NUR NOCH METALLGERIPPE: Vier der sechs Busse, die am Samstag gegen 4 Uhr durch ein Feuer völlig zerstört wurden. Zwei weitere sind betroffen. Verletzt wurde niemand. Nur ein Feuerwehrmann brauchte „ein Pflaster gegen einen Kratzer“. | Foto: Eisemann

Technischer Defekt im Fokus

Pforzheimer Großbrand hätte schlimmer ausgehen können

Sechs Busgerippe auf dem Südwestbus-Gelände zwischen Eisenbahngleisen und Blücherstraße; zwei weitere Busse sind beschädigt: Ein Erfolg aus Sicht der Pforzheimer Feuerwehr. Denn es hätte viel schlimmer kommen können bei dem Großfeuer am Samstagmorgen mit rund einer Million Euro Sachschaden.

 

Nichts mehr zu retten

Die Busse stehen Tür an Tür und brennen lichterloh, als die Einsatzkräfte gegen 4.18 Uhr auf den Betriebshof fahren. Da gibt es nichts mehr zu retten. Die Feuerwehr konzentriert sich auf die vielen Busse links und rechts der riesigen Feuerstelle. Einsatzleiter vom Dienst, Hanns-Dieter Fluck, zählt zwei auf der einen und 15 auf der anderen Seite der Feuerwand. Schwierig ist auch, „überhaupt erst an die brennenden Fahrzeuge ran zu kommen.“

METERHOHE FLAMMEN schießen aus sechs Bussen, die auf dem RVS-Betriebshof bei der Blücherstraße geparkt sind. Die Ermittlungen gehen in Richtung technischer Defekt.
METERHOHE FLAMMEN schießen aus sechs Bussen, die auf dem RVS-Betriebshof bei der Blücherstraße geparkt sind. Die Ermittlungen gehen in Richtung technischer Defekt. | Foto: Roth

Erster Eindruck

Einer der Busse steht quer geparkt, wie auch noch zu sehen ist, als sich gegen 10 Uhr Oberbürgermeister Gert Hager gemeinsam mit der Leiterin der Niederlassung, Sandra Schönherr, einen Eindruck verschafft. Das Gespräch ist diskret. Schließlich steht unausgesprochen die Befürchtung im Raum, es könnte gezündelt worden sein. Die Spurensicherung, die sich fast zeitgleich an die Arbeit macht, findet keine Anhaltspunkte für derartige Spekulationen. Die Ermittlungen gehen aber weiter.
Es ist kurz nach vier Uhr, als ein Anwohner am Samstag zum Hörer greift und den Brand meldet. Um 4.13 Uhr wird bei der Feuerwehr Alarm ausgelöst. Nach und nach brausen 15 Fahrzeuge und 30 Haupt- und Ehrenamtliche Kräfte aus Eutingen, dem Haidach und Brötzingen/Weststadt in die Blücherstraße. Sie kämpfen sich durch und finden vor allem die große Wasserquelle, die sie brauchen, für die fünf Rohre, durch die pro Minute insgesamt 2 000 Liter Schaum zischen.

MIT 2 000 LITER SCHAUM PRO MINUTE erstickt die Feuerwehr den Brand, der am Samstagmorgen von sechs Bussen nur noch das Metallgerippe übrig lässt. Damit gelingt es, das Feuer auf den Brandherd einzugrenzen, den die Einsatzkräfte um 4.18 Uhr vorgefunden haben.
MIT 2 000 LITER SCHAUM PRO MINUTE erstickt die Feuerwehr den Brand, der am Samstagmorgen von sechs Bussen nur noch das Metallgerippe übrig lässt. Damit gelingt es, das Feuer auf den Brandherd einzugrenzen, den die Einsatzkräfte um 4.18 Uhr vorgefunden haben. | Foto: Eisemann

Kaum Explosionsgefahr

Die Löscharbeiten dauern bis 7.29 Uhr, dann ist abpumpen angesagt. Aus den total zerstörten Bussen werden laut Fluck noch etwa 1 000 Liter Diesel gesichert. Die Gefahr einer Explosion habe vernachlässigt werden können, erläutert Fluck. Der Treibstoff neige nicht dazu. Die Metalltanks und das kalte Wetter tun ein übriges dafür, dass sich die Löschtrupps auf die Sicherung der anderen Fahrzeuge konzentrieren können. Das größtenteils unterirdisch angelegte Diesellager ist aus Sicht der Fachleute weit genug weg.
Das gilt auch für die Anwohner auf der anderen Straßenseite, die immer wieder durch Explosionsgeräusche erschrecken. Sie sehen zwar die meterhohen Flammen wüten, aber nicht die Reifen, die in der Hitze aufblähen und dann platzen.

Bei Plastik geht es rasend schnell

Während die Kriminalpolizei die Spuren sichert und Niederlassungsleiterin Schönherr schaut, wo sie Ersatz her bekommt für die sechs ausgebrannten Busse – drei davon sind nigelnagelneue Fahrzeuge für die neuen Pforzheimer Linien des RVS, sind die Fahrer schon wieder unterwegs. Es gab Verspätungen, sagt Schönherr, aber jetzt  soll alles wieder laufen, als wäre nichts gewesen – ganz so wie Samstagnacht, bevor Großeinsatz angesagt ist. Der letzte Bus wird gegen 3 Uhr abgestellt. „Es kann schon eine Weile dauern, bis aus einem technischen Defekt ein Feuer wird“, sagt Fluck. Wenn es dann aber soweit ist und all das Plastik im Innenraum erreicht ist, „dann geht es rasend schnell“: Fenster platzen und der nächste Bus ist auch nicht weit.