Mayländer, Sabine Leitende Oberstaatsanwältin Pforzheim seit 1. Juni 2016 | Foto: Viehweg

Es gibt mehrere Bewerbungen

Pforzheimer Staatsanwaltschaft braucht neue Spitze

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Nach dem Weggang von Oberstaatsanwältin Sabine Mayländer ist die Leitung der Pforzheimer Staatsanwaltschaft vakant. Es gibt einige Bewerbungen. Kommissarischer Leiter ist Mayländers Stellvertreter Harald Lustig, der sich nach eigenen Angaben nicht auf die Stelle beworben hat.

Viel Zeit zum Umzug blieb für Oberstaatsanwältin Sabine Mayländer nicht: Am 3. Januar war sie noch Leiterin der Pforzheimer Zweigstelle der Staatsanwaltschaft Karlsruhe. Schon am darauffolgenden Dienstag saß sie an ihrem neuen Arbeitsplatz in Rottweil als Chefin der dortigen Staatsanwaltschaft.

Stellvertreter Lustig hat sich nicht beworben

Bis die Nachfolge feststeht, wird Mayländers Stellvertreter, Oberstaatsanwalt Harald Lustig, die Behörde kommissarisch leiten. Er selbst hat seinen Hut nicht in den Ring geworfen, wie Lustig auf Anfrage unserer Redaktion berichtet, ohne diese Entscheidung kommentieren zu wollen.
„Es gibt mehrere Bewerbungen“, erklärt Robin Schray, Pressesprecher des baden-württembergischen Justizministeriums. Weiter will er sich dazu nicht äußern: Es handle sich um ein laufendes Besetzungsverfahren.

Neubesetzung wohl nicht mehr im Frühjahr

Die Bewerbungsfrist endete vergangene Woche. Nun würden die Beurteilungen der Bewerber angefordert, die dann durch den Staatsanwaltsrat müssten. Dass die Stelle noch im Frühjahr besetzt werden kann, hält er für unwahrscheinlich. „Das kann drei, vier Monate dauern.“
In Pforzheim war Mayländers Weggang im November bekannt geworden. Vorige Woche nahm sie aus den Händen des baden-württembergischen Justizministers Guido Wolf die Ernennungsurkunde an, um noch am selben Tag den Dienst an ihrer neuen Wirkungsstätte aufzunehmen.

Mayländer kehrt nach Rottweil zurück

Die 58-jährige gebürtige Ulmerin ist damit als Leiterin der Staatsanwaltschaft Rottweil an die Behörde zurückgekehrt, in der sie schon von 2013 bis 2016 Stellvertreterin war. In Pforzheim war Mayländer rund drei Jahre Chefanklägerin. Ihre direkte Amtsvorgängerin Sandra Bischoff hatte es ebenfalls auf drei Jahre in der Goldstadt gebracht. Dieselbe Position bekleidete Christoph Reichert ein Jahr länger – von 2009 bis 2013. Reichert hatte seinerzeit den langjährigen Oberstaatsanwalt Hans-Werner Schwierk abgelöst.

Pforzheim nur Durchgangsstation?

Ist Pforzheim nur Durchgangsstation für Juristen, die eine Stufe weiter wollen auf der Karriereleiter? Bischoff führt seit ihrem Weggang 2016 die Terrorismus-Abteilung bei der Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart. Reichert ist mittlerweile Präsident des Landgerichts Offenburg. Es sei der Sinn der Justiz, nicht ewig auf einer Stelle zu sitzen, sagt Ministeriumssprecher Schray. Ein Zeitraum von drei bis fünf Jahren in dieser Position sei nicht untypisch. Und im Fall Mayländer habe es sich um den Glücksfall gehandelt, dass deren Vorgänger in Rottweil, Joachim Dittrich, nun die Leitung der Staatsanwaltschaft Stuttgart übernommen hat. Im Gegensatz zu Pforzheim ist Rottweil eine eigenständige Behörde. Ein Chefposten dort ist daher auch höher besoldet.

Pforzheimer Behörde hat einen guten Ruf

Ministeriumssprecher Schray hält das Amt in Pforzheim sogar für besonders attraktiv. Er bescheinigt der Pforzheimer Außenstelle von Karlsruhe einen guten Ruf. „Die Behörde liegt auch verkehrstechnisch gut.“
Der 49-jährige Oberstaatsanwalt Lustig ist seit vergangenem April in Pforzheim. Sein Arbeitsantritt hier hatte sich verzögert, weil er damals mit dem Prozess gegen jene Pflegeoma befasst war, die in Künzelsau einen siebenjährigen Jungen getötet hatte.