Ein waches Auge auf Pforzheims Architektur haben künftig Henning Ehrhardt, Ludwig Wappner, Dorothea Voitländer und Uta Stock-Gruber (vorne von links), als neuer Gestaltungsbeirat der Stadt. | Foto: Ehmann

Neuer Gestaltungsbeirat

„Pforzheim ist eine Stadt mit Potenzial“

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Ein ausgesprochen positives Bild zeichnen die Mitglieder des neuen Gestaltungsbeirats von ihrer neuen Wirkungsstätte. Als eine Stadt voller Potenziale, geografischer Vielfalt, architektonischer Schätze und großer offener Räume beschreiben die Planer Ludwig Wappner, Dorothea Voitländer, Uta Stock-Gruber und Henning Ehrhardt das Pforzheim, dessen städtebaulicher Gestaltung sie sich künftig annehmen wollen.

Möglicherweise genau um dieses Ergebnis zu erreichen, hatte Baubürgermeisterin Sibylle Schüssler die Architektur-Experten ins Schmuckstück unter Pforzheims Bauten, das Reuchlinhaus geführt.

Gestaltungsbeirat stellt sich der Presse vor

Dort stellte sie gestern die neu berufenen Gestalter der Presse vor. Empfangen hatte sie ihr Beraterteam im Neuen Rathaus. Und dort erhaschten sie auch einen ersten Blick auf das Technische Rathaus, um dessen Abriss oder Erhalt derzeit heftig gerungen wird.

Auf einem Rundgang über die umzugestaltende östliche Innenstadt, den Hauptbahnhof und ZOB, Fußgängerzone, Zerrennerstraße, EMMA, Alfons-Kern-Turm und die Au stellte Schüssler wichtige „Orte und Unorte“ der Stadt vor.

„Orte und Unorte“ besucht

Für die nächsten vier Jahre werden die Beiräte, darunter auch der gestern nicht anwesende Berliner Architekt Christoph Felger, private und öffentliche Projekte begleiten und versuchen, sie mit Blick auf architektonische Qualität positiv zu beeinflussen.

Wappner, Architekt aus München mit Lehrauftrag am Karlsruher Institut für Technologie, gab offen zu, dass er Pforzheim bislang nur dann durchfahren habe, wenn auf der Autobahn Stau war. Jetzt, da er sich erstmals hier umgesehen habe, sei er „verwundert, dass mir noch keiner gesagt hat, was hier steht“.

„Großartige architektonische Solisten in der Stadt“

Pforzheim habe ganz viele großartige Solisten. „Doch um daraus Atmosphäre zu erzeugen, braucht es die Gestaltung des Raumes. Das wird eine extrem harte Diskussion, aber es ist hier in Pforzheim möglich.“

Voitländer, Architektin mit Büro in Dachau, die an der Hochschule in Würzburg die Fächer Gestalten und Entwerfen lehrt, empfindet Pforzheim als „Gegenentwurf“ Würzburgs, wo eine ebenfalls zerstörte Stadt auf ihrem mittelalterlichen Grundriss wieder aufgebaut wurde. Sie zeigte sich beeindruckt von der „starken Topografie der Stadt und der Präsenz des Wassers, an das man die Stadt noch viel weiter heranführen“ könne.

Öffentlicher Raum „extrem unterentwickelt“

Landschaftsarchitektin Stock-Gruber, die an der Weihenstephaner Hochschule unterrichtet, nannte Pforzheim eine „besondere Stadt mit einer besonderen Charakteristik“. Bislang habe sie die Planer in Regensburg und Konstanz beraten.

„Die Städte dort sind klassisch konventionell. Deshalb bin ich besonders glücklich, jetzt in Pforzheim tätig zu werden.“ Henning Ehrhardt kommt aus Stuttgart und kennt Pforzheim deshalb schon ein bisschen besser als seine Kollegen. Er nannte vor allem den „öffentlichen Raum extrem unterentwickelt“.