Mit der schweren Amtskette legte die dienstälteste Stadträtin Ellen Eberle dem neuen Oberbürgermeister Peter Boch auch die Verantwortung für Wohl und Wehe der Goldstadt um den Hals. | Foto: Ehmann

Pforzheims OB vereidigt

Peter Boch tritt seinen Dienst an

Anzeige

Großer Festakt zur Amtseinführung

Keine konkreten Ideen, keine Zukunftsprojekte oder Initiativen, sondern nichts weniger als eine neue Gesprächskultur und einen neuen Umgang miteinander stellte Pforzheims neuer Oberbürgermeister Peter Boch ins Zentrum seiner Antrittsrede. „Lassen Sie uns gemeinsam eine Kaderschmiede für hervorragende Ideen sein“, rief der neue Schultes einer Menge zu, die beinahe den Großen Saal des CongressCentrums füllte. Er wolle Pforzheim zu einer Stadt der Begegnung machen, sagte Boch bei seiner feierlichen Amtseinführung, bei der ihm Ellen Eberle als dienstälteste Stadträtin die schwere Amtskette um den Hals legte.

Seien wir Bürger und Diener dieser Stadt

Mit dem strahlenden Lachen, das ihn schon durch den langen Wahlkampf begleitet hatte, sagte er an den inzwischen auch ihm bekannten „Pforzheimer Bruddler“ gewandt: „Wir dürfen stolz auf unsere Stadt sein und wir dürfen auch Freude zeigen, wenn uns etwas Gutes gelingt.“ Für die nächsten Tage und Wochen verordnete er sich strenges Aktenstudium im Neuen Rathaus. Denn danach wolle er „jedem Bürger eine fachkundige Antwort geben auf alle Fragen, die Sie an mich herantragen, wenn Sie mich am Wochenende auf einem Fest treffen“. Er wolle „Bürger und Diener dieser Stadt“ sein und er forderte alle Pforzheimer auf, es ihm gleich zu tun.

Innenminister begrüßt Boch im Amt

Doch vor die erfrischende Rede des neuen Oberbürgermeisters und den Bürgerempfang im Foyer des CongressCentrums hatten die Planer dieser außerordentlichen Gemeinderatssitzung noch jede Menge Gastredner und Grußwortsprecher gesetzt. Als Festredner war eigens Innenminister Thomas Strobl (CDU) in die Goldstadt gekommen um seinen Parteifreund Boch im neuen Amt zu begrüßen. Zweifel an den Fähigkeiten des mit 37 Jahren „sehr jungen Oberbürgermeisters“ wischte Strobl beiseite. „Wenn die Jugend ein Nachteil wäre, dann hätten sie von nun an jeden Tag einen Vorteil.“ Wer es mit so viel Elan auf den Chefsessel schaffe, so Strobl, der werde diesen Weg zum Wohle der Stadt Pforzheim auch weitergehen.
Mut, Zuversicht und Elan identifizierte der Innenminister als die Triebfedern, die Boch vom Ballett, zur Polizei und letztlich zur Kommunalpolitik gebracht hätten. „Und ich wünsche Ihnen, dass Sie Mut, Zuversicht und Elan in diese Stadt bringen“, so Strobl. Boch solle eine „positive Stimmung in diese schöne Stadt“ tragen, das Selbstwertgefühl der Pforzheimer erhöhen und „Sachlichkeit in die kommunalpolitische Diskussion bringen“.

Als Polizeiminister betonte er, dass es „polizeifachliche und kriminalgeografische“ gewesen seien, die letztlich dazu geführt hätten, dass Pforzheim ein eigenes Polizeipräsidium bekomme. „Und die Einrichtung eines Polizeipräsidiums in Pforzheim ist keine ganz schlechte Startvoraussetzung für einen neuen Oberbürgermeister.“ Der Minister bot Boch an, „gemeinsam dafür zu sorgen, dass Pforzheim und der Nordschwarzwald jeden Tag noch ein wenig sicherer wird“.

Stadtverwaltung begrüßt Boch mit guten Wünschen

Franz Herkens, Vorsitzender des Gesamtpersonalrats der Stadt, erinnerte seinen neuen Chef an dessen Pflichten der städtischen Belegschaft gegenüber. Neben allen politischen Vorgaben empfahl er Boch „auch das Personal der Stadtverwaltung auf die To-Do-Liste zu nehmen“. Gerne, so Herkens, seien die Angestellten der Stadt bereit, neue Aufgaben zu übernehmen. „Aber sagen Sie uns bitte auch, was wir dafür dann nicht mehr zu machen brauchen.“
Personalamtsleiter Bernhard Enderes sprach für die Führungskräfte im Rathaus und präsentierte die Verwaltung als eine gut geölte Maschinerie, die „als Denk- und Arbeitsfabrik zur Bewältigung der Zukunftsaufgaben unserer Stadt“ zur Verfügung stünde. Er machte Boch aber keine Hoffnung, dass die Herausforderungen seiner neuen Heimat im Handstreich zu lösen seien. „Und dass Sie für all dies jetzt die Verantwortung tragen, merken Sie spätestens, wenn’s mal nicht funktioniert.“
Für den Gemeinderat hatte zuvor schon Stadtrat Rolf Constantin den Neuen begrüßt, seinen frischen Wind und Elan gelobt, ihn vorsichtig aber auch schon einmal vorgewarnt für die nächste Oberbürgermeisterwahl in acht Jahren, denn „Pforzheim setzt bei Wahlen seit vielen Jahren auf Veränderung“.