Eine Kettenreaktionsmaschine setzte Thomas Hensel ins Bild, um Pforzheimer Stadträten die Chancen zu Verdeutlichen, die eine Ornamenta 2024 für die Stadt eröffnet. | Foto: Kopf

Markenbildung

Pforzheim will mit Kunst und Kultur sein Image ins Positive wenden

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Die Wiederauflage des Pforzheimer Großprojekts Ornamenta scheint zu gelingen. Dies zeigen die Reaktionen in den gemeinderätlichen Ausschüssen. Wesentliches Ziel bei der für 2024 geplanten internationalen Schau ist, das Image der Stadt über neue Markenbildung nachhaltig zu drehen.

Kettenreaktionen bis hin zur virtuellen Stadtbegehung in Pforzheim mit einem Kreativraum im leeren Schwimmbecken des Emma-Jaeger-Bads und einem Haus der Kulturen in der Stadtbibliothek leuchten am Dienstagnachmittag im Ratssaal  von Pforzheim auf.

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Thomas Hensel spannt wie schon bei früherer Gelegenheit einen weiten Bogen, um für eine Ornamenta 2024 zu überzeugen. Es ist ihm wohl gelungen, wie die Reaktionen der Ausschussmitglieder zeigen. So die Stimmung nicht kippt, dürfte der geplante große Auftritt für ein neues Image der Stadt am 17. Dezember im Gemeinderat beschlossen werden.

Volle Zuschauerränge: Vor allem Kulturschaffende und Studierende verfolgten die Aussprache zur Ornamenta 2014 und applaudierten, wenn sie Zustimmung erfuhr. | Foto: Kopf

Es gibt kein Geflirre, keine Eintagsfliegen und keine Strohfeuer

Thomas Hensel

Ein Film, Hensels engagiertes Votum für „Schmuck – Design – Zukunft“, die Stimme einer Pforzheimer Jugendlichen und eine klare Ansage von OB Peter Boch bilden nur die eine Seite der Inszenierung für die Ornamenta, dies es bereits 1989 einmal gab.

Die Zuschauerränge sind voll mit Studierenden der Hochschule, Vertretern von Kultureinrichtungen und anderen Befürwortern, als unten im Saal die Pforzheimer Schau in eine Reihe mit „Documenta in Kassel, Manifesta und Biennale in Venedig“ gestellt wird. „Es gibt kein Geflirre, keine Eintagsfliegen und keine Strohfeuer“, verspricht Hensel.

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Mindestens 1,4-fache Umwegrentabilität

Auch die Hochschule habe mit knappen Ressourcen zu kämpfen, rührt der Professor an Pforzheims wundem Punkt. Er beschwört den Mut, das Geld auszugeben, weil sonst Stillstand drohe und macht einmal mehr die Rechnung mit der Umwegrentabilität auf. Selbst nach konservativster Rechnung könne ein investierter Euro mit dem Faktor 1,4 multipliziert werden für den finanziellen Rücklauf.

Die Bedeutung der Markenbildung über eine Ornamenta erläutert Stefan Förster. Er erinnert daran, das eines der strahlendsten Beispiele für deren Wert, die Firma Wellendorff, belächelt wurde, als sie Geld und große Anstrengungen in diesen Prozess setzte. Auch die Stadt ist eine Marke, ruft der Forestadent-Geschäftsführer den Stadträten zu. Ein Unternehmen, das nicht investiere, verschwinde. Pforzheims Image sei stark verbesserungswürdig.

Bei der Kulturhauptstadt wurde bereits eine große Chance vertan

Ralf Fuhrmann

„Überzeugend“ wirkt das alles auf die, die entscheiden müssen. Mit einer Ausnahme sprechen sich alle für die Ornamenta 2024 aus. Im Detail gibt es dann aber doch Abstriche. So meint Andreas Kubisch (FDP/FW/UB/LE), es fehle ein Gesamtkonzept als roter Faden und bei der AfD zeigt sich, dass die Fraktion wohl uneinheitlich abstimmt. „Nur ein Fazit: Machen“, zieht dagegen laut Andreas Sarow die CDU. „Visionen kommen nicht fertig aus der Schublade“, weist er Forderungen nach präziseren Entwürfen für das Ereignis zurück.

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„Bei der Kulturhauptstadt wurde bereits eine große Chance vertan“, warnt Ralf Fuhrmann für die SPD und wünscht „die gleiche Leidenschaft für Bäder und mehr in der Stadt“. Die Grüne Liste hat den Ornamenta-Antrag gestellt, erinnert Axel Baumbusch und kritisiert die dünne Verwaltungsvorlage. Die hätte ohne Vortrag auch Felix Herkens (Bündnisgrüne) nicht gereicht. Die Investition lohnt sich, so meint Constantin Hehl (JL) und Christof Weisenbacher will diesem „ungedeckten Scheck für die Zukunft eine Chance geben“.