Pforzheim
ANLIEGERVERKEHR HÄLT SICH IN GRENZEN im Waldgebiet Klapfenhardt zwischen der Wilferdinger Höhe und Ispringen. Einem neuen Umweltgutachten zufolge dürfte das auch künftig so bleiben. | Foto: str

Bedrohte Tiere in Klapfenhardt

Pforzheim: Gutachten gegen Bochs Gewerbegebiet

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Die Gewerbepläne von Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) erhalten einen neuen Dämpfer.  Umweltexperten haben einem Gutachten zufolge im von ihm favorisierten Klapfenhardt-Wald in Pforzheim streng geschützte beziehungsweise besonders geschützte Arten nachgewiesen.Offenbar enthält das Gutachten aber auch für Projektbefürworter ermunternde Ergebnisse.

Nach BNN-Informationen wurden in dem an Flora-Fauna-Habitat-Gebiete angrenzenden 67 Hektar großen Plangebiet in Pforzheim unter anderem seltene Vögel wie Rotmilan, Mittelspecht und Waldlaubsänger dokumentiert, zudem schützenswerte Pflanzen wie den Seidelbast.

Gutachten: Seltene Vögel, aber kein Bannwald

Sollte sich dies bewahrheiten, wäre damit nach dem Bundesnaturschutzgesetz der Weg zu einem Gewerbegebiet erheblich erschwert. Das Gutachten enthält aber offenbar auch für Projektbegürworter positive Aussagen: Anders als von Kritikern immer wieder behauptet, handle es sich nicht um einen „Bann- und Schutzwald“.

MITTELSPECHT: Streng geschützt und standorttreu | Foto: lec

An der Studie beteiligt ist der Umweltexperte und Autor Gerhard Vögele, wie dieser auf Anfrage bestätigte. Details wollte der langjährige Pforzheimer Nabu-Vorsitzende noch nicht nennen und verwies auf die offizielle Vorstellung des Gutachtens, die für Anfang September geplant ist. Vögele hatte vor einigen Jahren bereits ein viel beachtetes Gutachten zum Gebiet Steinig zwischen dem Gewerbegebiet Wilferdinger Höhe und Klapfenhardt erstellt, wo die Stadt einst ebenfalls Gewerbeflächen plante.

Dolinen nur diesseits der Autobahn?

In Steinig wurden damals nicht nur gefährdete Arten wie der Mittelspecht nachgewiesen, sondern auch etliche Dolinen, also Senktrichter im Boden, die eine Bebauung erschweren würden. „Diese Dolinen waren laut Gutachten ein Grund gegen das Gewerbegebiet Steinig. Mir fällt schwer zu glauben, dass auf der anderen Seite der Autobahn keine Dolinen sind“, sagt Manfred Pflüger, der Sprecher der Bürgerinitiative BI Nord, die sich Bochs Vorhaben massiv entgegenstellt.

Unter anderem beauftragte die BI Nord eine Anwaltskanzlei damit, das Rathaus zur Herausgabe von internen Informationen über das Vorhaben zu zwingen, um zu erfahren wie Boch mit Klapfenhardt im Vergleich zum von seinem Vorgänger Gert Hager favorisierten Gebiet Ochsenwäldle auf eine Ersparnis von 50 Millionen Euro kommen will.

Hat Boch gar keine belastbaren Zahlen?

Wie berichtet hatte Boch Ende 2017 genau damit seinen überraschenden Schwenk begründet, blieb aber einen Nachweis für die Kostenersparnis bislang schuldig. Bei der BI vermutet man inzwischen, dass der OB dazu überhaupt keine belastbaren Zahlen hat.

Zumal die Untersuchungen der beiden Gebiete noch nicht abgeschlossen sind. Im Ochsenwäldle laufen derzeit etwa Probebohrungen in der ehemaligen Erddeponie. Nach dem Gutachten der Umweltschützer im September wird auch die gesetzlich vorgeschriebene Artenschutzprüfung erwartet. Verwaltungsangaben zufolge soll sie zum Jahresende abgeschlossen sein. Die anschließende Gegenüberstellung mit den Ergebnissen aus dem Ochsenwäldle wird im ersten Quartal 2019 erwartet. Zudem müssen laut Verwaltung für beide Gebiete Verkehrsgutachten, Emissionsschutzprüfungen und womöglich auch Klimaanalysen erstellt werden. Welches der beiden Gebiete letztlich erschlossen wird, soll danach der Gemeinderat entscheiden.