Für die Tonne? Für Eventmanager Philipp Broll ist das Schmuckjubiläum keine gelungene Veranstaltung. Sie gehe an den Menschen in Pforzheim vorbei, sagt er. | Foto: Freytag

Kritik am Schmuckjubiläum

Pforzheimer löst mit Facebook-Video Debatte über „Goldstadt 250“ aus

Anzeige

Zu viel Geld schmeißt Pforzheim hinaus, für ein Jubiläumsfestival, das den Preis nicht wert ist und viele nicht anspricht. Die Kritik von Philipp Broll sitzt. Per Videobotschaft auf Facebook tut der Pforzheimer Eventmanager, der Barparade und Sommerfest organisiert hat, jetzt seine Meinung zu „250 Jahre Goldstadt Pforzheim“ kund. Über 7 500 Nutzer haben das Video mit dem Titel „Das Schmuckjubiläum – Ein Witz“ bereits angeklickt. Anlass dafür war ein Interview mit Jubiläums-Koordinator Gerhard Baral in dieser Zeitung am vergangenen Donnerstag. Für das, was Broll sagt, gibt es im Netz Zustimmung, aber auch Kritik. Gerhard Baral, Christine Müh vom Kommunalen Kino und Christof Weisenbacher von der Fraktion WiP/Die Linke haben sich mittlerweile in die Diskussion eingemischt.

Eine altbackene, biedere und langweilige Veranstaltung

„Das Thema beschäftigt mich schon länger. Dann hat mir ein Bekannter das Interview vorgelegt. Darin ging es auch um eine Frau, die sagt, das Festival gehe an ihr vorbei. Und so geht es vielen“, sagt Broll. Er empfinde die Reaktion von Festival-Koordinator Baral – er wisse nicht, wie manche Menschen durch die Stadt gehen – als „ziemlich hochnäsig“. „Was bisher gelaufen ist und noch kommt, ist einfach keine 4,8 Millionen Euro Wert“, kritisiert Broll. Eine „altbackene, biedere und langweilige Veranstaltung“ sei das Schmuckjubiläum. „Schmuck und Gold lassen sich zwar schwer modern rüberbringen, aber das ist eben die Aufgabe. Alle zwei Tage ist irgendwo eine Ausstellung, nach der fünften hat man genug.“ Die Leute würden natürlich sehen, dass das Jubiläum stattfindet – „Werbung gibt es ja reichlich“ – es interessiere viele aber einfach nicht.

Wohin sind die Millionen geflossen?

Eine halbe Million Euro für das Straßentheater-Event mit Titanick, eine halbe Million für Werbung: Für Broll ist das zu viel. „4,8 Millionen Euro für 145 000 erwartete Besucher in einem Jahr: Das steht in keiner Relation. Auch wenn das Theaterevent sicher saugeil wird.“ Der Pforzheimer wirft auch die Frage auf, wohin die Millionen geflossen sind. „Das ist kein Vorwurf, nur ein Gedankenspiel. Aber für das, was das Jubiläum kostet, ist viel zu wenig geboten.“ Da reiche ihm als Nachweis auch keine Excel-Tabelle, wie Baral sie aufgestellt habe.
Draußen zu wenig präsent und nicht massentauglich ist das Jubiläum für Broll. Andere Städte böten bei ähnlichen Events wesentlich mehr. „Ich hätte das Festival gebündelt. Lieber an drei oder vier Wochenenden Vollgas geben, als es wie jetzt über das ganze Jahr ziehen.“ Bei aller Kritik wolle er keinesfalls die Leistung der jungen Designer in Abrede stellen, die auch am Festival beteiligt sind.

Festival-Koordinator Baral weist Kritik zurück

Auf die Kritik erklärt Gerhard Baral unter anderem: „Die Finanzen des Jubiläumsfestivals liegen offen und können jederzeit eingesehen werden.“ Zudem habe jeder die Möglichkeit, Ideen einzubringen. „Wenn Herr Baral auffordert, statt zu motzen, selbst anzupacken, ist das nicht einzusehen. Das hier ist kein Verein, sondern ein kommerzielles Event. Er bekommt Geld dafür, dass er es organisiert und an die Bürger bringt“, erklärt Broll. „Anders wäre das, wenn es um die Stadt Pforzheim an sich ginge.“ Stadtrat Weisenbacher bezeichnet Brolls Kritik auf Facebook als „in der Art und Weise nicht gerechtfertigt“. Man müsse sich auch inhaltlich mit dem Thema auseinandersetzen, auch wenn die Fraktion WiP/Die Linke dem Jubiläum weiterhin kritisch gegenüber stehe. „Ich finde, jeder hat eine Bringschuld“, sagt Weisenbacher. Die Erwartungen der Menschen zum Jubiläum seien wohl zuvor eher in Richtung Open-Air-Musikveranstaltung gegangen.
Christine Müh stört „die Tradition des Bruddelns“. „Man muss die Augen offenbar fest geschlossen halten, um die Veranstaltungen und deren Bewerbung so konsequent nicht wahrzunehmen“, kommentiert sie unter Brolls Beitrag auf Facebook.