Voller Eifer, volle Zimmer: Der Unterricht an der Osterfeld-Grundschule in Pforzheim ist nicht leicht zu organisieren. Für zwölf Klassen gibt es zwölf Zimmer – und keine Extras. | Foto: Roland Wacker

Schulentwicklung Pforzheim

Osterfeld-Grundschule stößt an Kapazitätsgrenzen

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Manchmal sagt eine Farbe mehr als tausend Worte. Als Dominic Bäuerle, stellvertretender Leiter des Pforzheimer Amts für Bildung und Sport, diese Woche dem Gemeinsamen Schulbeirat die Prognose der Grundschülerzahlen vorstellte, unterteilte er die 18 Bezirke in vier Kategorien – verdeutlicht durch vier Farben. Da sind die zunächst grünen Bezirke, die vor allem in den Höhenstadtteilen liegen. Dort kann der prognostizierte Anstieg der Schülerzahlen voraussichtlich in den bestehenden Räumen aufgefangen werden.

Dringender wird der Handlungsbedarf in den gelben oder rot-weiß-schraffierten Bezirken, es liegen aber Optionen vor. Eine Schule sticht besonders heraus: „Feuerrot bleibt nur die Osterfeld-Grundschule. Dort müssen wir schnell in die Planung einsteigen“, betonte Bäuerle.

Rektor: „Wir sind bis obenhin voll“

Martin Miester kann das nur bestätigen. Der Rektor der Osterfeld-Grundschule, die mit der Realschule unter einem Dach ist, beschreibt im Kurier-Gespräch volle Klassenzimmer und große Herausforderungen. „Uns fehlen einfach die räumlichen Kapazitäten, wir sind bis obenhin voll.“ Schon jetzt klingt es wie eine kleine Wissenschaft, was er beim Erstellen des Stundenplans alles berücksichtigen muss, wenn der Unterricht von zwölf Klassen in nicht mehr als zwölf Zimmern gewährleistet sein soll. Die Kernzeitbetreuung kommt noch obendrauf. Fachräume gibt es nicht. Das Pflichtprogramm kann gerade so abgebildet werden. Auch die Verwaltung weiß, dass die Räume „mehr als ausgereizt“ sind. Die Klassen eins bis drei sind mit jeweils 28 Schülern in allen drei Zügen komplett besetzt. Für Lehrer ist das laut Rektor Miester „ein Knochenjob“. Zumal man nicht nur Kinder in den Klasse habe, die an der richtigen Stelle sind. „Wir haben leider Gottes auch Kinder, die mit Problemen und Defiziten hier ankommen. Sie müssten eigentlich anderswo gefördert werden. Aber die Eltern stört das nicht, wenn ich sie darauf hinweise.“

100 kommende Erstklässler auf der Liste

Schon jetzt ist das Angebot dreizügig, während die Räume eigentlich nur zwei Züge hergeben. Wie soll das erst werden, wenn es wie prognostiziert noch mehr Schüler werden? „Ich kann die Kinder ja nicht stapeln“, sagt Rektor Miester. Für das neue Schuljahr hat er nach eigenen Angaben mehr als 100 kommende Erstklässler auf der Liste. Diejenigen, die das Schuljahr vielleicht wiederholen müssen, seien da noch gar nicht eingerechnet. „Wenn ich höre, dann wird halt nicht bei 28 geteilt, sondern bei 30, dann muss ich sagen: Das würde dann ein Stück weit auf dem Rücken der Kinder ausgetragen.“ Auch im Kollegium würde die Belastung dadurch noch größer, der Krankenstand könnte steigen.

Neubau als dringend eingestuft

Die Stadtverwaltung sieht deutlich steigenden Handlungsdruck. Die aktuelle Prognose geht von einer Fünfzügigkeit in fünf Jahren aus. Ein Neubau der Grundschule sei dringend. Im Haushalt sind dafür Planungsmittel von 400 000 Euro vorgesehen. Die Planung soll zügig soweit vorangetrieben werden, dass die weitergehenden Mittel zum Haushalt 2021/22 bereitgestellt werden können. Rektor Miester hofft, dass sich die Lage möglichst schnell entspannt. Das sei in der Tat nur durch einen Neubau möglich.
Zunächst interessiert ihn allerdings auch, wie es im kommenden Schuljahr aussieht, sollten tatsächlich mehr Schüler als rechnerisch verfügbare Plätze an seiner Grundschule sein. „Ob die Stadt so schnell eine Lösung hinbekommt, indem sie einen Raum umbaut oder einen Raum im Kulturhaus anmietet? Das weiß ich nicht.“