Burger mit Zukunftspotenzial: Die Fleischeinlage basiert auf Spezialgezüchteten Buffalowürmern aus den Niederlanden. | Foto: Hans im Glück

Ausstellung „Meat the Future“

Pforzheim ist beim Megathema Fleisch ganz vorne

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Es fließt viel Geld in die Zukunft der Ernährung. Aber das ist eher ein Nebenaspekt für die vielen Menschen, die nach Pforzheim kommen, um mit „Meat the Future“ im Alfons-Kern-Turm (A.K.T.) eine der ersten Ausstellungen über neues Essen zu sehen.

Wie heiß das Thema mittlerweile gekocht wird, spürt der Pforzheimer Daniel Mohr, der mit von Buffalowürmern angereicherten Nudeln am Markt ist. Er ist ein gefragter Mann: Das Hygienemuseum in Dresden will „Future Food“ thematisieren, im Deutschen Museum in Nürnberg ist ein neuer Zukunftstrakt in Arbeit und die MS Wissenschaft des Bundesministeriums für Bildung und Forschung habe ebenfalls angefragt, ob er mit seiner Firma Plumento Foods mit an Bord sein will.

Insekenwürmer bilden die Grundlage für eiweißreiche Ernährung ohne Rind, Schwein oder Huhn. | Foto: Kopf

Ob gerührt, geschüttelt, gestrickt oder getrocknet – es kommt Neues auf die Teller weltweit, manchmal auch nur neu Entdecktes. Das Spektrum in der Pforzheimer Ausstellung reicht von mit tierischem Fett gezüchteten Laborperlen über 3D-gedruckte Eier aus Knochenmark bis zu medizinischem Reis und Fleischbohnen oder Foie Gras aus gezüchtetem Gewebe statt aus einer zwangsgefütterten Gans.

Burger und Nudeln bilden den winzigen Ausschnitt, der davon auf drei Pforzheimer Speisekarten zu finden war oder ist. Speisen, die so bekannt wie fremd sind, wenn sie mit Eiweiß durch Buffalowürmern angereichert sind.

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Insektenkost in drei Pforzheimer Restaurants

„Das ist ein schwieriges Thema, wenn man immer nur mit Fleisch gekocht hat oder mit Fisch“, sagt Markus Schattmann. Der Chefkoch des Parkhotels sah sich im Zuge der A.K.T.-Ausstellung mit fünf bis sechs Kilo Nudeln, besser gesagt Insect-Pasta von Plumento Foods konfrontiert. „Die einen haben sie lecker gefunden, andere haben gesagt, das braucht man nicht“, bilanziert er nach den rund 40 Gerichten, die er daraus gemacht hat.

Schattmann servierte die Bandnudeln mit Schwarzkohl und Haferstreusel. Kochtechnisch sei das unproblematisch gewesen. Die Nudeln verhielten sich wie Vollkornnudeln und hätten wenig Eigengeschmack. Im klassisch ausgerichteten Parkhotel habe allerdings das Publikum gefehlt für ein derartiges Angebot. Schattmann selbst würde es wieder essen, sagt er, aber bestellen nicht.

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Burger aus Buffalowürmern gehen gut weg

Als Trendsetter in Sachen Insektenkost kann sich „Hans im Glück“ fühlen. Geschäftsführer Ergjan Terzici hatte dank Franchise-Vorgaben den Burger „Übermorgen“ bereits vor der Ausstellung im Angebot. Er wird „gut bestellt, ist aber nicht der Top-Burger“, bilanziert er. Terzici sieht die Brätlinge aus in den Niederlanden gezüchteten Buffalowürmern langfristig in der regulären Speiskarte.

Eigendynamik nach dem Motto „Das essen wir jetzt mal“

„Es gibt viele, die es probieren“, sagt auch Darko Calic vom Comedia im Kulturhaus Osterfeld. Er gehört zu den ersten, die Plumento Foods ins Programm nahmen, bietet regelmäßig Talgliatelle mit Salbeibutter, Kirschtomaten und Pinienkerne an. Die damit verbundenen getrockneten zehn Prozent Buffalowürmer sind „ein Riesengesprächsstoff“ beobachtet er. Nicht selten folge der Auseinandersetzung mit dem Neuartigen eine Eigendynamik nach dem Motto „das essen wir jetzt mal“.

Ganz ähnlich reagieren erstaunlich viele Menschen auf die Aufforderung „Meat the future“ – ein nur im englischen mögliches Wortspiel mit Fleisch (meat) und Treffen (meet), bei dem jeder zunächst „Triff die Zukunft“ hört. Anfang Januar sei ein Mann aus Hannover spontan angereist, nachdem er einen Fernsehbericht über die Ausstellung gesehen hatte, erzählt eine Aufsicht. An Top-Tagen erkundeten sich über 50 Besucher, seit wann sich die Menschheit mit Zuchtfleisch beschäftigt und was daraus inzwischen geworden ist: im Jahr 2013 zum Beispiel ein aus Muskelmasse gezüchteter Burger, der damals 250.000 Euro kostete.

20 Millionen Euro für Protein-Forschung am Max Rubner Institut in Karlsruhe

Dass es bei derartigen Studien darum geht, die Ernährung von Menschen weltweit sicher zu stellen, wird auch bei den Anfragen deutlich, die Plumento Foods aus Forscherkreisen erreichen. Jüngstes Beispiel dafür ist eine Einladung des Max-Rubner-Instituts in Karlsruhe. Dort beginne jetzt ein mit 20 Millionen Euro gefördertes Projekt über alternative Proteine als Nahrungsgrundlage. „Es ist unheimlich spannend, dass die das alle auf dem Schirm haben“, sagt Mohr mit Blick auf Firmen wie Nestlé und Oetker unter den 40 Teilnehmern.

Sein jüngster eigener Beitrag zu gehaltvoller Ernährung ist Pulver aus Kichererbsen und Buffalowürmern für Bio-Falafel. Studierende der Universität und der Hochschule Mannheim können sie wohl künftig in der Mensa bestellen. Mohr hat mit dem Studierendenwerk dort eine entsprechende Vereinbarung getroffen.

Geldkreise investieren gut in neue Ernährungsangebote

In Geldkreisen werden solche Ereignisse genau beobachtet. Allein bei zwei Zuchtfirmen für Insektennahrung in den Niederlanden seien jetzt zusammen 35 Millionen Euro investiert worden. Weitere 200 Millionen sind laut Mohr an ein vergleichbares Unternehmen in Frankreich gegangen und auch bei ihm selbst habe diese Woche eine Gesellschaft mit Venture Capital angeklopft.

Service
„Meat the Future“: bis 26. Januar mittwochs bis sonntags 11 bis 19 Uhr. Am Donnerstag, 16. Januar, 19 Uhr, spricht der Koch und Archäologe Nils Stadje über die Geschichte des Fleischkonsums; um 18 Uhr führt Professorin Christine Lüdeke durch die Ausstellung.