Den Blick wieder nach vorne richten will der Pforzheimer Robert Bauer beim 1. FC Nürnberg. | Foto: imago

Der Fußballprofi im Interview

Pforzheims Robert Bauer greift beim 1. FC Nürnberg neu an

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Robert Bauer ist seinem Geburtsort wieder ein Stück näher gekommen. Der Pforzheimer Profifußballer, der auf dem Haidach aufgewachsen ist und in der Jugend beim FSV Buckenberg am Ball war, ehe er zum Karlsruher SC wechselte, spielte in der vergangenen Saison noch beim Bundesligisten SV Werder Bremen – und dort dann plötzlich unter Trainer Florian Kohfeldt keine große Rolle mehr. Eine Veränderung musste her. Nun ließ sich der 23-Jährige an den Aufsteiger 1. FC Nürnberg ausleihen, der „Club“ besitzt eine Kaufoption. Bauer, dessen russlanddeutsche Eltern aus dem heutigen Kasachstan stammen und wie große Teile seiner Familie nach wie vor im Enzkreis wohnen, spricht im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Frank Seyen über sein neues Zuhause, den neuen Verein und seine Verbundenheit zur Heimat.

Herr Bauer, seit etwas mehr als drei Wochen sind Sie jetzt in Nürnberg. Haben Sie sich schon eingelebt?

Bauer: Ich bin auf dem Weg dazu. Als ich nach Nürnberg kam, lief die Vorbereitung bereits. Deswegen wohnte ich zunächst im Hotel. Mittlerweile habe ich aber eine Wohnung gefunden. Da wir gerade ein paar Tage frei haben, läuft mein Umzug. Wenn dieser dann abgeschlossen ist, hoffe ich, dass ich dann auch richtig ankomme.

Also haben Sie bisher von der Stadt noch nicht viel gesehen?

Bauer: Wenig. Wir trainieren fast täglich zweimal, dadurch ist es schwierig. Ein wenig kenne ich die Stadt aber noch von meiner Zeit beim FC Ingolstadt. Damals waren wir an freien Tagen auch manchmal in Nürnberg. Deswegen weiß ich, wie die Stadt so ist. Sie hat mir damals schon gefallen.

Was das Teamklima angeht, ist die Mannschaft auf jeden Fall intakt

Wie sind Sie von der Mannschaft aufgenommen worden? Und wen haben Sie zuvor schon gekannt?

Bauer: Mit Torhüter Fabian Bredlow habe ich in der U20-Nationalmannschaft zusammengespielt und auch Torhüter Christian Mathenia kannte ich von Duellen gegeneinander. Ich bin jetzt erst rund drei Wochen hier, aber es fühlt sich schon viel länger an. Das Teamklima ist top, die Jungs haben alle Neuen richtig gut aufgenommen. Was das Miteinander und die Teamchemie angeht, ist die Mannschaft auf jeden Fall intakt.

In Bremen waren Sie unter Trainer Alexander Nouri eine feste Größe und Stammspieler, unter Florian Kohfeldt haben Sie dann kaum noch gespielt – und das obwohl Sie immer im Kader standen. Wie geht man mit so einer Situation um?

Bauer: Natürlich ist das nicht einfach. Aber das Thema ist nun abgehakt. Jeder weiß, dass jeder seinen Teil dazu beigetragen hat. Aber im Fußball ist es oft so, dass nach Trainerwechseln manche Spieler, die davor gespielt haben, plötzlich raus sind. Warum das bei mir so drastisch war, weiß ich zwar bis heute nicht, aber das ist auch egal, denn nun bin in Nürnberg und glücklich darüber.

Unbefriedigend verlief für Robert Bauer das letzte Jahr bei Werder Bremen. In Nürnberg hofft er auf mehr Einsätze. | Foto: dpa

Sie waren bei einigen Vereinen im Gespräch. Was hat am Ende den Ausschlag zugunsten von Nürnberg gegeben?

Bauer: Ich hatte bei Nürnberg das Gefühl, dass man einen klareren Plan für mich hat. Während der Gespräche und auch danach hatte ich ein besseres Gefühl und ich fand, dass sich die Verantwortlichen ein Stück weit mehr um mich bemüht haben. Auch die Nähe zu Pforzheim und zu meinem Elternhaus spielte natürlich eine Rolle. So kamen verschiedene Faktoren zusammen und am Ende war klar, dass es Nürnberg wird.

So oft es geht in der Heimat

Was trauen Sie ihrem neuen Verein nach dem Aufstieg zu?

Bauer: Der Club ist verdient aufgestiegen und das ist auf jeden Fall wichtig. Denn manchmal gibt es Mannschaften, die durchrutschen und am letzten Spieltag auf Platz eins oder zwei stehen, aber mehr oder weniger nicht wissen, wie das passieren konnte. Aber Nürnberg war, auch wenn dies vor der Saison vielleicht nicht jeder erwartet hatte, immer oben dabei. Der FCN hat guten Fußball gespielt. Die Mannschaft besitzt genügend Qualität, um in der Liga zu bestehen. Wir müssen schauen, dass wir uns in der Vorbereitung eine gute Basis erarbeiten, was die Fitness und das Taktische angeht. Und dann bin ich mir sicher, dass wir in der Liga eine gute Rolle spielen können und den Klassenverbleib auf jeden Fall schaffen können.

Sie haben die Nähe zu Pforzheim angesprochen. Wie oft sind Sie denn noch zu Hause?

Bauer: So oft es geht. In der Sommerpause war ich, wenn ich nicht im Urlaub war, immer bei meinen Eltern. Jetzt wird es auch wieder öfter gehen, dass ich sie besuchen komme. Von Bremen aus war das schwieriger. Sobald die Saison beginnt, haben wir meistens einmal die Woche frei und die Entfernung ist jetzt nicht so groß. Ich werde also versuchen, wöchentlich oder alle zwei Wochen zu Hause bei meiner Familie zu sein.

13 Jahre lang auf dem Haidach gewohnt

Gibt es noch Kontakte zum FSV Buckenberg?

Bauer: Das waren damals alles meine Freunde, mit denen ich gespielt habe. Zu denen besteht noch Kontakt. Man sieht sich ab und zu oder sie besuchen mich. Ich habe 13 Jahre lang auf dem Haidach gewohnt, bin dort aufgewachsen. Von daher ist es klar, dass man da noch Verbindungen hat.

Auch wenn inzwischen ein paar Tage vergangen sind: Wie haben Sie die Euphorie während der WM bei den Russen und Deutschen, sowohl in Pforzheim als auch generell, wahrgenommen?

Bauer: Dieses Jahr war für mich persönlich eine komische WM. Irgendwie kam für mich das WM-Gefühl nicht so rüber. Das lag aber auch daran, dass die deutsche Mannschaft so früh ausgeschieden ist. Die Spiele habe ich mir trotzdem angeschaut, in den Enzauenpark habe ich es dieses Mal allerdings nicht geschafft. Da war ich früher immer, das Angebot dort war immer cool.

Nationalelf im Moment kein Thema

Sie waren deutscher U20-Nationalspieler, mit dem Team bei der WM dabei und haben bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio mit der Mannschaft Silber gewonnen. Und Sie hatten bereits eine Einladung vom kasachischen Verband für einen Lehrgang der A-Nationalmannschaft vorliegen. Wo und wie sehen Sie Ihre Zukunft?

Bauer: So lange ich im Verein nicht zum Einsatz komme – und das war das letzte halbe Jahr in Bremen ja so – stehen solche Gedanken hinten an. Ich versuche, in Nürnberg wieder regelmäßig zu spielen und dann hängt alles an meinen Leistungen, wohin die Reise geht.

Olympisches Silber bekommt besonderen Platz

Und die olympische Silbermedaille? Hat sie einen besonderen Platz erhalten?

Bauer: Die ist bei meinen Eltern in einer Vitrine neben ein paar anderen Medaillen. Die Medaille vom Aufstieg mit Ingolstadt, als wir Zweitliga-Meister geworden sind, hängt da auch noch und ein paar weitere von früher. Aber die olympische Medaille hat in jedem Fall einen ganz besonderen Stellenwert.