Hobby-Astronom Wolfgang Schatz liebt diese Reise durchs Weltall mit seinem Teleskop. | Foto: Peche

Zur Kinderstube der Sterne

„Reise“ durchs Weltall mit Pforzheimer Astronom

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Von Jürgen Peche

Gerade zum Jahreswechsel haben die Menschen eine Affinität zu den Sternen und erhoffen, mit Hilfe von Astrologie und Horoskopen ihre Zukunft zu erfahren. Wolfgang Schatz kann ebenfalls in die Zukunft, und sogar tief in die Vergangenheit schauen, vermag aber nicht an den Himmelskörpern Glück oder Unglück des Einzelnen abzulesen.

Von den Brillanten zu den Sternen

Der 72-jährige Hobby-Astronom war einst Juwelen-Goldschmied, und vielleicht vom Funkeln der Brillanten angeregt, die gleichfalls glitzernden Sterne am Firmament zu beobachten. Seit 20 Jahren nimmt er in der Sternwarte des Kepler-Gymnasiums bei Führungen interessierte Sternengucker bei seiner Leidenschaft hinzu. Schatz ist Mitglied beim Astromischen Arbeitskreis Pforzheim (AAK), der neben dem Teleskop am Kepler unter dem dunkleren Nachthimmel von Bieselsberg ein weitaus größeres Spiegelteleskop betreibt. Aus gesundheitlichen Gründen hörte Schatz nun zum Jahresende mit den Führungen auf.

Mars und Kassiopeia auf der Spur

Der AAK hat zwar 60 Mitglieder, aber unter ihnen fand sich kein Nachfolger für ihn. Der schaut dennoch zufrieden zurück: „Ich habe viel Spaß gehabt.“ Bei vielen Sonderführungen zu speziellen Sternereignissen oder auch mit ungewöhnlichen Teilnehmern, Kindern, Gästen aus Frankreich oder Kanada, Knackis, die hier eine andere Freiheit erleben durften oder auch Hochbetagten im Rollstuhl, die dem Himmel schon mal nahe sein wollten, wie Schatz mit einem Augenzwinkern erwähnt.
Noch einmal führt Schatz der Weg zur Kuppel der Sternwarte auf dem Dach des „Kepler“, über viele Treppenstufen. Auf der kleinen Terrasse neben der Kuppel packt er einen Laserpointer aus und gibt schon mal einen groben Überblick über das, was drinnen am Teleskop detaillierter zu sehen sein wird. Der Lichtfinger tastet am westlichen Himmel zur Venus, die auffällig hell am Abendhimmel leuchtet. Dann Mars, der Große Wagen, Kassiopeia, das Sternbild Perseus mit den Plejaden, schon im Süden und weiter bis zum Orion und der Beteigeuze – das „Fernseh“-Programm des Abends.

Planet der Liebe ist unerreichbar

Dann endlich öffnet sich die Tür zur Kuppel, aber das Frösteln in der kalten Winternacht wird nur kurz unterbrochen: Als Schatz den Motor per Fernbedienung anwirft, der den Kuppelspalt öffnet, strömt mit dem Sternenlicht auch die Kälte wieder herein – Astronomen müssen sich warm anziehen. Da, mitten in dem vielleicht sechs Meter durchmessenden runden Raum, thront das Schmuckstück der Kepler-Sternwarte, neben den kleinen Schülerteleskopen: Ein Winkelteleskop mit 15 Zentimeter durchmessenden Linsen und einer Brennweite von 2,25 Metern. Schatz komplettiert das wuchtige Gerät mit dem Okularansatz und zunächst einer Übersichtslinse mit 36-facher Vergrößerung. Schatz leuchtet allein mit dem rot-gefilterten Licht einer Taschenlampe. „Das Auge bräuchte sonst solange, sich an das schwache Licht der Sterne zu gewöhnen.“ Er peilt mit bloßem Auge zunächst die Venus an und lässt das Teleskop dorthin drehen. Doch der Planet der Liebe steht schon unerreichbar für das Fernrohr nahe am Horizont.

Jetzt geht es 390 Lichtjahre zurück

Also, dann schnell zum Mars. Doch auch unser roter Nachbar zickt. Ihn zu finden ist für Schatz mittels Koordinaten-Tabellen, nach deren Angaben er das Rohr ausrichtet, nicht schwer, doch über dem hellen Lichtschein der Stadt ist der Kontrast schlecht und die Konvektion erwärmter Luft lässt das Bild wabern. Die unruhige Atmosphäre macht auch das Ansinnen von Schatz zunichte, einen planetarischen Nebel zu zeigen, in den sich auch unsere Sonne am Ende ihrer Lebensdauer in rund fünfeinhalb Milliarden Jahren einmal verwandeln wird. Nach dem missglückten Blick in die Zukunft geht es tief in die Vergangenheit, 390 Lichtjahre zum Doppelstern Albireo im Sternbild des Schwans. Mit seiner blauen und gelben Sonne gilt er als Paradebeispiel der Doppelsterne, die sich um einen gemeinsamen Schwerpunkt bewegen. 2,4 Millionen Lichtjahre sind unsere Nachbargalaxie, der Andromeda-Nebel entfernt – ein dunstiges Nebelband.
Über die Plejaden geht die Reise durchs Weltall schließlich weiter zu den Plejaden und schließlich zum Orion. Am dunklen Südost-Himmel, direkt auf dem Himmelsäquator, sind die sogenannten Trapez-Sterne in einem Sternentstehungsgebiet klar zu erkennen und Schatz wirkt bei dem Anblick ganz glücklich: „Das ist wie Tag und Nacht“. Die vier jungen, trapezförmig angeordneten Himmelskörper in 1500 Lichtjahren Entfernung haben sich aus einem Nebel herausgeschält und sind Zeugen der Kinderstube der Sterne: Sie haben sich durch die Verklumpung der Nebelmaterie gebildet und dabei um sich herum klaren Weltraum geschaffen.