DAS IST DiE VISION: Das ehemalige Logistikzentrum des Versandhauses Bader im Brötzinger Tal in Pforzheim soll eines der größten Outlet-Center Deutschlands werden. | Foto: Bader/Visualisierung

Bader stellt Bauvoranfrage

Pforzheim soll Shopping-Mekka werden: Outlet-Center im Brötzinger Tal geplant

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Das ehemalige Bader-Logistikzentrum im Brötzinger Tal in Pforzheim soll eines der größten Outlet-Center Deutschlands werden. Der Pforzheimer Versandhändler hat Unternehmensangaben zufolge eine entsprechende Bauvoranfrage für das 68.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche umfassende Gebäude gestellt.

Das Unternehmen sucht seit geraumer Zeit eine Nachnutzung für den 40 Jahre alten Gebäudekomplex, der seit der Eröffnung des neuen Logistikzentrums in Östringen nicht mehr gebraucht wird. Einer Mittelung an den Pforzheimer Kurier zufolge sieht das Unternehmen in einem Outlet-Center auch eine große Chance für die Stadt Pforzheim. Die angestrebte Verkaufsfläche liegt nach BNN-Informationen bei rund 24.000 Quadratmeter, es wäre somit eines der größten Outlet-Center in Deutschland.

Das ehemalige Bader-Logistikzentrum im Brötzinger Tal soll Shopping-Mekka werden. | Foto: Ehmann

Bader rechnet mit über 1.250 Arbeitsplätzen

Dem Bauvorantrag zufolge rechnet Bader mit „über 1.250 Voll- und Teilarbeitsplätze in der Stadt Pforzheim und damit über drei Mal mehr, als durch die Stilllegung des Logistikbetriebs betroffen waren“. Zudem werde auch „die Steigerung des Bekanntheitsgrads der Stadt Pforzheim durch hohe Anziehungskraft und internationales Publikum (Kaufkraft kommt nach Pforzheim)“ erwartet.

OB Boch sieht noch viele Fragen offen

Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) äußerte sich am Dienstagabend nach der Gemeinderatssitzung, in deren nichtöffentlichem Teil auch erstmals über die Outlet-Pläne debattiert wurde.

Wir befinden uns noch in einem frühen Stadium, die Firma Bader hat jetzt zunächst eine Bauvoranfrage gestellt. In diesem Zusammenhang gilt es noch eine Reihe von offenen Fragen zu klären.

„Es handelt sich um ein sehr interessantes Projekt, von dem ich allerdings selbst erst Ende der vergangenen Woche erfahren habe. Wir befinden uns noch in einem frühen Stadium, die Firma Bader hat jetzt zunächst eine Bauvoranfrage gestellt. In diesem Zusammenhang gilt es noch eine Reihe von offenen Fragen zu klären. Viele lokale, regionale und überregionale Akteure müssen zudem eingebunden werden. Dies gilt es zu begleiten.“ Sehr positiv wird das Vorhaben bei der FDP aufgenommen. Fraktionsvorsitzender Hans-Ulrich-Rülke sagte dem Pforzheimer Kurier: „Die Fraktion aus FDP und FW unterstützt diese Pläne in vollem Umfang. Damit wird Pforzheim wirtschaftlich aufgewertet.“

Prognose: Drei Millionen Besucher im Jahr

Bader schätzt die Besucheranzahl auf 2,5 bis drei  Millionen Euro pro Jahr. Mit einer angestrebten Verkaufsfläche von 24.000 Quadratmetern wäre das Brötzinger Outlet eines der größten in Deutschland. Zum Vergleich: Das riesige Fashion-Outlet in Zweibrücken kommt „nur“ auf 21.000 Quadratmeter.

Wörtlich begründet Bader das Vorhaben so: „Die Bruno Bader GmbH & Co. KG hat die letzten Jahre ein erfreuliches Wachstum erreicht. Bereits 2013 wurde bekannt gemacht, dass die Liegenschaft in der Adolf-Richter-Straße in Pforzheim den Anforderungen sowohl an Größe als auch denen eines zeitgemäßen und effizienten Logistikbetrieb eines sich modernisierenden Versandhandels nicht mehr genügt. Konzepte zur Erneuerung am Standort in der Adolf-Richter-Straße und in Pforzheim sind aufgrund mangelnder Flächen gescheitert.“

Politische Bewertung noch völlig unklar

Wie das ambitionierte Vorhaben in der Pforzheimer Politik bewertet wird, war am Dienstag zunächst noch offen. Eine erste Diskussion über das Projekt gab es am Abend im Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung. Ganz einfach dürfte es für das Mega-Projekt nicht werden. Neben den vielen Vorteilen bieten Outlet-Center natürlich auch Nachteile, wie ein teilweise erhöhtes Verkehrsaufkommen. Wegen der Nähe zur Pforzheimer Innenstadt dürfte es auch aus dem Einzelhandel kritische Stimmen geben.

Als erste Vertreterin des Pforzheimer Handels äußerte sich Stephanie Jeckel, Geschäftsführerin der Galeria Kaufhof in Pforzheim, reagierte überrascht. „Outlet haben schon viele versucht“ , so Jeckel, die in ihrer ersten Reaktion keine Bedenken über die Pläne äußert.


Vermarktung bisher erfolglos

Die Liegenschaft in der Adolf-Richter-Straße werde nicht mehr als Logistikzentrum des Unternehmens genutzt, so Bader. Der Umzug in das neue, hochmoderne und auf Wachstum ausgerichtete Logistikzentrum sei inzwischen abgeschlossen. „Aufgrund seiner Größe und Struktur genügt das Gebäude in der Adolf-Richter-Straße heutigen Anforderungen an einen Logistikbetrieb nicht. Eine Vermarktung als solche gestaltet sich trotz intensiver Bemühungen seit über Jahren als erfolglos.“

Wohn-Konzept nicht weiterverfolgt

Weiter heißt es bei Bader: „Es wurden Untersuchungen angestellt, um die Nachnutzung des 40 Jahre alten Gebäudes mit circa 68.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche in einer sehr stadtnahen Lage Pforzheims langfristig sicherzustellen. Erste Überlegungen sahen eine Nutzung für kleinteilige Lagernutzungen im Erdgeschoss, Büronutzungen in den mittleren Geschossen und Wohnen in den obersten Geschossen vor. Aufgrund des Bebauungsplans und Gesprächen mit der Stadt Pforzheim wurde eine Wohnnutzung ausgeschlossen. Das Konzept wurde nicht weiterverfolgt.“

Bader: Mehrgeschossigkeit als Trumpf

Aus Sicht der Befürworter ist das Konzept sehr ausgewogen: „Die aktuelle Planung sieht ein Folgenutzungskonzept vor, das sich in Übereinstimmung mit der Bauleitplanung befindet. Der Stadt und seinen Bürgern bietet dieses Konzept einen erheblichen Gewinn, zudem kommt erhebliche Kaufkraft von außerhalb nach Pforzheim. Geplant ist, das Gebäude für selbstständigen kleinteiligen Einzelhandel mit einem breiten Angebotsspektrum umzunutzen. Für diese Nutzung ist das Bestandsgebäude bestens geeignet, da die Mehrgeschossigkeit einem funktionalen Betrieb entspricht.“

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(Umfrage läuft am Mittwoch, 20. Februar, danach kann das Ergebnis nachgelesen werden)

Das Konzept geht von mehreren Ebenen aus:
Ebene – 1 (Tiefparterre):
Parkierung mit natürlicher Belichtung und Belüftung. Die Anlieferung wird hinsichtlich ihrer Dimensionierung merklich reduziert und an den bestehenden Docking-Stations im Norden belassen.
– Ebene 0 (Hochparterre): Zugang über neue attraktive barrierefreie Fußgänger-Plaza von Osten und Neugestaltung des bestehenden Parkplatzes für Kraftfahrzeuge und Fahrräder. Die neue Plaza liegt direkt an der bestehenden Stadtbushaltestelle.
– Ebene + 1 bis + 3: Einzelhandelsnutzung mit einzelnen Ladengeschäften < 800 Quadratmeter Verkaufsfläche und jeweils eigener Sanitär- und Sozialraumeinheit. Die Innenerschließung erfolgt für die Kunden über bequeme Fahrsteige, die in Kaskadenform das Gebäude vertikal erschließen.
– Ebene + 4:  Einzelhandelsnutzung und ergänzende Gastronomie mit Freiterrassen (schöner Ausblick in den Nordschwarzwald gen Süden).
– Das bestehende Gebäude besitzt im Status quo bereits ein sehr leistungsfähiges Fluchtwegekonzept über sechs autarke Fluchttreppenhäuser und direkt daran angeschlossene außenliegende Fluchtbalkone, das weitergenutzt werden kann. Ebenso ist eine vollflächige Sprinkleranlage vorhanden, die auf Basis der entsprechenden VDS-Vorschriften an die Folgenutzung angepasst werden kann. Das Gebäude kann von der Feuerwehr ganzseitig umfahren werden. (Quelle: Bader)