Ob die beiden ausgebüxten Schafe zu ihrer hier abgebildeten Herde in Wilferdingen zurückfinden, hängt davon ab, ob sie sich einfangen lassen. | Foto: zac

Betäubung statt Abschuss?

Remchingen: Wildpark-Förster bietet im Fall entlaufener Schafe Hilfe an

Von Julian Zachmann

Finden das in den Wilferdinger Wald nahe der neuen Blockhütte ausgebüxte Kamerunschaf und sein mittlerweile geborenes Lamm wieder zurück zur Herde – oder droht ihnen der Abschuss? Wie berichtet hatten ein oder mehrere Unbekannte bereits Anfang Mai am Weidezaun des Hobbyschäfers Lutz Kapp Vandalismus begangen, wodurch ein trächtiges Schaf entkam.

Private Besitzerin stellt Hütehund zur Verfügung

Kurz nachdem das Schicksal der Tiere und ihres Besitzers, der wegen Gehbeschwerden die Tiere allein nicht wieder einfangen kann und deshalb im Falle eines Abschusses gegenüber der Gemeinde seinen Verzicht erklärte, die Runde machte, erklären erste engagierte Mitbürger ihre Hilfe: So fand die Wilferdinger Hundebesitzerin Nathalie Kiefer in ihrem Bekanntenkreis bereits einen ausgebildeten Herdehütehund, der mit Einverständnis der zuständigen Behörden und weiterer Mithilfe seinen Dienst tun könnte.

Förster würde Betäubung durchführen

Selbst der Pforzheimer Wildpark-Förster Carsten Schwarz, der erfahren ist mit ähnlichen Einsätzen in der Region, erklärte sich auf Presseanfrage spontan bereit, mit einem Betäubungsgewehr quasi ehrenamtlich nach Remchingen zu kommen: „Voraussetzung wäre, dass man mindestens zehn Meter nah an die Tiere kommt und sie da sind, wenn ich komme.“ Wer die Schafe, die zuletzt auch beim CVJM gesichtet wurden, über längere Zeit beobachte, könne sich etwa bei der Polizei melden. Doch die Zeit drängt: „Je früher eine solche Aktion stattfindet, desto größere Chancen haben wir.“ Denn wenn sich die enge Bindung zwischen Lamm und Mutter löse, sei es umso schwieriger, beide Tiere zu erwischen.

Abschuss erst in Gefahrensituation

Dass Kamerunschafe neben der Landschaftspflege ohnehin früher oder später auf dem Teller landen, spielt für viele Beteiligte momentan keine Rolle – so sprachen sich auch die vier im Revier zuständigen Jäger trotz Abschussfreigabe gegen die Flinte aus. Neben Revierförster Dieter Konstandin beteuerte auch der Remchinger Kämmerer und dadurch Forstzuständige Gerd Kunzmann, dass ein Abschuss erst in einer Gefahrensituation erfolge – die aber jederzeit eintreten könne. Und man sich deshalb mit dem Kreisjagd- und Veterinäramt abgestimmt habe: „Aufgabe der Gemeinde ist es, für die Öffentliche Sicherheit zu sorgen, wobei die Abwägung immer zu Gunsten der Menschen ausfallen wird.“

Tiere könnten Bundesstraße 10 kreuzen

Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Tiere zur B 10 oder Autobahn wandern, als Fluchttiere ihrem Instinkt folgen und womöglich in Panik die Straßen queren: „Wir hoffen, dass dieser Fall nicht eintritt, aber müssten dann schnell handeln können“, so Kunzmann. Ungeachtet dessen, dass Kamerunschafe nicht zur heimischen Waldfauna gehören, habe der Tierhalter dem Gesetz zufolge nach wie vor selbst die Betreuungspflicht oder müsse jemanden beauftragen, sie einzufangen.