Pforzheim metzgerei
ENDE EINES TRADITIONSGESCHÄFTS: Rund 30 Jahre hatte die Metzgerei Keck in der Zerrennerstraße Bestand. Diese Woche schließt das letzte Fleischerfachgeschäft in der Innenstadt. Die Zukunft der Räumlichkeiten ist so unklar wie bei einigen weiteren Leerständen in der Innenstadt. Doch es gibt auch einen Erfolgsfall zu vermelden. | Foto: str

Leerstand in der City

Pforzheim: Letzte Innenstadt-Metzgerei macht dicht

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Alles hat ein Ende, auch die Wurst: Viele Kunden werden  die feinen Fleischprodukte und den legendären Kartoffelsalat vermissen. Diesen Freitag schließt die Metzgerei Keck in der Zerrennerstraße endgültig ihre Pforten. Es ist der letzte Innenstadt-Metzger in Pforzheim. Das Aus für ein weiteres Traditionsgeschäft ist auch das Ende einer kulinarischen Ära. Doch es gibt beim Thema Leerstand auch Positives zu vermelden. Nach BNN-Informationen ist die ehemalige Wohnfabrik wieder vermietet. 

„Es hat sich nicht mehr gerechnet. Viele Leute stehen heute eher auf Fertiggerichte“, sagt Inhaberin Gabriella Arnone und ihre Stimme stockt. Diesen Mittwoch hat die Metzgerei wegen Bewerbungsgesprächen und Behördengängen geschlossen, sagt die Chefin. Die verbliebenen Angestellten hätten bereits eine neue Stelle in Aussicht. Am Freitag sei letztmals geöffnet, „mit Abverkauf und 20 Prozent Ermäßigung“, so Arnone. Sie hatte die renommierte Fleischerei Ende 2017 vom langjährigen Inhaber Rudi Keck übernommen, der aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste.

Haben Kunden Angst vor der Innenstadt?

Neben sich wandelnden Ernährungsgewohnheiten macht Arnone auch die Atmosphäre in der City für die Umsatzrückgänge verantwortlich. „Vor allem ältere Menschen trauen sich nicht mehr in die Innenstadt, wegen der aggressiven Bettler zum Beispiel“, findet die Fleischereifachfrau, die einst bei der Pforzheimer Metzgerei Aldinger gelernt hat, welche ebenfalls Geschichte ist.

Auch Aldinger-Nachfolger Dietz hat seine Filiale in der Westlichen bereits wieder geschlossen. Seit Ende Januar liegt das Geschäft in bester Lage nun schon im Dornröschenschlaf. Bei der Abteilung Standort- und Projektentwicklung der Pforzheimer Wirtschaftsförderung (WSP) gibt man sich bezüglich Dietz zugeknöpft und verweist auf den privaten Hauseigentümer.

Wir bemühen uns, können aber letztlich nur vermitteln, entscheiden muss dann der Eigentümer

Der Besatz in der Innenstadt sei besser als manchmal vermutet werde, sagt Melanie Schweizer vom Standort- und Immobilienservice des städtischen Eigenbetriebs auf Kurier-Anfrage. Sie verweist auf die fast abgeschlossene Aufwertung der Fußgängerzone, die Innenstadt werde dadurch attraktiver. Zur Problematik Leerstand sagt Schweizer allgemein: „Wir bemühen uns, können aber letztlich nur vermitteln, entscheiden muss dann der Eigentümer“, sagt sie. Dass beispielsweise in der vergleichsweise kleinen Lammstraße zwischen Zerrennerstraße und der Westlichen gleich drei Geschäfte (Natura Feinkost, Sigrun Woehr Schuhe, Vanila Kindermode) leer stehen, habe ganz unterschiedliche Ursachen und hänge auch mit dem beschlossenen Umbau des ehemaligen Sinn-Leffers-Komplex’ zusammen.

WIEDER VERMIETET: In die Wohnfabrik kommt laut Eigentümer ein „Business Center“. | Foto: str

Ehemalige Wohnfabrik wieder vermietet

Nicht weit entfernt gibt es bei einem vierten Leerstand einen Erfolg zu vermelden: Nach Kurier-Informationen wurde ein Nachmieter für die Wohnfabrik gefunden. Es ist mit knapp 2 000 Quadratmetern der größte Leerstand in der City, seit die Wohnfabrik im Frühjahr ins Gewerbegebiet Hohenäcker gezogen ist. Eine Sprecherin der Eigentümergesellschaft Brinvestors bestätigt: „Der Mietvertrag wurde jetzt unterschrieben. Wir freuen uns sehr.“ Anfang 2019 soll in dem ehemaligen Degussa-Bau ein sogenanntes Business Center eröffnen, wo Firmen unterschiedlicher Größe, etwa auch Start-ups, kurz- oder längerfristig einziehen können, um dort Service und Infrastruktur zu nutzen.

Eigentümer: Business Center kommt

Dem Hauseigentümer zufolge handelt es sich bei dem Mieter um einen Marktführer im Bereich Business Center in Deutschland. Was den künftigen Beschäftigten des Business Centers in der Zerrennerstraße allerdings verwehrt bleiben wird, ist ein deftiger Imbiss schräg gegenüber bei der Metzgerei Keck – denn die hat dann längst geschlossen.

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