Was wäre die Welt ohne visuelle Kommunikation? Farblos, wie rechts im Bild, finden die Studierenden dieses Studiengangs, die zeigen, wie man in ihrer Welt lebt, wohnt, einkauft.

Werkschau in Pforzheim

Rasenmäher am Arm und Konsumbibel auf dem Altar

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Von Susanne Roth

Es gibt Präsentationen bei der Werkschau, die verblüffen selbst die „alten Hasen“ noch. Eine solche war die, bei der Visuelle-Kommunikation-Studentin Ronja Lindinger zu einer Art Gottesdienst bat.
Statt der herkömmlichen Bibel hielt die Studentin jedoch eine „Konsumbibel“ in der Hand und verteilte die „Konsum-Hostie“. Nicht als Blasphemie gemeint, auch nicht als Konsumkritik. Eher als Text-Sammlung zur Reflexion über das eigene Konsumverhalten, mit Altem Testament und Betrachtungen von Karl Marx etwa über den Fetischcharakter von Konsumprodukten; mit einem Neuen Testament, in dem der stilisierte Buchstabe zu Beginn eines Bibel-Textes nicht zufällig dem Logo einer Imbisskette gleicht und der in Bleiglasfenster dargestellte „Heilsbringer“ Ronald McDonald heißt.

Kreationen verbinden Vergangenes und Zukunft

Die Studierenden, die ihre Arbeiten an zwei Tagen während der Werkschau zeigen, wenden gern auch den Blick zurück und schaffen mit ihren Kreationen dann oft wiederum die Verbindung in die Zukunft.
Nur wer Vergangenes versteht, kann Neues schaffen. Wie etwa die Modestudierende Lisa Schweinsfest, die mit „mcfly“ ihre Leidenschaft für den Film „Zurück in die Zukunft“ stofflich verarbeitet hat. Vertraute und die Trägerin fast verschluckende „Oversized“-Schnitte aus den 1980er Jahren bilden für sie die Grundlage, um mit Vertrautem wie die Filmemacher damals ihrerseits den Schritt 30 Jahre in die Zukunft zu gehen. Augenzwinkernd im wahrsten Sinn des Wortes: Ihre farbigen und strapazierfähigen Modelle zieren zwinkernde Augen und die Schulterpartie kann schon mal von Bügelperlen verziert sein.
Manchmal sind es auch die Zufälle, die eine Rolle spielen. So ist Franziska Maurer bei einem Besuch in Straßburg in das „Voodoo-Museum“ gestolpert und war fasziniert von Trance, Macht, Ritualen und Gottheiten. Das „Machtverhältnis“ hat sie in ihrer Accessoire-Kollektion aufgegriffen. Die Gürtelschnalle etwa übernimmt das überdimensionale Ruder und wirkt schon fast korsettartig. Oder die Träger, die sich ausbreiten und die kleine Tasche schon fast verschwinden lassen. Selbstgeschmiedete Ketten vervollkommnen den rituellen Charakter.

Smarte Abschlussarbeiten auf der Werkschau

Nie wieder überlegen, was man mit einer Lebensmittel-Unverträglichkeit essen darf und „wann man wo was einkauft“ braucht man, wenn man den „Smarta“ von Daniela König benutzt. Die Abschlussarbeit im Intermedialen Design „Smart Shopping Assistant“ muss nur mit den Vorlieben und Erkrankungen gespeist werden und kann sogar mitdenken. Mahlzeit.
Die Schmuck-Absolventin Claudia Frisch dagegen hat Rasenmäher auseinander gebaut. Zumindest gedanklich. Der Motor des Gartengeräts ist bei ihr dank Silikon nun ein „readymade“-Hingucker geworden, den man am Arm tragen kann.

Die Werkschau der Hochschule Pforzheim in der Fakultät für Gestaltung (Holzgartenstraße 36) ist Freitag und Samstag, 10. und 11. Februar, jeweils von 11 bis 20 Uhr geöffnet; Accessoire Design im EMMA-Kreativzentrum (Emma-Jaeger-Straße 20) ebenfalls. Transportation Design finden Interessierte zudem jeweils von 10 bis 18 Uhr in der Eutinger Straße 111. Modenschauen finden am Freitag, 10. Februar, ab 19 und 21 Uhr in der Holzgartenstraße statt. Mehr Informationen unter www.modenschau-designpf.de und unter www.designpf.com.