Erstaunt über die Angriffe auf ihre Arbeit für die Ornamenta zeigen sich im Kurier-Gespräch Kulturamtsleiterin Drescher und Bürgermeisterin Schüssler (von links)
Erstaunt über die Angriffe auf ihre Arbeit für die Ornamenta zeigen sich im Kurier-Gespräch Kulturamtsleiterin Drescher und Bürgermeisterin Schüssler (von links) | Foto: str

Kommunalpolitik

Pforzheim arbeitet am Konzept für Ornamenta 2024

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Was muss getan werden, damit Pforzheim im Reigen der Kulturstädte einzigartig hervorsticht? Jetzt, ganz am Anfang des Wegs zur Ornamenta 2024, ist das eine strukturelle Frage. Aufgaben von Geschäftsführung und Kuratoren stehen in der Diskussion. Die geplante Ornamenta-Gesellschaft „muss schlagkräftig und effizient sein“, erläutern Kulturamtschefin Angelika Drescher und Bürgermeisterin Sibylle Schüssler im Gespräche mit dem Pforzheimer Kurier.

Parallel dazu geht es um Räume und Gebäude, die idealerweise zur Verfügung stehen, wenn ab 2024 aus Pforzheim eine Stadt werden soll, die mit höchster Design- und Verarbeitungskompetenz verbunden wird.

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Den Grundsatzbeschluss zur schönen neuen Pforzheim-Welt fasste der Gemeinderat im Dezember. Damit ist die Vorbereitung abgeschlossen: Lenkungsausschuss, Projektgruppe und Berater „haben mit der Entscheidung ihre Arbeit erfolgreich beendet“, sagt Schüssler. Dass sie darüber hinaus noch für Gesprächsstoff sorgen, ärgert die Dezernentin. Schüssler möchte zurück zu einer „politischen Kultur, in der nicht jeder Gemeinderatsentscheid in Misskredit gezogen und torpediert wird“.

„Die Scharmützel sollten aufhören“

Die „Scharmützel“ sollten aufhören, wo nach einem Mehrheitsvotum die gemeinsame Sache für Pforzheim im Vordergrund stehen müsse, fordert Schüssler. Sie meint damit nicht nur, wie Ornamenta-Gegner nach der Entscheidung negativ am Ruf von Personen und Dezernat arbeiten. Zu den infrage gestellten Vorgängen sagt sie, der Gemeinderat hat am 17. Dezember die Durchführung der Ornamenta Pforzheim und Region Nordschwarzwald 2024 mit einem städtischen Gesamtbudget von 1,9 Millionen Euro beschlossen. Darin sind die bisher vorgesehenen Mittel in Höhe von 500.000 Euro enthalten.

Die 2019 im Entscheidungsprozess entstandenen Kosten wurden aus dem Budget des Dezernats beglichen. Das gelte auch für das Honorar von Professor Thomas Hensel, über das der Ältestenrat von Oberbürgermeister Peter Boch vor der Entscheidung im Gemeinderat informiert worden sei.

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„Ich bin ein Mensch, der davon überzeugt ist, dass man alles immer noch besser machen kann“, sagt Schüssler. Sie war gefragt worden, ob sie womöglich nicht hinreichend informiert habe, mithin also eine Teilverantwortung an der Schlammschlacht trage, die Stadträte zum Jahresende gegen sie und die Ornamenta lostraten. Dem von Misstrauen getragenen Aufgabenberg, den diese für die Stadtverwaltung aufbauten, schaue sie gelassen entgegen. Unter anderem wird gefordert, eine Liste aller externen Gutachten und Berater vorzulegen. „Wir werden den entsprechenden Antrag aus dem Gemeinderat bearbeiten.“

Arbeitsgruppe zur Ornamenta

Zur Ornamenta werde das weitere Prozedere ab kommende Woche zunächst rathausintern in einer Arbeitsgruppe aus dem OB-Dezernat und dem Kultur-Dezernat besprochen. Es gilt ein Findungsverfahren für die Kuratorenstelle zu entwickeln sowie eine Ornamenta-Gesellschaft zu gründen. Zentral bei der Ausgestaltung sei zum Beispiel, wie ein Beirat integriert wird und ob die kuratorische Seite von einem übergeordneten Gremium begleitet wird, erläutert Drescher. Best-Practice-Beispiele seien hier die Kunstausstellung „Skulptur.Projekte“ in der Stadt Münster oder erfolgreiche Gartenschauen. Entscheidungsgrundlagen für den Gemeinderat sollen im April vorliegen.

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Deutlich weiter sind die Entwicklungen in räumlicher Hinsicht, auch wenn nicht gerne darüber gesprochen wird. „Die Stadt ist im Gespräch mit dem Insolvenzverwalter“, sagt Schüssler beispielsweise zum Victor-Rehm-Gebäude. Sie hat bei diesem Filetstück im Herzen der Stadt, das im Zuge der Insolvenz der namensgebenden Firma auf dem Markt ist, Konkurrenz. Unter anderem soll die Parkhotel GmbH mit Brauhauschef Wolfgang Scheidtweiler daran interessiert sein, die auch den Kohlebunker in der Oststadt zukunftsrelevant bespielen will.

Erste Priorität hat, dass die Stadt Victor Rehm erwerben kann.“ Falls das nicht klappt, sei es wichtig, die Steuerungsinstrumente in der Hand zu behalten, wozu eine bereits beschlossene Veränderungssperre für das Enz-Grundstück gehöre. Wenn jemand anderes kaufe und nutzbringend für die Ornamenta wirke, sei das für sie auch in Ordnung, sagt Schüssler weiter. „Wir wollen, dass was Gutes umgesetzt wird und dass das ins Konzept der Stadt passt.“

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