Mappus.

Stefan Mappus im Gespräch mit der Redaktion des Pforzheimer Kurier.
Stefan Mappus im Gespräch mit der Redaktion des Pforzheimer Kurier. | Foto: Ehmann

Demokratie und Politik müssten stets spannend gestaltet werden: „Sonst hat künftig doch keiner mehr Lust, Kommunalpolitik zu machen.“ Apropos künftig – auch guten Nachwuchs zu finden beziehungsweise zu generieren, sei schwierig. Als er in die Junge Union kam, da war bei Debatten noch etwas los, erinnert sich Mappus, der selbst ein wenig grau zu werden beginnt, an seine Anfänge: „Heute müssen Sie bei mancher Bundestagsdebatte drei Tassen Kaffee trinken, um das Ende noch wach zu erleben.“
Mappus lacht, als die Rede auf den Jugendgemeinderat kommt. Auch die Junge Union (JU) sei in Pforzheim einige Jahre im Dornröschenschlaf gewesen. Dass sie jüngst von verschiedenen Seiten für ihre Ambitionen kritisiert worden sei, stärkste Kraft im Jugendgemeinderat zu werden, findet er absurd, sagt Mappus, der seit Oktober vergangenen Jahres Ehrenvorsitzender des CDU-Kreisverbandes ist und ein politisches Comeback im Jahr 2021 nicht ausschließt. „Ich war ein bisschen überrascht, dass kritisiert wurde, das sei extrem politisch. Entschuldigung, aber was denn sonst?“