In Wartestellung: Viele Kinder müssen noch draußen bleiben. Da seit Montag die Kitas im Land einen reduzierten Regelbetrieb haben, dürfen die Einrichtungen nur maximal die Hälfte ihrer Plätze frei geben. | Foto: dpa

Die Kitas füllen sich

Reduzierter Regelbetrieb bringt Pforzheimer Einrichtungen an ihre Kapazitätsgrenzen

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Täglich kommen mehr Kinder in die Pforzheimer Kitas, die seit Montag im „reduzierten Regelbetrieb“ arbeiten. Die Kapazitäten dürften nächste Woche ausgeschöpft sein. Viele Kinder müssen aber noch draußen bleiben. Bisher dürfen die Einrichtungen laut Corona-Verordnung nur maximal die Hälfte ihrer Plätze frei geben.

Wenn Andrea Reiling und ihre Kolleginnen die strahlenden Gesichter sehen und die Ärmchen, die sich ihnen entgegen strecken, wundern sie sich selbst darüber, dass ihre kleinen Gäste nicht fremdeln – obwohl manche seit Mitte März nicht mehr in der Schatztruhe, der Krippe im Voba-Haus, waren.

Trotz langer Abstinenz kein Fremdeln

„Es ist, als ob wir sie am Vortag erst gesehen hätten“, sagt Leiterin Reiling.
Die Freude ist groß, wenn die Kleinen nach langer Abstinenz ihre Spielgefährten und die vertrauten Erzieherinnen wiedersehen. Ebenso groß ist die Erleichterung derjenigen Eltern, die ihren beruflichen Alltag wieder besser planen können, nachdem an den Kitas seit Montag „reduzierter Regelbetrieb“ läuft.

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Viele Kinder müssen noch draußen bleiben

Da aber nur maximal die Hälfte der sonst üblichen Zahl in die Kitas dürfen, müssen die anderen Kinder weiterhin draußen bleiben. Ines Burkhardt, Leiterin der evangelischen Kita in Büchenbronn, ist froh, dass sie jetzt auch alle angemeldeten 14 Vorschulkinder aufnehmen kann. Zusammen mit den Kindern, die schon in der Notbetreuung waren und daher automatisch ihren Platz behalten dürfen, sind es dort 27 Kinder. Bis auf einen Platz ist die Kapazität damit ausgeschöpft.

Eine sehr unbefriedigende Situation

Sabine Jost, Geschäftsführerin der Diakonie

Von einer „sehr unbefriedigenden Situation“ spricht Sabine Jost, Geschäftsführerin der Diakonie, die in Pforzheim 21 evangelische Kitas betreibt. Anstelle von 1.200 Kindern bekommen dort nur 600 einen Platz. Weil von etlichen Eltern noch Papiere fehlen, wie etwa ein Nachweis des Arbeitgebers, der ihnen Präsenzpflicht bescheinigt, sind viele Gruppen momentan zwar nicht voll, aber das wird Ende dieser, Anfang nächster Woche der Fall sein, glaubt Jost. Schon jetzt sei klar, dass wegen der Kapazitätsgrenze eine Familie, in der beide Eltern berufstätig und im Homeoffice sind, nicht zum Zuge kommen wird, wie Jost von den Betroffenen erfahren hat.

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Eltern reagieren besonnen

Eltern reagierten vernünftig und besonnen. Diese Einschätzung der Lage in den sechs von der Caritas betriebenen Kitas vermittelt Caritas-Direktor Frank-Johannes Lemke. Als Manko empfindet er aber die „wenig geglückte Kommunikation zwischen Stuttgart und den Kommunen“. Die daraus resultierende Verärgerung treffe dann die Erziehungskräfte vor Ort. Durch Empathie und Verständnis gelinge es dem Kita-Personal aber, elterlichen Frust abzumildern, ist Lemkes Worten zu entnehmen. Momentan sind in den Caritas-Kitas die meisten Plätze noch nicht belegt.

Jeden Tag kommen neue Kinder dazu

„Jeden Tag kommen neue Kinder dazu“, beschreibt Lemke, wie sich die Gruppen sukzessive füllen, auch wenn bis Ende der Woche noch nicht 50 Prozent der Plätze ausgeschöpft sein dürften. „Die letzten Wochen waren für die Familien alles andere als einfach“, sagt Burkhardt. Daher findet es die Leiterin der evangelischen Kita in Büchenbronn besonders wichtig, alle Familien abzuholen und einen gemeinsamen Weg zu finden, damit sich die Kinder in dem vorgegebenen Rahmen wohl fühlen.

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Ob in Büchenbronn, in der Kita Schatztruhe oder in anderen Einrichtungen: Die Kommunikation zu den Eltern brach auch während des Corona-Stillstands nicht ab dank E-Mails und Telefon.

Die Kleinen müssen in ihren Gruppen bleiben

Dass ein von Hygiene- und Schutzvorgaben dominierter Betrieb vom bisherigen Kita-Alltag noch weit entfernt ist, zeigt sich bereits an der Türschwelle, wenn Eltern ihren Nachwuchs den Erzieherinnen übergeben, ohne eintreten zu dürfen. Und daran, dass die Kleinen nicht mehr frei durchs Haus laufen dürfen, sondern in ihrer – auf die Hälfte reduzierten – Gruppe bleiben müssen.

Hoffnung macht indessen Kultusministerin Eisenmann mit ihrer Aussage, Kitas bis Ende Juni komplett zu öffnen. Medienberichten zufolge stützt sie sich auf Ergebnisse einer Studie, wonach Kinder als Überträger des Virus eine untergeordnete Rolle spielen sollen.