Ein Bild der Verwüstung bot Pforzheim bei dem verheerenden Bombenangriff am 23. Februar 1945. Mehr als 17.600 Menschen starben. | Foto: PK-Archiv

Gedenktkultur für die Zukunft

Pforzheim demonstriert Geschlossenheit am 23. Februar 2018

Anzeige

Der 23. Februar 1945 ist der schwärzeste Tag in der Geschichte Pforzheims. Der Tag, an dem mindestens 17 600 Menschen bei einem alliierten Bombenangriff starben, hat sich tief in die kollektive Seele eingebrannt. Die wichtigsten Informationen und aktuelle Bilder von den Gedenkveranstaltungen zum 73. Jahrestag:

+++ Dieser Beitrag wird bis zum Abend mehrfach aktualisiert +++

Wie gedenkt man angemessen?

Der Tag spaltet bis heute die Stadtgesellschaft in der Frage, wie man eines solchen Ereignisses angemessen und würdevoll gedenkt. Ende vergangenen Jahres hat das neue Stadtoberhaupt Peter Boch mit seinem Vorstoß, das „eigentliche“ Gedenken wieder in den Fokus des Pforzheimer Schicksalstags zu rücken, für Verwirrung gesorgt. Die Mitglieder des „Arbeitskreis 23. Februar“ waren empört.

  • Pforzheim

Ohne politische Aussage geht es nicht

Ein rückwärts gerichtetes Gedenken ohne politische Aussage wollten sie nicht. Sie befürchteten, nun sei all das wieder hinfällig, worauf man sich nach jahrelangen Streitereien geeinigt hatte: An die Bombenopfer zu erinnern, ohne dabei die Fragen wegzuschieben, wie es dazu kommen konnte. Rechtzeitig hat man sich zusammengerauft. Vor Weihnachten beschloss der Gemeinderat die Resolution, die nun die Grundlage ist für etwa 50 Veranstaltungen rund um den Gedenktag.

„Statt Fackeln“ aus heißt es „Pforzheim sieht sich um“

Mit großer Erleichterung reagierte der Arbeitskreis darauf, dass eigentlich alles wieder in die Richtung gehen soll, die dessen Vertreter gemeinsam mit Bochs Amtsvorgänger Gert Hager eingeschlagen hatten. Abgesehen vom Motto: Statt „Fackeln aus“ wird es am heutigen 73. Jahrestag heißen: „Pforzheim sieht sich um! 23. Februar 1945 – 23. Februar 2018.“

 

An verschiedenen Örtlichkeiten sind die zentralen Veranstaltungen am Pforzheimer Gedenktag. | Foto: PK

Veranstaltungen spiegeln Vielfalt in der Stadt

Einige Veranstaltungen zum 23. Februar waren bereits, andere finden in den kommenden Tagen statt. Schulen, Kirchen, Kulturträger gestalten sie mit und spiegeln damit die Vielfalt in Pforzheims Bevölkerung.
Neben der offiziellen Gedenkfeier auf dem Hauptfriedhof wird die zweite Hauptveranstaltung, das „Lichtermeer“ auf dem Marktplatz, von der Stadt gemeinsam mit Vertretern aus Kirche, Kultur und Gesellschaft getragen.

Kerzen für den Frieden

Möglichst viele, so wünschen sich die Organisatoren, sollen mitmachen und eine Kerze entzünden für ein friedvolles Zusammenleben in der Stadt. Das Motto „Pforzheim sieht sich um! 23. Februar 1945 – 23. Februar 2018“ beinhaltet, dass die Stadt neben dem Gedenken den Bezug zu Gegenwart und Zukunft setzen will. Die Gedenkkultur soll auch zum Anliegen nachfolgender Generationen werden.

Jugend setzt sich mit Schicksalstag auseinander

Wie kann man jungen Menschen die Geschehnisse erklären? Wie den Zusammenhang vermitteln von Ursache und Folgen? Es gibt nur noch wenige Zeitzeugen, die den Feuersturm am 23. Februar 1945 miterlebt haben und davon erzählen können. Vor diesem Hintergrund waren und sind Schülerinnen und Schüler aufgefordert, sich mit Pforzheims Schicksalstag auf ihre Weise auseinanderzusetzen. Die Geschichte der Stadt zu verstehen, die auch die ihre ist. Sie haben unter anderem Gedenktafeln gestaltet, Bilder gemalt, Collagen angefertigt.

Hunderte Polizisten im Einsatz

Pforzheim demonstriert Geschlossenheit am 23. Februar 2018. Den Braunen auf dem Wartberg wollen die Stadtoberen möglichst keine Aufmerksamkeit schenken. Aber sie werden da sein. Und die Polizei wird wieder mit Hundertschaften anrücken, um für einen friedlichen Ablauf des Gedenktags zu sorgen.