pforzheim gewerbegebiet
FAVORIT KLAPFENHARDT: Das Waldstück zwischen Wilferdinger Höhe und Ispringen soll OB Boch zufolge ein neues Gewerbegebiet werden. Doch nach heftiger Kritik werden nun auch die Pläne für die Alternative "Ochsenwäldle" weiterverfolgt. | Foto: Keiper

Neuausrichtung Gewerbegebiete

Pforzheim: Porsche-Pläne ungewiss

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Öffentlichkeitswirksam verkündete Pläne zur Ansiedlung eines „Supplier-Parks“ von Porsche-Zulieferern haben vor knapp einem Jahr große Hoffnungen geweckt in Pforzheim. Nach einer von OB Peter Boch angekündigten Neuausrichtung der städtischen Gewerbeflächen-Planung ist die Zukunft des Projekts ungewiss. Stadt und Unternehmen geben sich inzwischen zugeknöpft – Ausweichmanöver oder Vollbremsung?

Auf ein solches Signal hatte die Stadt gewartet: Der weltberühmte Sportwagenbauer Porsche bekundete vor rund einem Jahr öffentlichkeitswirksam Interesse am von OB Gert Hager (SPD) geplanten Gewerbegebiet Ochsenwäldle. Von „bis zu 15 Hektar für Porsche-Lieferanten und -Dienstleister“ war die Rede, wie Porsche-Vorstand Uwe-Karsten Städter damals bestätigte.

Porsche als Wahlkampfthema

Eingefädelt hatte den Kontakt nach eigene Bekunden Uwe Hück, der in Pforzheim aufgewachsene Porsche-Betriebsratschef, langjährige Sozialdemokrat und somit Hager-Parteifreund. Zwar wurde damals auch betont, dass längst noch keine endgültige Entscheidung gefallen sei. Gleichwohl entfalteten die Porsche-Pläne große öffentliche Wirkung, wurden zum Wahlkampfthema vor der OB-Wahl am 7. Mai, bei der freilich Hager-Herausforderer Peter Boch klar obsiegte.

„Zahlreiche Arbeitsplätze“ für Pforzheim

Die Pforzheimer Stadtverwaltung hatte noch Ende Februar vergangenen Jahres wortreich mitgeteilt: „Nach den derzeitigen Planungen würde ein sogenannter Supplier-Park entstehen, der die konzerneigene Fertigstellung eng mit den Zulieferbetrieben verzahnt und entsprechende Produktionsflächen unmittelbar an der Autobahnanschlussstelle Pforzheim-Süd vorsieht.“ Damit verbunden seien zahlreiche Arbeitsplätze in der Produktion.

Neues Gewerbegebiet: Porsche-Pläne ungewiss

Und nun? Mittlerweile gibt es in Peter Boch (CDU) nicht nur einen neuen Oberbürgermeister, sondern auch ganz neue Pläne für Gewerbeflächen. Das projektierte Gewerbegebiet Ochsenwäldle bei der Autobahnanschlussstelle Pforzheim-Süd ist passé. Stattdessen setzt Boch auf das mit 68 Hektar Planfläche ähnlich große Gewann Klapfenhardt bei der Anschlussstelle West auf der anderen Seite der Stadt.

Kritik von Umweltschützern

Dieses Waldstück, das sich im Gegensatz zum Ochsenwäldle im städtischen Eigentum befindet, komme in der Entwicklung voraussichtlich 50 Millionen Euro billiger als das Ochsenwäldle mit seiner alten Erddeponie, so Boch. Umweltschützer kritisieren das Vorhaben indes (bnn.de berichtete). Was die Neuausrichtung nun aber für die Porsche-Pläne bedeutet, ist höchst unklar. Wo die Partner in spe noch vor Jahresfrist recht mitteilsam waren, werden Anfragen zu den gemeinsamen Plänen inzwischen denkbar knapp oder mit verbalen Ausweichmanövern beantwortet. „Verhandlungen mit potenziellen Interessenten sind vertraulich. Die Stadt Pforzheim wird sich zu gegebener Zeit dazu äußern“, sagte Stadtsprecher Philip Mukherjee auf Anfrage.

Porsche: Keine konkrete Entscheidung

Ein Porsche-Sprecher wollte ebenfalls keine Auskunft zu den Pforzheimer Plänen und möglichen Konsequenzen aus dem Ochsenwäldle-Aus geben. In einem allgemein gehaltenen Statement teilte das Unternehmen lediglich mit: „Sowohl unser Stammwerk in Zuffenhausen als auch unser Entwicklungszentrum in Weissach stoßen an räumliche Grenzen. Das betrifft auch unsere Dienstleister und Lieferanten. Mittelfristig sind daher im Umfeld dieser Werke weitere Ausbauflächen besonders für Unternehmen, die mit uns eng zusammenarbeiten, notwendig. Erste Gespräche wurden bereits mit benachbarten Kommunen geführt. Konkrete Entscheidungen über den Erwerb von Grundstücken oder den Aufbau neuer Standorte wurden bislang noch nicht getroffen.“

Wichtige Fragen zu den Pforzheimer Porsche-Pläne bleiben also erst einmal ungewiss. Weitere Fragen tauchen auf, etwa: Welche Rolle spielte bei der ganzen Sache eigentlich der OB-Wahlkampf?