Gebefreudig sind viele Menschen in der Adventszeit. Manche nutzen das aber aus. In Niefern gab es einen Fall von aggressivem Betteln, bei dem eine Frau einer 90-Jährigen in die Wohnung folgte und Geld verlangt hat. Foto: dpa

Aggressives Betteln in Niefern

Polizei warnt vor Mitleidstour

„Suche Arbeit“ steht auf dem Zettel, den die Frau einer 90-Jährigen zeigt. Die alte Dame lässt die Unbekannte in ihre Wohnung, da ändert diese ihre Taktik und bittet in gebrochenem Deutsch um Geld. Die Seniorin gibt ihr fünf Euro, doch das reicht der Frau nicht, sie verlangt mehr und verschwindet schließlich mit 15 Euro in der Tasche.

Unbekannte folgt 90-Jähriger in Wohnung

„Aggressives Betteln“ nennt der Leiter des Nieferner Polizeipostens Jürgen Mörgenthaler das, was sich am vergangenen Freitag zwischen 14 und 16 Uhr in der Schloßstraße in Niefern abgespielt hat. Die alte Dame hat ihrer Tochter von dem Vorfall erzählt, hat geschildert, dass die Frau an der Tür geklingelt hat, sie aber nicht verstanden und sie daraufhin in die Wohnung gelassen habe. Die Tochter war entsetzt, hat ihre Mutter ermahnt und dann mit der Polizei telefoniert. Auch bei der Nachbarin der alten Dame hatte es kurz zuvor an der Tür geklingelt, doch die Nachbarin hat dem fremden Mann nicht aufgemacht und stattdessen die 90-Jährige gewarnt, doch da war es schon zu spät.

Mann aus Niefern ruft die Polizei

Nicht weit entfernt – in der Schillerstraße – haben ebenfalls am Freitagnachmittag zwei Männer bei einem älteren Mann geklingelt. Doch statt seine Tür zu öffnen, hat der Bewohner die Polizei angerufen. Der Nieferner hat der Polizei außerdem mitgeteilt, dass die beiden Männer mit „südosteuropäischem Aussehen“ in Richtung altes Schulhaus gelaufen seien, teilt Mörgenthaler weiter mit.

Unter keinen Umständen Fremde in die Wohnung lassen

„Der Mann hat alles richtig gemacht“, lobt der Polizeipostenleiter, der nach dem Anruf die Straßen abgelaufen ist, aber nichts Auffälliges entdeckt hat. Man solle unter keinen Umständen Fremde in die Wohnung oder ins Haus lassen. Im Falle der 90-Jährigen sei es ein Wunder, dass in der Wohnung nichts gestohlen worden sei. Wichtig sei auch, dass die Angehörigen nicht mit den älteren Leuten schimpfen, sonst würden diese „dichtmachen“ und künftig nichts mehr erzählen. Mörgenthaler appelliert, auch in der Adventszeit nicht einfach die Türen und Geldbeutel zu öffnen und nicht auf die Mitleidstour hereinzufallen. Der Polizeipressestelle in Karlsruhe waren gestern keine weiteren ähnliche Fälle im Verbreitungsgebiet bekannt.

Betteln kann geahndet werden

Im Einzelfall könne das aggressive Betteln geahndet werden, teilt Pascal Nouvel, Leiter des Niefern-Öschelbronner Ordnungsamts, mit. Aggressives Betteln liege vor, wenn der Bettelnde aktiv auf jemanden zugeht oder anspricht und das mit erheblichen Behinderungen oder Belästigungen verbunden sei. Ebenso wenn Personen beleidigt werden, weil sie nichts geben. Aggressives Betteln könne als Verstoß gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung nach dem Polizeigesetz des Landes geahndet werden. Ein effektives Mittel in solchen Fällen sei die Aussprache eines Platzverweises, so Nouvel. Denkbar wäre auch ein Bußgeldverfahren.

Wer verdächtige Beobachtungen macht, meldet sich bitte beim Polizeiposten Niefern, Telefonnummer (0 72 33) 33 99, bei einem anderen Polizeiposten oder wählt im Notfall 110, rät Polizeipostenleiter Jürgen Mörgenthaler.