Die Friedenstaube wird am Pforzheimer Gedenktag bisher aufs Rathaus projiziert. Künftig soll sie auch am Wartbergturm zu sehen sein. | Foto: str

Enttäuschung über Verwaltung

Pforzheimer Verein „Romanian Roots“ kann Fackelmahnwache nicht verhindern

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Vor dem Gedenktag der Pforzheimer Zerstörung am 23. Februar gibt es Ernüchterung über die Haltung der Stadtverwaltung. Der Verein Romanian Roots wirft den Verantwortlichen Unverständnis für die Idee vor, mit einem Friedensfest auf dem Wartberg die Fackelmahnwache des rechtsextremen Freundeskreis „Ein Herz für Deutschland“ zu blockieren.

Und die Initiative gegen Rechts (IgR) verabschiedet sich von dem Plan, eine Videoschalte zwischen Wartberg und Marktplatz auf die Beine zu stellen. Das sei mit der Stadt wohl nicht zu verhandeln, sagt IgR-Sprecher Christof Grosse unserer Redaktion. Trotzdem will man deutliche Zeichen gegen den Aufzug der Extremisten setzen.

Kein versöhnliches Treffen

Ein Treffen zwischen Stadt Pforzheim und dem Verein Romanian Roots kam nicht mehr zustande. Michael Mürle wollte mit dem Verein am 23. Februar ein Friedensfest auf dem Wartberg feiern – und damit die Fackelmahnwache verhindern. Nachdem die Verwaltung den Plan bereits abgelehnt hatte, verzichtete Mürle jetzt auf einen angebotenen Gesprächstermin. Wie er unserer Redaktion schildert, bekam er eine Mail der Stadt. Darin sei es auch um ein Angebot gegangen, mit dem Friedensfest auf einen anderen Ort auszuweichen.

Wer mir eine alternative Location anbietet, hat nicht verstanden, worum es geht.

Michael Mürle, Verein Romanian Roots

Mürle findet das sinnlos: „Wer mir für die Veranstaltung eine alternative Location anbietet, hat nicht verstanden, worum es geht.“ Er hätte seine Idee gerne ausprobiert: „Auf Zeit spielen. Den Rechten sagen, dass der Platz belegt ist. Und dann kurz vor dem 23. Februar sagen, dass man die Fackelmahnwache aus Sicherheitsbedenken an einem anderen Ort nicht machen kann.“ Das wird nicht passieren. Und die Idee sei nun bekannt und somit verbrannt, so Mürle.

Die Verwaltung hatte darauf verwiesen, dass die Kundgebungen der Rechtsextremen bereits auf Jahre im Voraus auf dem Wartberg angemeldet seien. „Dann gibt es relativ wenig rechtliche Möglichkeiten, so etwas zu unterbinden“, so ein Stadtsprecher.

„Herzensangelegenheit“ Videoschalte muss weiter warten

Auch in diesem Jahr wird es am Gedenktag der Pforzheimer Zerstörung gegen Ende des Zweiten Weltkriegs also die bekannten Demonstrationen auf dem Wartberg geben: die Fackelmahnwache der Rechtsextremen, und durch Polizeiabsperrungen davon getrennt eine Gegendemonstration, an der maßgeblich die Initiative gegen Rechts beteiligt ist.

Mehr zum Thema: Bündnis „Pforzheim nazifrei!“ will am Gedenktag rechtsextremem Verein die Laune verderben

IgR-Sprecher Grosse hätte gern noch mehr gemacht. Ihm schwebte eine Videoschalte zwischen Wartberg und dem offiziellen Gedenken auf dem Marktplatz vor, um beide Formen der Kundgebung als gleichwertig zu kennzeichnen. Für ihn wäre es eine Herzensangelegenheit gewesen. Noch im Januar war er optimistisch, dass es klappt.

Trotzdem Zeichen gegen die Rechten geplant

Nun hat er sich zumindest für dieses Jahr von der Idee verabschiedet. Schon die Verhandlungen darüber, in welcher Form eine Friedenstaube auf den Wartbergturm projiziert wird, seien schwierig gewesen. Man habe das Logo des Bündnisses „Pforzheim nazifrei“ zeigen wollen. Das passiert aber nicht. Als Kompromiss gibt es nun neben der Taube den Schriftzug „Fackeln aus“. Die Verhandlungen darüber zeigten aber laut Grosse, dass mehr nicht möglich sei. „Wir verschieben die Idee mit der Videoschalte wieder um ein Jahr.“

Wir verschieben die Idee mit der Videoschalte wieder um ein Jahr.

Christof Grosse, Sprecher der Initiative gegen Rechts

Neben der Friedenstaube und der Gegendemo soll es auf dem Wartberg weitere Zeichen gegen die Rechten geben. Geplant ist laute Beschallung mit Musik.