Auf Wiedersehen Emma? Während die Planungen für das Emma-Jaeger-Bad und das Huchenfelder Bad laufen, mehren sich die Zweifel, ob das Geld durch die Corona-Krise für das Pforzheimer Großprojekt Bädersanierung ausreicht. | Foto: René Ronge

Bäderkrise und Epidemie

Pforzheimer Politiker wollen trotz Corona an Bädersanierung festhalten – halten sich aber ein Hintertürchen offen

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Mit der Gemeinderatssitzung im Januar schien das Drama um die Bäderkrise in Pforzheim endlich gelöst. Durch Corona scheint das Problem wieder aufzubrechen – auch wenn die Politik derzeit noch an den Plänen festhalten will.

Es sah schon alles nach einem Happy-End in der Bäderkrise aus – und jetzt mischt plötzlich Corona mit. 36,52 Millionen Euro sind vom Gemeinderat genehmigt – nun droht das große Hilfspaket für die Wirtschaft durch Oberbürgermeister Peter Boch (CDU), alles durcheinander zu wirbeln. Oder auch nicht?

Die Bäderpläne soll das erst einmal nicht über den Haufen werfen, teilte Bürgermeister Dirk Büscher (CDU) mit. Und doch betont er: „Im Kampf gegen die Corona-Krise bündeln wir derzeit alle Kräfte. Es gibt kein Thema, das größere Priorität hat.“ Niemand könne seriös sagen, „wie stark die Stadt Pforzheim am Ende finanziell belastet sein wird. Fakt ist aber, dass wir mit finanziellen Auswirkungen rechnen müssen“.

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Schwaigert-Team macht erstmal weiter

Solange das aber nicht klar ist, macht das Team um Projektleiter Lutz Schwaigert erst einmal weiter mit der Arbeit. Bei Emma-Jaeger-Bad und Huchenfelder Bad werde wie berichtet derzeit der Abriss geplant, wie auch bei den Umkleiden beim Wartbergbad. Zudem sichte man Bewerbungen, um das Schwaigert-Team zu verstärken. Die Dacharbeiten im Eutingerbad liefen nach Zeitplan, einzig bei der Auswinterung der Freibäder „sind wir drei Wochen hinter dem Plan aufgrund der Corona-Krise“, so Büscher. Die Umkleiden am Wartberg sollen wie geplant am 2. Mai stehen.

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Corona-Auswirkungen erst im nächsten Haushalt relevant

Unterstützung erhält er für diesen Kurs von Jörg Augenstein (CDU): „Ich würde im Moment nichts anderes machen, es gibt einen klaren Beschluss.“ Und doch betont er: „Was das für den nächsten Doppelhaushalt bedeutet, steht in den Sternen.“ Denn das Geld für die Bäder stammt aus dem Haushalt 2019/20 – das Corona-Hilfspaket wird aber erst im folgenden Doppelhaushalt und den entsprechenden Beratungen Thema, wie Stadtkämmerer Konrad Weber bestätigt. Auch für ihn sei das ganze Ausmaß von Corona nicht einschätzbar, etwa wegen drohender Steuerausfälle.

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Rülke (FDP) und Hück (SPD) stehen zu den Bädern

Deutlicher ist da Hans-Ullrich Rülke (FDP). Er stellt für seine Fraktion aus FDP, FW, UB und LED klar: „Aus unserer Sicht gibt es keinen Anlass, die Gemeinderatsentscheidungen zum Thema Bäder infrage zu stellen. Was das Thema Hilfen für Kleinunternehmen anlangt, so hat die Stadt ein Programm von 500.000 Euro aufgelegt. Dieses stellt die Bäderbeschlüsse nicht infrage.“ Ähnlich sieht es auch Uwe Hück (SPD): „Wir werden die Bäder machen – aus Trotz.“ Investoren stünden weiterhin bereit.

Wir müssen erst einmal schauen, dass die Wirtschaft wieder anläuft.

Rainer Betz, Vorsitzender des 1. BSC Pforzheim

Es gibt allerdings auch mahnende Worte – teils von den betroffenen Vereinen selbst. „Wir müssen erst einmal schauen, dass die Wirtschaft wieder anläuft“, fordert Rainer Betz, Vorsitzender des 1. BSC Pforzheim. Ob vielleicht der große Brocken Emma-Jaeger-Bad am Ende auf der Strecke bleibe? „Darüber mache ich mir im Moment keine Gedanken. Wichtig ist, dass wir diese Krise überstehen“, so der Rentner, der betont, selbst zur Risikogruppe zu gehören.

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Huchenfelder wähnen sich in Sonderrolle

Und auch Stefan Metzger, Vorsitzender des SSV Huchenfeld, spürt zwei Herzen in seiner Brust schlagen. „Für uns in Huchenfeld gibt es vielleicht eine Sonderrolle, weil die Fördergelder da sind.“ Vier Millionen Euro wurden vom Bund zugesichert, vor der Corona-Krise. Er betont die Bedeutung von Sport auch für Kinder und Jugendliche. „Wir bewegen uns in Sachen Fitness in Quarantäne-Zeiten auf sehr dünnem Eis.“ Zudem dauere der Neubau in Huchenfeld vier Jahre, der SSV habe schon jetzt eine angespannte Mitgliederstruktur. Aber „ich bin auch Unternehmer“, sagt Metzger. „Da macht man sich seine Sorgen.“

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Baumbusch (Grüne Liste) sorgt sich um die Betriebskosten

Axel Baumbusch (Grüne Liste) nennt noch ein anderes Argument: „Es kann vielleicht sogar sein, dass wir das Geld für die Baumaßnahmen haben – aber wie sieht es dann mit dem Geld für die Betriebskosten aus?“ Auch seine Fraktion stehe weiterhin zum Beschluss. „Mein Vorschlag wäre: Wir warten jetzt die Corona-Krise ab.“ Die Priorität liege bei der Wirtschaft, auch die Kultur dürfe man nicht vergessen.“ Es sei „unseriös“, einfach weiterzumachen.