Grünes Licht für Frauen gibt es im Gemeinde- und Kreistag nur wenig. Nach der Wahl im Mai ist der Frauenanteil in Pforzheims Gemeinderat gesunken. Im Kreistag sitzen zwar mehr Frauen, allerdings ist die Frauenquote dort weiterhin deutlich unter dem Durchschnitt in Baden-Württemberg.
Grünes Licht für Frauen gibt es im Gemeinde- und Kreistag nur wenig. Nach der Wahl im Mai ist der Frauenanteil in Pforzheims Gemeinderat gesunken. Im Kreistag sitzen zwar mehr Frauen, allerdings ist die Frauenquote dort weiterhin deutlich unter dem Durchschnitt in Baden-Württemberg. | Foto: Rainer Jensen/Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Weniger Gemeinderätinnen

Pforzheim liegt bei Frauenquote noch im Schnitt

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Ein Viertel der neuen Gemeinderäte in Pforzheim ist weiblich – damit entspricht die Goldstadt beinahe dem landesdurchschnittlichen Niveau von 26,8 Prozent. Eine Fraktion mit Chefin gibt es nur bei einer Partei.

Seit knapp anderthalb Wochen hat Pforzheim einen neuen Gemeinderat. Am 24. Juli wurden die Räte, die im Mai gewählt wurden, offiziell eingeführt. Unter den 40 Mitgliedern sind zehn Frauen. Mit 25 Prozent Frauenanteil liegt der Pforzheimer Gemeinderat nahezu auf dem durchschnittlichen Niveau im Land. Laut Statistischem Landesamt sind 26,8 Prozent der Gemeinderäte in Baden-Württemberg weiblich. Das ist ein Anstieg um 2,5 Prozent im Vergleich zu 2014.

Knapp 200 Bewerberinnen

Während der Anteil in Baden-Württemberg gestiegen ist, sitzen im Vergleich zur letzten Legislaturperiode fünf Prozent weniger Frauen im Gemeinderat. Einzige Frau an der Spitze einer Fraktion ist Marianne Engeser von der CDU. Zur Wahl gestellt hatten sich knapp 200 Bewerberinnen, was einem Anteil von immerhin 37,5 Prozent entspricht.

Marianne Engeser von der CDU ist die einzige Fraktionsvorsitzende im Pforzheimer Gemeinderat.
Marianne Engeser von der CDU ist die einzige Fraktionsvorsitzende im Pforzheimer Gemeinderat. | Foto: Ehmann

Zwei Prozent weniger Frauen

Auch ein Blick auf die Ortschaftsräte der Stadt fällt gemischt aus. In Hohenwart und Würm hat sich der Frauenanteil erhöht. In Hohenwart gar um 25 Prozent. Saßen hier 2014 ausschließlich Männer im Rat, sind 2019 immerhin zwei Frauen in dem achtköpfigen Gremium vertreten. Der Ortschaftsrat Eutingen konnte seinen Frauenquote von 25 Prozent halten. In Huchenfeld (-1) und Büchenbronn (-2) sank die Quote dagegen um acht beziehungsweise sogar 16,6 Prozent. Alles in allem liegt Pforzheim damit zwar im Trend. Nimmt man Gemeinde- und Ortschaftsräten zusammen, ist der Frauenanteil um zwei Prozent zurückgegangen, insgesamt sind zwei Frauen weniger in den Gremien vertreten als noch 2014.

Auch Landtag hat wenige Abgeordnete

Dass Frauen in der baden-württembergischen Politik nicht gerade überrepräsentiert sind, zeigt ein Blick auf die Statistik der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Demnach ist das Land im Vergleich aller sechzehn Landtage Schlusslicht im Bezug auf die Frauenquote. Nur knapp 24,5 Prozent der gewählten Abgeordneten im Stuttgarter Landtag sind Frauen. Spitzenreiter dieser Statistik ist Thüringen, mit einem Anteil von über 40 Prozent.

Diese Aufteilung ist einfach schade.

Martina Klöpfer, Frauen- und Gleichstellungsbeauftrage für den Enzkreis

Während die Frauenquote in Pforzheim noch im Soll ist, ist ein Blick auf den Kreistag deutlich trüber. „Diese Aufteilung ist einfach schade“, sagt Martina Klöpfer, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte für den Enzkreis, mit Blick auf die Frauenquote. Lediglich acht der 58 Sitze sind an Frauen vergeben.
Auch Birgit Förster hätte sich mehr Frauen im Kreistag gewünscht. Die Bürgermeisterin von Niefern-Öschelbronn ist die einzige Frau in der Fraktion der Freien Wählervereinigung (FWV). „Es ist schon schade, denn Frauen haben manchmal eine andere Sicht auf Dinge“, sagt Förster. Mit ihrer Rolle in der FWV ist sie aber sehr zufrieden. Immerhin kennt sie es auch, alleine unter Männern zu sein. Schließlich ist sie die einzige Bürgermeisterin im Enzkreis.

 

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Mit einem Frauenanteil von 13,8 Prozent liegt der Enzkreis deutlich hinter dem baden-württembergischen Kreistagsdurchschnitt von 22,4 Prozent. Es gibt im ganzen Land nur drei Landkreise, in denen die Quote noch geringer ist. Spitzenreiter ist Tübingen, mit einem Frauenanteil von 34,3 Prozent. Nachvollziehen kann Klöpfer die Entwicklung im Enzkreis nicht. „Wir hatten ein Mentoring-Programm und es gab auch mehr Frauen, die auch auf vorderen Plätzen kandidiert haben“, so die Expertin. Das Mentoring-Programm, das zusammen mit der Stadt Pforzheim initiiert wurde, trug den Titel „Politik braucht Frauen“. Gebracht hat es, betrachtet man die Zahlen, eher wenig. Mit Blick auf mögliche weitere Maßnahmen verweist sie auf die Demokratie: „Man kann nur auf Seminare und Mentoring hinweisen. Letzten Endes entscheidet aber immer der Wähler.“