Messer
Ein 28-Jähriger steht in Pforzheim vor Gericht, weil er seine Mutter und seine Schwester unter anderem mit einem Küchenmesser bedroht haben soll (Symbolbild). | Foto: oconairekat – stock.adobe.com

28-Jähriger vor Gericht

Prozess in Pforzheim: Kein Messer, keine Bratpfanne?

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Ein 28-jähriger Mann steht in Pforzheim vor Gericht, weil er seine eigene Mutter und seine Schwester bedroht und attackiert haben soll. Vor der Strafkammer mimte er das Unschuldslamm – und ließ viele Fragezeichen stehen.

Von Isabel Hansen

Er wollte Geld oder nur die TV-Fernbedienung, seinen Forderungen gegenüber Mutter und Schwester soll der 28-Jährige mit allem Nachdruck verliehen haben, was ein Haushalt so hergibt: ein bedrohliches Küchenmesser, eine schlagkräftige Bratpfanne und Badelatschen als Wurfgeschosse.

Der Angeklagte mimte vor der Großen Strafkammer des Landgerichtes Karlsruhe in Pforzheim gestern hingegen das Unschuldslamm – und dass natürlich in allen sechs Fällen von besonders schwerer räuberischer Erpressung sowie vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung, die Staatsanwältin Christine Roschinski in ihrer Anklage für die Zeit zwischen April 2015 bis April 2017 auflistete.

Angeklagter steht nicht zum ersten Mal vor Gericht

Es ist nicht das erste Mal, dass der Angeklagte wegen Häuslicher Gewalt vor Gericht steht. Am 18. April 2015 soll er von seiner Mutter mit vorgehaltenem Küchenmesser 1800 Euro gefordert haben, um eine Geldstrafe zu begleichen, die ihm aufgebrummt wurde, weil er seine Mutter mit dem Küchenmesser bedroht hatte. Kurze Zeit später beglich er seine Reststrafe. Dass seine Mutter ihm Geld gegeben hatte, bestreitet der Angeklagte nicht. Schließlich habe ihm die Summe zugestanden. „Ich habe da eine Strafe bekommen wegen eines Messers. Ich hatte kein Messer. Meine Mutter hat einen Fehler gemacht“, erklärte er dem Vorsitzenden Richter Andreas Heidrich.

Nach Lesart des 28-Jährigen, der sich mit einem Ein-Euro-Job über Wasser hält, entbehren die Vorwürfe jeglicher Grundlage: „Ich hatte zu 100 Prozent kein Messer.“ – „Eine Bratpfanne hatte ich auf gar keinen Fall“ – „Badeschuhe? Badeschuhe hatte ich nicht, sorry.“

Justizskandal oder Lüge?

Die Frage des Vorsitzenden Richters Andreas Heidrich, warum seine Verwandten ihn zu Unrecht angezeigt haben, überhörte der Angeklagte und wiederholt gebetsmühlenartig seine „100-prozentige Unschuld“.
„Entweder stehen wir hier vor einem wahnsinnigen Justizskandal und Sie wurden zweimal zu Unrecht verurteilt oder Sie haben ein Problem“, machte Richter Heidrich dem Angeklagten klar.

Die richterliche Ansage änderte wenig: „Ich bin zu 1000 Prozent sicher, dass da nie Messer war“, begab der Angeklagte sich in neue Dimensionen der Wahrscheinlichkeitsrechnungen.

„Da bin ich 100 Prozent sicher“

Im Zweifel sind immer die Anderen schuld. Die eine Schwester habe psychische Probleme, die andere habe ihn zuerst gebissen und eingesperrt. Dabei sei er ein Mensch, der lieber den Raum verlasse, wenn er sich ärgere. Nie habe er seiner Schwester mit Vergewaltigung oder Mord gedroht.
Die Mutter ist wahlweise mit der Bratpfanne zuerst auf ihn losgegangen oder er hat keine Erinnerung mehr, bis auf die eine: „Ich hatte kein Messer und keine Bratpfanne. Da bin ich 100 Prozent sicher.“

Die Mutter, die in einer handschriftlichen Stellungnahme gegenüber der Polizei von einer jahrelangen Schreckensherrschaft des kriminellen Sohnes berichtete und beim Familiengericht einen Antrag nach dem Gewaltschutzgesetz gestellt hat, machte kurz vor Prozessbeginn von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Sie wolle ihrem Sohn nicht gegenüberstehen, erklärte sie ihren Rückzug.

Der Prozess wird am 8. März und 10 Uhr fortgesetzt