NUR KURZ EIN TEAM: Standort-Manager Sascha Binoth (rechts) mit WSP-Chef Oliver Reitz. | Foto: pr

Aufschrei nach Trennung

Pforzheim: Wirtschaftsförderung nach Binoth-Weggang unter Druck

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Drei, zwei, eins, keins: Mit dem Weggang von Sascha Binoth ist die zweite Führungsebene bei Wirtschaft und Stadtmarketing (WSP) wieder verwaist. Und das ist „schwer nachvollziehbar“, auch für Leute, die den Macher aus Karlsruhe noch gar nicht kennen gelernt haben. Es geht bei dem Aufschrei zu der Personalie mitnichten nur um den Mann, der seit fünf Monaten Pforzheims Standort-und Kongressmanager ist.

„Wer schafft denn da überhaupt noch“, verweist ein Kommentator darauf, dass nicht nur die Spitzen von Verwaltung, Wirtschaftsförderung und Standortmarketing unbesetzt sind. Acht von 43 Stellen sind vakant, bestätigt Direktor Oliver Reitz, die beiden Positionen für das neue Zentrum für Präzisionstechnik jeweils nicht mitgerechnet: Die Verweildauer sei zu kurz, der Altersdurchschnitt zu niedrig, es gebe keine Kontinuität, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Dass mit Binoth jetzt ein erfahrener Citymanager, Reaktionen nach zu urteilen geradezu ein Hoffnungsträger geht, scheint Kritikern recht zu geben.
„Wenn so etwas passiert, dann stimmt was nicht“, meint dazu Stadtrat Florentin Goldmann. Gleich Jacqueline Roos von der SPD zeigt sich der CDU-Mann überrascht von der dürren Pressemitteilung der Stadtverwaltung am Wochenende. Dies sei „nicht nachvollziehbar“, sowohl was den „umtriebigen Binoth“ anbelangt, der „frischen Wind brachte“, als auch im Verweis auf „anstehende organisatorische Veränderungen“.

Stadträte sind verärgert

„Es bleibt wie beschlossen bei drei Geschäftsbereichen mit jeweils einem Geschäftsbereichsleiter“, aber das müsse ja erst umgesetzt werden, präzisiert Reitz. Binoth habe weder zurückgestuft werden sollen, noch gebe es bereits Kandidaten für eine Nachfolge – auch nicht in Sachen Event, wie FW-Stadtrat Carol Braun mutmaßt. „Die Fachbereichsleitung Eventmanagement ist keine separat ausgewiesene Stelle, sondern in Personalunion mit der Geschäftsbereichsleitung vorgesehen“, sagt Reitz weiter.
Besonders ärgerlich für die Stadträte ist, dass die Trennung von Binoth im Gegensatz zur Bestellung ohne Mitwirkung von Gemeinderat oder Wirtschaftsförderungsausschuss lief. Bei der SPD gehe man davon aus, „dass etwas gereizt hat“, meint Roos. Die Partei setzt am Montag auf den direkten Kontakt zu Binoth, um Näheres zu erfahren.

„Traurig, traurig, traurig“, findet Frank Steinbrecher vom gleichnamigen Musikalienhandel, dass Binoth nur ein kurzes Gastspiel bis spätestens Mai in Pforzheim gibt. „Da war endlich mal einer mit Pfeffer, wahnsinnigen Ideen und einer super Energie, der strukturiert denken, koordinieren und kommunizieren kann“, lobt er und schwärmt von einer „Spiel-mich-Aktion“ mit Klavieren in der Stadt im Juni/Juli sowie einem „Pforzheim musiziert“ zusammen mit dem Kulturrat im November.

Lob für Binoth

Lob für Binoth kommt auch aus der Kultur, vor allem mit Blick auf eine engere Vernetzung im Außenauftritt. So hat Christine Müh vom Kommunalen Kino einiges an Hoffnung mit Binoth verbunden, „der das Geschäft kann, umfassend die Zusammenhänge denkt – ein Macher, der schon einiges an Strukturen durchschaut hat und Vernetzung unterschiedlicher Bereich mitgedacht hat“. Sein Rückzug sei sehr sehr schade.
Eher zurückhaltend scheint man beim Einzelhandelsverband auf den neuen Standortmanager reagiert zu haben. Im Januar jedenfalls war WSP-Chef Reitz eingeladen, nicht aber der Mann, der für die zu besprechenden Themen zuständig ist. Karsten Jung, der als Nachfolger von Horst Lenk an der Verbandsspitze gehandelt wird und diesen bereits vertritt, wurde wegen einer Stellungnahme angefragt, ist aber wie schon bei früheren Anfragen nicht zu sprechen.

Reitz setzt auf Struktur

Zur Zukunft sagt Reitz: Struktur, Profil und Organigramm sind richtig. Dies werde sich auch in der neuen Stellenausschreibung spiegeln. Dass WSP als Arbeitgeber immer weniger attraktiv sein soll, widerlege schon die Zahl der Initiativbewerbungen. Grundsätzlich gelte, „man kann hier richtig was machen“. Das brauche aber manchmal Zeit und Geduld. Reitz räumt ein, dass sich der Öffentliche Dienst finanziell etwas schwer tue gegenüber der freien Wirtschaft. Zum Vorwurf, er lassen den WSP kaputt sparen, verweist er auf die Kernaufgaben. „Wir definieren uns nicht über Eventmanagement, sondern über eine ganzjährige Stadtförderung.

Vorschläge für die bislang von Reiner Müller verantwortete Wirtschaftsspitze will Reitz im März im Gemeinderat vorstellen. Bei der Verwaltungsposition laufe das Verfahren noch.

Webseite des Wirtschaft- und Standortmarketings Pforzheim  (WSP)