Sonne satt genießen die Pforzheimer nicht nur im Sommer. Dass eine Stadt viele Sonnenstunden hat, bedeutet aber nicht automatisch, dass es auch wärmer ist. | Foto: Ehmann

Platz zwei in Sachen Sonne

Pforzheim stellt fast alle in den Schatten

Für das vergangene Jahr gilt jetzt ganz offiziell: Pforzheim stellt fast alle anderen Orte im Land in den Schatten – zumindest was die Zahl der Sonnenstunden 2016 angeht. Die Stadt steht in diesem Ranking auf Platz zwei in Baden-Württemberg. Das geht aus Messungen der Meteogroup hervor. In der jüngst veröffentlichten Statistik des Wetterdienstes kommt Pforzheim über das Jahr verteilt auf rund 2 044 Sonnenstunden. Mehr Sonne gab es mit 2 045 Stunden nur ganz knapp in Görwihl-Segeten im Landkreis Waldshut. Auf Platz drei folgt mit rund 2 031 Stunden Vaihingen an der Enz.

Karlsruhe und Freiburg liegen zurück

Damit wirft die Goldstadt Städte wie Karlsruhe oder Freiburg aus dem Rennen, die den Titel der sonnigsten Stadt im Land in der Vergangenheit gerne für sich beanspruchten. „Wir sprechen bei solchen Daten allerdings von wenigen Stunden Unterschied. Das ist also ein sehr knappes Rennen“, sagt Wetterexperte Dominik Jung vom Online-Wetterdienst qmet zu der Spitzenplatzierung Pforzheims – und dämpft den Enthusiasmus gleich wieder. „Auf das ganze Jahr verteilt, merkt man das eigentlich kaum“, erklärt Jung.

Sonne ist nicht gleich Wärme

Nicht zu verwechseln sei der Wettstreit um die Sonnenstunden im Übrigen mit dem Rennen um den wärmsten Ort, betont der Meteorologe: „Die sonnigste Stadt ist nicht unbedingt die wärmste Stadt. Sie können etwa auf der Zugspitze strahlenden Sonnenschein und blauen Himmel haben, weil der Gipfel oft über der Nebelsuppe liegt. Frieren müssten Sie trotzdem.“ Obwohl sie bei derzeit winterlich-trüben Aussichten die Freude nicht verderben wolle, relativiert auch Sarah Jäger vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Stuttgart den hohen Platz auf der Sonnenstunden-Hitliste: Mit einem Jahresmittelwert von 10,1 Grad Celsius sei Pforzheim hinsichtlich der Temperatur eher durchschnittlich. Zum Vergleich: In Karlsruhe liegt das Jahresmittel bei 11,2 in Mannheim bei 11,4 Grad Celsius. „Man kann jetzt also leider nicht von mediterranem Klima sprechen“, sagt die DWD-Meteorologin.

Gemessen werden Sonnenstunden an manchen Stationen noch mit Sonnenscheinautographen. Neuere Stationen arbeiten mit Dauersensoren.
Gemessen werden Sonnenstunden an manchen Stationen noch mit Sonnenscheinautographen. Neuere Stationen arbeiten mit Dauersensoren. | Foto: dpa

Dass der Deutsche Wetterdienst allerdings in seiner eigenen Statistik für Baden-Württemberg Mühlacker statt Pforzheim als die sonnenreichste Stadt im Land aufführt, hat nichts zu sagen: Es liegt vielmehr daran, dass die Behörde in der Goldstadt keine Sonnenstunden misst. In der Nähe gibt es lediglich eine ehrenamtlich betreute Klimastation in Ispringen, die jedoch nur Niederschläge und Temperatur erhebt, sagt Jäger.

Sonnenscheinautograph misst die Dauer

Wo die Pforzheimer Station der Meteogroup genau steht, will der Wetterdienstleister, zu dem auch die von Jörg Kachelmann gegründete Meteomedia gehört, nicht preisgeben. Gemessen wird die Sonnenscheindauer entweder mit sogenannten Sonnenscheinautographen nach Campell Stokes oder – so etwa bei der Meteogroup – mit Sonnenscheindauersensoren. Sonnenscheinautographen bündeln die Strahlen in einer Glaskugel, wo sie sich auf einen Streifen einbrennen. Die täglich festgestellte Sonnenscheindauer wird dann für größere Zeiträume aufsummiert, heißt es beim Deutschen Wetterdienst.

2003 war Pforzheim bundesweit spitze

2003 glänzte die Goldstadt übrigens schon einmal mit ihren zahlreichen Sonnenstunden. Damit nahm sie sogar deutschlandweit den Spitzenplatz ein – die Sonne strahlte damals rund 2 347 Stunden lang. Mit den Sonnenstunden aus dem Jahr 2016 steht die Stadt allerdings auch in ganz Deutschland nicht schlecht da – es reicht bundesweit immerhin noch für Platz zehn.