Mächtig strecken muss sich die Verwaltung, um allen Grundschülern in Pforzheim Platz zu verschaffen. | Foto: Daniel Karmann/dpa

Dringender Handlungsbedarf

Prognose zeigt deutlich mehr Grundschüler in Pforzheim

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Der Trend hat sich umgekehrt: In Pforzheim steigen die Schülerzahlen an den Grundschulen wieder. Aktuell liegen die Werte wieder auf dem Stand von vor zehn Jahren. Doch die Prognose weist steil nach oben – und bringt an einigen Schulen erhebliche Probleme mit sich.

So lässt sich der Bericht lesen, den Dominic Bäuerle aus dem Amt für Bildung und Sport am Montag im Gemeinsamen Schulbeirat vorstellte. Hinsichtlich geplanter Maßnahmen sagte er: „Der Handlungsbedarf wird deutlich. Die Entwicklung lässt uns keinen zeitlichen Spielraum.“ Die Reaktionen? Marianne Engeser (CDU) sprach von „schwerer Kost“. Und Jacqueline Roos (SPD) fragte mit Sorgenfalten auf der Stirn: „Wenn sich die Zahlen tatsächlich so entwickeln, kommen dann reihenweise Container?“

„Knochenarbeit für die Lehrer“

Ähnlich wie beim kürzlich beleuchteten Kita-Ausbau führen Zuzug und Geburten (fast 1.500 im vergangenen Jahr) zu den wohl auch weiter steigenden Kinderzahlen. Die Prognose ab dem kommenden Schuljahr bis 2024/25 sieht einen Anstieg der Grundschülerzahl von knapp 4.500 auf rund 5.450 voraus. Dabei ist es jetzt schon an einigen Schulen mächtig eng. Stefanie Becker aus dem Jugend- und Sozialamt sprach von einer „verheerenden Lage“ an einzelnen Einrichtungen: „28 Schüler pro Klasse, das ist Knochenarbeit für die Lehrer.“

Probleme an Osterfeld-Grundschule

Besonders dringend ist der Handlungsbedarf laut den Zahlen der Stadt an der Weiherbergschule, Nordstadtschule, Insel-Grundschule und ganz besonders an der Osterfeld-Grundschule. „An der Osterfeld-Grundschule müssen wir schnell in die Planung einsteigen“, betonte Bäuerle. Schon im laufenden Schuljahr ist die räumliche Kapazität mehr als ausgereizt. Platz ist für zwei Züge. Aktuell gibt es schon drei. Und der Bedarf könnte gar auf fünf steigen. Gibt es dafür genug Platz? „Deutliches Nein. Es platzt dann förmlich aus allen Nähten“, kommentierte Bäuerle. Ein Neubau sei dringend erforderlich. Für die Planung sind im Haushalt 2019/20 schon mal 400.000 Euro vorgesehen.

Verschiedene Wege für Abhilfe

Immerhin Handlungsoptionen gebe es für die dringendsten anderen Fälle, obwohl auch dort der Bedarf steigt. An der Insel-Grundschule stehen wie berichtet Container, um weitere Klassenzimmer zu schaffen. Hier soll die Umwandlung zum „Insel-Campus“ die Lösung sein.

An der Weiherbergschule gibt es schon jetzt zu wenig Platz. Teilweise soll Unterricht ausgelagert werden. Frei werdende Räume könnten für die Grundschule genutzt werden. „Perspektivische Lösungen gilt es vertieft zu beleuchten“, so Bäuerle. An der Nordstadtschule könnte wiederum eine andere Taktik Entlastung bringen: Die Schulbezirksgrenze könnte hin zur Schanzschule verschoben werden. Dort wäre nach Auslaufen der Werkrealschule Platz für ein bis zwei weitere Züge.

Reichen Zwischenmaßnahmen – oder müssen Neubauten her?

X-beliebig verschieben lassen sich die Bezirksgrenzen freilich nicht. Auch wenn aktuell rechnerisch Räume für 4,5 weitere Züge frei wären, gilt die Maxime „kurze Beine, kurze Wege“. Der freie Platz an anderer Stelle taugt nicht als Lösung. Insgesamt ist eine Ausweitung um 11,5 Züge in Pforzheim prognostiziert. Und nicht für alle zeichnen sich Lösungen ab.

Man beobachte die Entwicklung genau, versicherte Bäuerle. Dabei gehe es auch um die Frage, ob die aktuellen Zahlen ein Höhepunkt oder tatsächlich eine dauerhafte Entwicklung sind. Auf dieser Basis müsse man dann diskutieren, ob Zwischenmaßnahmen ausreichen – oder ob es Neubauten braucht.