BEWERBUNGSKONZEPT DURCHGESETZT: OB Peter Boch und Kulturbürgermeisterin Sibylle Schüssler am Dienstag im Gemeinderat Pforzheim.

Mehrheit für Bewerbungskonzept

Pforzheim will Kulturhauptstadt Europas werden

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Die Sensation ist perfekt: Pforzheim will Kulturhauptstadt Europas werden. Der Gemeinderat der Stadt beschloss am Dienstag mehrheitlich ein entsprechendes Bewerbungskonzept. Was viele Politiker und Bürger zunächst für absurd hielten, soll nach dem Willen einer klaren Ratsmehrheit nun Realität werden – wenn die Finanzierung wie versprochen privatwirtschaftlich gestemmt werden kann. Der Entscheidung war im Ratssaal eine leidenschaftlich geführte Debatte vorangegangen.

Leidenschaftliche Debatte im Rat

Eigentlich hatte Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) das leidige Thema Kulturhauptstadt schon ad acta gelegt und dem Gemeinderat die Ablehnung des entsprechenden Antrags der Grünen Liste empfohlen. Doch ein Bündnis aus Unternehmer in Pforzheim mit Gastronom und Investor Wolfgang Scheidtweiler an der Spitze brachte die Wende. Die Initiative verspricht, der finanzschwachen Kommune nicht nur die Bewerbung zu finanzieren, sondern sich im Falle des Zuschlags auch um die Durchführung zu kümmern.

Pforzheim will Kulturhauptstadt: Skeptiker überzeugt

Auch für viele Skeptiker war das offensichtlich ein Angebot, das man nicht abschlagen kann. Bochs unbeirrt für die Kulturhauptstadt kämpfende Kulturdezernentin Sibylle Schüssler (Grüne) kann sich bestätigt fühlen. Sie war von Gegnern zeitweilig im Zustand der politischen Unzurechnungsfähigkeit gewähnt worden, jetzt steht sie als überzeugende Visionärin und Macherin da.

Im Rat setzte Schüssler am Dienstag auf Understatement und betonte die Souveränität des Gremiums, das die förmliche Bewerbung auch im weiteren Prozess noch stoppen kann. Details zum Bewerbungskonzept sollen dem Rat nach der Sommerpause vorgestellt werden.

Bewerbungsfrist beginnt im September

Laut Verwaltung beginnt die offizielle Bewerbungsfrist am 24. September 2018 und endet frühestens zehn Monate später, „aller Voraussicht nach aber erst im Herbst 2019“ wie es hieß. Dies habe die zuständige Projektkoordinatorin der Kulturstiftung der Länder bestätigt. Verwaltung und Projektverantwortliche haben nun also noch Zeit, das jetzt beschlossene Konzept zu erstellen und die vielen Fragen einer privatwirtschaftlichen Bewerbung zu klären.

Diese Fragen wurden teilweise auch in der Gemeinderatssitzung angesprochen. Dabei gab es die unterschiedlichsten Bewertungen. Ausgewiesene Kritiker wie Hans-Ulrich Rülke (FDP) erklärten, dass ihre Unterstützung für eine Bewerbung davon abhänge, wenn wirklich alle Kosten privat getragen werden. Das müsse „vertraglich wasserdicht“ festgelegt werden, so Rülke, der auf dieser Basis für die FDP Zustimmung erklärte.

Externer Link: Die Kulturhauptstädte Europas in der Darstellung der Europäischen Kommission