Kommentar
Pforzheimer Stadtgespräch | Foto: ©jd-photodesign - stock.adobe.com

Pforzheimer Stadtgespräch

Pforzheims Bädern droht eine lange Dürre

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Pforzheims Bädern steht das Wasser bis zum Hals und doch droht der Bäderlandschaft die Dürre – so mancher Scherz über die Zustände in der Goldstadt bleibt dem nachdenklichen Betrachter in diesen Tagen gerne mal im Halse stecken.

Schwimmbädern steht Dürre bevor

Die Stadträte verbieten sich inzwischen gegenseitig, in der Historie zu kramen, wie es dazu kommen konnte, dass die Schwimmhallen der Stadt in diese beklagenswerte Situation geraten sind. Sie würden sich nur gegenseitig belasten.

Emma-Becken rostet weiter

Das letzte Becken im Emma-Jaeger-Bad rostet den Verantwortlichen unter den Händen weg und längst ist klar, selbst ohne Geldprobleme stünde der Innenstadt eine lange Trockenzeit bevor. Die Zahlen, die der Bäderbetrieb jetzt vorlegt, sind eine Bankrotterklärung. Noch nicht einmal die Hälfte der Schwimmstätten lässt sich mit den vorhandenen Mitteln erhalten.

Will man Wartberg oder Fritz-Erler erhalten?

Wird in der Innenstadt geklotzt, muss man die Freibäder dem Verfall preisgeben. Baut man in Huchenfeld, dann muss man sich entscheiden, ob man mit dem Restgeld lieber das Wartberg-Freibad oder die Fritz-Erler-Schwimmhalle erhält.

Status Quo kostet 2,5 Millionen jährlich

Wer die Bäderfrage einigermaßen sinnvoll lösen will, der kommt um einen städtischen Zuschuss nicht rum, muss anschließend aber auch sagen, ob er dafür dann lieber aufs Theater, die Stadtbibliothek oder die Jugendarbeit verzichten will. Will man die gesamte Bäderlandschaft erhalten, dann müssen jährlich rund 2,5 Millionen Euro aus einem ohnehin schwindsüchtigen Haushalt zugeschossen werden.
Für den gemeinen Stadtrat gibt es da nichts zu gewinnen.

Aus Stadträtin wird Ortschaftsrätin

Wohl auch deshalb zieht sich die CDU-Rätin Brigitte Langer-Glock schnell aus der Verantwortung für die Stadt und charakterisiert ihre Rolle im Bäderstreit als „Ortschaftsrätin von Eutingen“. Wer von Eutingen aus mit dem Rechtsweg droht, um unabhängig von allen Bedarfs-, Nutzungs- und Vernunftsabwägungen das Bad fürs eigene Dorf durchsetzen zu wollen, der hat das Wort von der gesamtstädtischen Solidarität nicht verstanden.

Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung

Auch wenn sie in Pforzheims Bäder-Desaster wahrlich keine Sympathiepunkte gewinnen können: Die Räte müssen die Verantwortung ernst nehmen und verdammt nochmal eine Entscheidung treffen. Es ist an der Zeit, dass der Gemeinderat endlich in den sauren Apfel beißt und den Bürgern sagt, welchen Ast am dürren Baum man absägen will.

Den Räten steht das Wasser bis zum Hals

Die Zeit drängt. Und das nicht nur, weil die Risse im Emma-Jaeger-Bad immer breiter werden. Sondern auch, weil schon in 18 Monaten die nächste Kommunalwahl ansteht. Und je näher man dieser Wahl kommt, desto größer werden die Hemmungen, schmerzhafte Entscheidungen zu treffen. Pforzheims Stadträte sind nicht zu beneiden. Selbst im trockenen Ratssaal steht ihnen in diesen Tagen das Wasser bis zum Hals.

Die Berichterstattung zum Kommentar finden Sie hier: