Politik der ruhigen Hand: Die SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast erläuterte beim Redaktionsgespräch beim Pforzheimer Kurier ihre politische Arbeit. | Foto: Wacker

Für politische Sacharbeit

Bundestagsabgeordnete Mast: Koalition trägt auch meine Handschrift

Anzeige

Für Grünen Tee braucht man kein kochendes Wasser. Meist sind 70 Grad genau richtig. Wird es heißer, kann der Tee bitter, ja sogar ungenießbar werden. Während des Redaktionsgesprächs beim Pforzheimer Kurier trinkt Katja Mast Grünen Tee. Man könnte sagen: Das passt zu ihrer Art.

„Ich muss immer entscheiden, ob ich bei einem Gesetzesvorhaben einen Konflikt hochkoche oder nicht. In der Regel gewinne ich ihn im Verfahren eher nicht, wenn ich ihn hochkoche“, erklärt die SPD-Bundestagsabgeordnete für Pforzheim und den Enzkreis. Hitzige Diskussionen sind nicht das ihre. Sie vermittelt den Eindruck, dass sie gerne mit kühlem Kopf politische Sacharbeit macht – auch wenn sie ebenso wie ihre Partei in der öffentlichen Wahrnehmung dadurch manchmal untergeht.

Politische Erfolge

„Mir geht’s gut in Berlin, weil ich jeden Tag Dinge voranbringen kann und das Land solidarischer machen kann“, betont sie. „Ich finde, dass die Arbeit der Großen Koalition eine deutlich sozialdemokratische und dort, wo ich Verantwortung habe, auch meine Handschrift trägt.“ Nach rund neun Monaten Regierungsarbeit zählt Mast Erfolge auf: Stabilisierung der Rente, Brückenteilzeit, Weiterbildungsgesetz, Parität in der Krankenversicherung. Dafür habe sie Wahlkampf gemacht.

Und wie viel Pforzheim kommt im Wahlkreis an? Für Mast ist „völlig klar, dass ich als Partnerin für die Region Bundespolitik so gestalte, dass etwas hier ankommt“. Als Beispiel nennt sie Programme für finanzschwache Kommunen wie Pforzheim. Kaum eine Pressemitteilung aus Masts Büro endet ohne den Hinweis, dass das bundespolitisch Erreichte auch den Menschen in Pforzheim und dem Enzkreis diene.

Ich halte es grundsätzlich für gut, wenn sich Pforzheim mit externen Mitteln helfen lässt, um die Stadt voranzubringen.

Katja Mast über die Innenstadt-Ost

Mast hält sich aus dem Kommunalen heraus

Ganz anders agiert ihr CDU-Konterpart Gunther Krichbaum. Er verzichtet auf die Vielzahl von Statements zur Tagesarbeit, mischt dafür aber als Kreisvorsitzender auch in der Lokalpolitik mit. Mast folgt einer anderen Linie. Sie hält sich aus dem Kommunalen heraus, überlässt das Feld also der Kreisvorsitzenden Annkathrin Wulff und dem Fraktionsvorsitzenden Ralf Fuhrmann. „Ich bin nicht dafür da, rote, gelbe und grüne Karten für den Stadtrat zu verteilen“, sagt Mast und gießt ihren Grünen Tee zum zweiten mal auf.

Ihre Rolle definiert sie anders: „Als Bundestagsabgeordnete bin ich dafür zuständig, im Bund für meinen Wahlkreis zu werben und die richtigen Weichenstellungen für systematische Politik mit Blick auf Kommunen wie Pforzheim und den Enzkreis vorzunehmen. Das mache ich gerne und häufig.“ Als stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Bereich Arbeit und Soziales sowie Familie, Senioren, Frauen und Jugend – das Wortungetüm meistert sie in vier Sekunden – sitze sie bei vielen Gesetzesvorhaben am Tisch.

Mast: Koalition hält ihre Versprechen

14 Prozent für die SPD im aktuellen Deutschlandtrend – gleichauf mit der AfD, deutlich hinter den Grünen und nicht mal halb so stark wie die CDU. Wie erklärt sich Mast die alarmierenden Werte, die zuletzt mit etlichen verlorenen Wahlen einhergingen? „Es herrscht eine Stimmung bei den Leuten im Land: ,Die beschäftigen sich mit sich selbst und nicht mit unserem Alltag’.“ Doch sie betont: „Mein Alltag ist, dass ich mich zu 80 bis 90 Prozent damit beschäftige, wie ich das Leben der Menschen besser mache. Und zwar in ganz konkreten Gesetzen.“ Die Koalition halte, was sie versprochen habe. An den nächsten Vorhaben wie den Kampf gegen Kinderarmut will Mast unaufgeregt mitarbeiten.

Wo man in den Umfragen steht, hat leider nicht unbedingt etwas damit zu tun, was man macht oder was die Mehrheit der Bevölkerung gut findet. Deshalb glaube ich, dass wir als SPD gut beraten sind, unsere Wahlversprechen in kluge Regierungspolitik fließen zu lassen.

Katja Mast