Das Durchlavieren hat offenbar ein Ende. Der Werkeausschuss des Pforzheimer Gemeinderates sieht klar, dass mit dem vorhandenen Geld die bestehenden Bäder nicht erhalten oder ersetzt werden können. | Foto: Ehmann

Planungsstopp für Huchenfeld

Pforzheim stellt alle seine Bäder auf den Prüfstand

Gut eineinhalb Jahre vor der endgültigen Schließung des Emma-Jaeger-Bades ist die Zukunft für Schwimmer und Planscher in der Goldstadt unklarer als je zuvor. In der Sitzung am Montag beschlossen der Werkeausschuss und der Ausschuss für öffentliche Einrichtungen alle weiteren Entscheidungen in den Herbst zu verlegen.

Huchenfelder Überlegungen bis auf weiteres gestoppt

Eigentlich wollte sich Erster Bürgermeister Dirk Büscher die Zustimmung der Stadträte holen, in Punkto Neubau eines Hallenbades in Huchenfeld weiter planen zu dürfen. Doch die beiden Ausschüsse folgten dem Ansinnen der Verwaltung nicht und forderten statt dessen, sich endlich insgesamt Klarheit über das weitere Vorgehen zu verschaffen.

Status quo kostet zwei Millionen Euro pro Jahr

Nach Angaben von Bernd Mellenthin, Chef des Eigenbetriebs Pforzheimer Verkehrs- und Bäderbetriebe, müssten 46 Millionen Euro investiert und 15 Jahre lang alljährlich zwei Millionen Euro an den Eigenbetrieb gezahlt werden, wollte man den Status quo der Bäderlandschaft erhalten.

„Beschlüsse sind nicht miteinander vereinbar“

Offensichtlich sind die beiden Beschlüsse des Gemeinderates, die Wasserfläche insgesamt zu erhalten, dem Eigenbetrieb aber keine weiteren städtischen Mittel zuzuschießen, nicht miteinander vereinbar. Der Gemeinderat, so fasste Büscher zusammen, müsse sich wohl entscheiden, ob man die Bäder erhalten beziehungsweise neu bauen oder den Beschlüssen der Haushaltskonsolidierung folgen wolle.

Schwimmen statt Präzisionstechnik?

Nicht nur in den Äußerungen von Jacqueline Roos (SPD) und Hans-Ulrich Rülke (FDP) wurde schnell deutlich, dass man im Rat offenbar eher bereit ist, auf Investitionen ins Zentrum für Präzisionstechnologie (ZPT) zu verzichten, um den Bürgern die Möglichkeit zum Schwimmen zu geben. Roos forderte Büscher auf, „für die Bäder den gleichen Einsatz wie fürs ZPT“ zu zeigen. Rülke nannte das Gründerzentrum „ein politisches Prestigeprojekt, das noch nicht einmal die Wirtschaft will“.

Huchenfeld löst die Probleme nicht

Wie radikal man spätestens im Herbst über die Investitionen in Pforzheims Bäder nachdenken will, machte Uta Golderer (B90/Grüne) deutlich. „Es geht um die Überlegung, welche Bäder brauchen die Menschen heute und in zehn und 20 Jahren. In der Diskussion geht es aber oft um den Erhalt von Standorten und oft um Erbhöfe. Ein Bad in Huchenfeld löst nicht die Probleme des Schulschwimmens. Wir müssen entscheiden, wo wir unser Hauptbad wollen.“

Wiedemann widerspricht Roos

Daraufhin brach Henry Wiedemann (SPD) sofort eine Lanze für das Huchenfelder Bad, während Hans Eckard von Laue das ZPT nicht kampflos aufgeben wollte. Er nannte ein Aufrechnen der Investitionskosten einen „Vergleich von Äpfeln mit Birnen“. Florentin Goldmann (CDU) und Bernd Grimmer (AfD) hatten zuvor bereits angedeutet, dem Verwaltungsvorschlag folgen zu wollen.

Sondersitzung im Herbst

Letztlich entschieden auch sie sich für das von Dirk Büscher salomonisch vorgeschlagene Vorgehen, sich im Herbst zu einer Sondersitzung zu treffen und dort zu besprechen, welche Bäder man will und auf welche anderen Projekte in der Stadt man zu deren Gunsten verzichten will.
Die Vertreter der Liste „Wir in Pforzheim“ enthielten sich, alle anderen stimmten zu.