Ein letztes Mal musste sich der ehemalige Prokurist (links außen) für das Mannheimer Landgericht im Cobra-Fall erheben
Ein letztes Mal musste sich der ehemalige Prokurist (links außen) für das Mannheimer Landgericht im Cobra-Fall erheben | Foto: Kapp

Unschuldig nach acht Jahren

Pforzheim: Freispruch für ehemaligen Cobra-Prokurist

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Im Prozess um einen der größten Betrugsfälle in der Geschichte der Pforzheimer Schmuckindustrie ist das Urteil gefallen. Der ehemalige Cobra-Prokurist wurde von allen Vorwürfen freigesprochen. Das Urteil ist eine „Klatsche“ für die Staatsanwaltschaft.

Im Gerichtswesen, so heißt es, gibt es keine Freisprüche erster oder zweiter Güte. Und doch kam Anwalt Manfred Forster nicht umhin, das Urteil gegen seinen Mandanten im Cobra-Prozess vor dem Mannheimer Landgericht einen „Freispruch erster Klasse“ zu nennen. Und vielmehr noch: „Er wurde in beispielloser Weise rehabilitiert.“

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Forsters Mandant, ehemaliger Prokurist bei der insolventen Pforzheimer Schmuckfirma Cobra, war wegen Beihilfe zum Betrug in zehn Fällen angeklagt worden. Es ging um Silber im Wert von einer knappen Million Euro, das der Hauptkunde von Cobra 2011 aufgrund deren Insolvenz verlor.

Unschuldig nach acht Jahren

Richterin Claudia Kreis-Stephan sowie ihre Beisitzer und Schöffen beendeten nun den Prozess gegen den Prokuristen: „Er wird aus tatsächlichen Gründen freigesprochen.“ Sie sei davon „sicher überzeugt“, dass es „keine Absprachen“ gegeben habe zwischen ihm und dem Geschäftsführer, den Kreis-Stephan auch aufgrund zahlreicher gleichklingender Aussagen zum Alltag bei Cobra den „Firmenpatriarchen“ nannte und der weiterhin vor Gericht steht.

Vielmehr habe der Freigesprochene „im guten Glauben“ mit dem langjährigen Stammkunden zusammengearbeitet. Und im Zweifel „hat er gemacht, was der Geschäftsführer ihm gesagt hat“, so Kreis-Stephan.

 

Damit vermied Kreis-Stephan eine Festlegung, ob es nun einen Betrug gab. Schlüsselmoment war die Vernehmung des früheren Einkäufers der geschädigten bayerischen Firma, der wie berichtet sein Silber am Tag der Insolvenz bei Cobra gesehen hatte – aber mangels vertraglicher Absicherung nicht mehr an sein Silber herankam.

„Man wurde gemeinsam groß – und hat gemeinsam rechtlich vor sich hingewurschtelt“, fasste Staatsanwältin Isa Böhmer zusammen. Dass die Bayern dachten, ihnen gehöre das Silber, spiele keine Rolle. „Denken reicht halt nicht“, so Böhmer in ihrem Abschlussplädoyer.

Zum Prokuristen sagte sie: „Er ist unschuldig.“ Und so war es dann ausgerechnet an Verteidiger Forster, Richterin und Staatsanwältin in Schutz zu nehmen. „Ich habe Verständnis dafür, dass man als Justiz bei solchen Werten nicht einfach die Hände in die Hosentasche nimmt.“

„Klatsche“ für die Staatsanwaltschaft

Dass Richterin und Staatsanwältin in so klaren Worten die Unschuld seines Mandanten betonten, sei „nicht typisch für deutsche Gerichte.“ Ebenso, dass beide Parteien schnell „auf die richtige Spur gekommen sind.“ Und doch gibt es Kritik, weniger an Böhmer, sondern am ermittelnden Staatsanwalt, dessen Ergebnisse diese vor Gericht zu vertreten hat.

„Eigentlich hätte der sich heute diese Klatsche abholen sollen und nicht sie“, meinte Forster. Schließlich übernimmt die Staatskasse die Kosten. Für den ehemals Angeklagten fällt nun eine Last ab. „Er hat eine Familie mit drei Kindern. Das ist natürlich eine Hypothek für ihn gewesen“, sagt Forster. Der Freigesprochene selbst wollte sich nicht äußern.