Schiffbruch droht: OB Peter Boch posierte 2018 als „Kapitän Klapfenhardt“ beim Dillweißensteiner Fastnachtsumzug. Dahinter der Schriftzug: „Auf dem Weg nach Klapfenhardt, der Käpt’n hat’s auf Kurs gebracht“. | Foto: str

Streit um Klapfenhardt

Pforzheim kommt bei Gewerbeflächen nicht voran – Scheitern OB Bochs ehrgeizige Pläne?

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Die Entwicklung neuer Gewerbeflächen kommt nicht voran in Pforzheim. Dabei hatte OB Peter Boch das Thema bereits Ende 2017 zur Chefsache gemacht. Jetzt droht Bochs Wunsch-Gewerbegebiet Klapfenhardt endgültig zu scheitern  – aus mehreren Gründen.

Am Anfang war mehr Selbstbewusstsein. Obwohl unter Vorgänger Gert Hager (SPD) das Gebiet Ochsenwäldle im Süden längst als neues Gewerbegebiet erkoren war, drückte sein Nachfolger Peter Boch (CDU) dem Thema seinen eigenen Stempel auf. Er wolle nach Klapfenhardt, verkündete Boch Ende 2017 der in Teilen ziemlich verdutzten Öffentlichkeit.

Selbstbewusst bekräftigte er seine Ziele auch nach erster Kritik und inhaltlichen Bedenken, auf Neujahresempfängen und ließ sich sogar als „Kapitän Klapfenhardt“ auf dem Dillsteiner Fastnachtsumzug 2018 feiern.

Rathaus: Auf Kommunikation wird großen Wert gelegt

Mittlerweile ist Boch defensiver. Auf Anfrage zum Sachstand teilt ein Rathaus-Sprecher mit: „Beim Thema Gewerbeflächen legen wir großen Wert auf Kommunikation. Bevor der Gemeinderat hier über das weitere Vorgehen berät, wollen wir im Rahmen eines Runden Tisches die Naturschutz- und Umweltverbände, die Wirtschaftsverbände, die Bürgerinitiativen und in einem weiteren Treffen die unmittelbaren Umlandgemeinden mit einbeziehen.“

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Nach Bochs Vorpreschen hatte es massive Kritik von Umweltschützern, Nachbarkommunen und auch aus der Politik gegeben, woraufhin Boch eine ergebnisoffene Prüfung beider Gebiete veranlasste. Doch die Ergebnisse lassen auf sich warten. Zuletzt gab es Verzögerungen wegen Corona. Das für den 22. April geplante dritte und letzte Treffen des Runden Tisches wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Das Thema soll erst wieder nach der Sommerpause aufgerufen werden, so heißt es. „Allein der Runde Tisch könnte aufgrund der relativ hohen Teilnehmerzahl und der aktuellen Corona-Bestimmungen im Moment nicht so ohne Weiteres im Großen Sitzungssaal des Rathauses stattfinden. Wir müssten vermutlich einen größeren Saal anmieten“, so ein Sprecher.

Stadträte wundern sich über Verzögerungen in Pforzheim

Unterdessen wird fraktionsübergreifend gefragt, wann die längst vorliegenden Umweltgutachten zur Verfügung gestellt werden. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Ralf Fuhrmann will das an diesem Dienstag im Rat anmahnen: „Wir fordern, dass es jetzt weitergeht. Man kann nicht alles auf Corona schieben.“ Ganz ähnlich äußert sich AfD-Fraktionschef Bernd Grimmer: „Es ist merkwürdig, dass man da von der Verwaltung nichts mehr hört.“

Ein Grund für die Zurückhaltung könnten die aus Sicht von Boch suboptimal verlaufenen Umweltuntersuchungen sein. Durchgesickert ist nach Informationen dieser Redaktion bereits, dass im Plangebiet unter anderem die Bechsteinfledermaus nachgewiesen wurde, also jene Spezies, die vor einiger Zeit Rodungspläne von RWE im Hambacher Forst scheitern ließ.

Neben den Umweltgründen sind es auch politische, die Bochs Klapfenhardt-Projekt an den Rand des Scheiterns bringen. Schon vergangenes Jahr hatte sich Hans-Ulrich Rülke (FDP), der einflussreiche Chef der größten Fraktion im Rat, gegen Klapfenhardt ausgesprochen.

Dann gibt es noch jene, die Klapfenhardt und Ochenwäldle ablehnen.  Der Bündnisgrüne Fraktionschef Felix Herkens sagt: „Wir sind gegen Klapfenhardt und Ochsenwäldle. Die Stadt muss sich erst einmal auf die gute Vermarktung der bisherigen Flächen konzentrieren.“ Namentlich im Brötzinger Tal gebe es noch viele Möglichkeiten zur Innenverdichtung. Ähnlich äußerte sich zuletzt Christof Weisenbacher von „Wir in Pforzheim“.