Viele Schrauben müssen Michael Holub (links) und Lothar Besigk herausdrehen, um an den Kern des Problems – das Laufwerk, das sich nicht mehr öffnet – zu kommen. | Foto: ref

Reparieren statt wegwerfen

Repair Café in Pforzheim bietet „Hilfe zur Selbsthilfe“

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15 Schrauben liegen in einem kleinen Plastikschälchen. „Das ist das Gerät einer Freundin, es öffnet sich nicht mehr“, erklärt Michael Holub über den CD-Spieler. Im Repair Café im QuarZ Innenstadt hat sich Lothar Besigk der Sache angenommen. Den Deckel hat Holub bereits abgeschraubt, nun versuchen die beiden dem Problem auf den Grund zu gehen. „Mir gefällt die Idee, dass man es zusammen repariert“, sagt Holub, der findet, dass generell zu viele Dinge weggeworfen werden.

Der Nachhaltigkeitsgedanke steht für Besigk bei seiner ehrenamtlichen Arbeit nicht unbedingt an erster Stelle. „Es ist für mich eine Herausforderung, je komplizierter der Fall ist, desto mehr interessiert er mich“, sagt der Rentner, der vorher als Ingenieur selbstständig war. Seit 2017 bildet er mit der pensionierten Grund- und Hauptschullehrerin Angela Klein die Doppelspitze des Repair Cafés. „Die Idee für das Konzept kam von der Hochschule, die Umsetzung kam von uns“, blickt Tanja Kicherer zurück. Sie hat das Projekt 2014 während ihres Studiums gemeinsam mit ihrer Kommilitonin Natalie Berweiler initiiert, „weil wir weniger Müll produzieren, also etwas gegen die Wegwerfgesellschaft tun wollten und einen Ort schaffen, an dem man zusammenkommen kann“.

60 bis 70 Prozent der Gegenstände können wieder flott gemacht werden

Gleich zwei Nähmaschinen hat Silvia Weymer vom Nähcafé im DiakoniePunkt Brötzingen dabei. Laut Besigk schaffen die derzeit elf Reparateure es, etwa 60 bis 70 Prozent der Gegenstände wieder flott zu machen. Das Problem bei Weymers Maschine: Die Spule dreht sich nicht, der Unterfaden kommt nicht hoch. Dumitru Voicu versucht vorsichtig, die Abdeckung zu öffnen. Er ist seit der Entstehung des Cafés dabei. „Man kann viele Sachen weitergeben“, sagt der ehemalige Elektroniker.

Gleich zwei Nähmaschinen hat Silvia Weymer vom Nähcafé im DiakoniePunkt Brötzingen dabei. Dumitru Voicu nimmt sie unter die Lupe. | Foto: ref

Hilfe zur Selbsthilfe

„Hilfe zur Selbsthilfe“, so Besigk, sei das Motto. Im Idealfall sollen die „Kunden“ ihre defekten Geräte unter Anleitung selbst in Stand setzen. Überwiegend bringen die Leute Küchenmaschinen mit, sagt Besigk. Aber auch andere Elektrogeräte, Holz und Textilien können repariert werden. Großgeräte oder Fahrräder werden nicht hergerichtet.

Sicherheit hat oberste Priorität

Das Fußpedal einer Nähmaschine kann dann doch nicht gerettet werden. „Da sind spannungsführende Teile zugänglich“, sagt Thomas. Sicherheit hat beim Repair Café oberste Priorität: „Bei uns werden alle Geräte, die einen Stecker haben, auf elektrische Sicherheit geprüft“, betont Besigk.

Dieses Fußpedal einer Nähmaschine kann nicht gerettet werden. | Foto: ref

Helfer werden gesucht

Während im Untergeschoss gewerkelt wird, koordiniert Klein oben die Hilfesuchenden. Wer kommt, muss zur Anmeldung einen Laufzettel ausfüllen. Die Wartezeit wird mit Kaffee und Kuchen versüßt. „Ich wollte immer ein Café haben“, erzählt die Rentnerin. Die Idee, dass man Dinge nicht einfach wegwirft, habe sie überzeugt. Oben steht auch das Sparschwein, das die „Kunden“ mit einer Spende füttern dürfen. Die Räumlichkeiten stellt die Gesellschaft für Beschäftigung und berufliche Eingliederung (GBE) zweimal pro Monat zur Verfügung. „Bei den Helfern sind welche auch schon über 80“, stellt Klein fest. „Gegen neues Blut haben wir nichts – das wäre hilfreich.“

Fehler identifiziert: Lockeres Plastikrädchen

Mittlerweile hat Voicu den Fehler an Weymers Nähmaschine identifiziert, ein Plastikrädchen hat sich gelockert. Mit einem Bohrer kann er dieses befestigen, jetzt dreht sich alles wieder.

Glück im Unglück

Mehr als 20 Schrauben liegen inzwischen bei Holub und Besigk im Schälchen. Das Laufwerk des CD-Spielers ist ausgebaut und Besigk stellt die Diagnose: „Der Motor für den Antrieb von der Schublade ist kaputt.“ Glück im Unglück, so ein Motor kostet nur etwa fünf Euro, wie Besigk erklärt. Zusammengebaut wird das Gerät nicht, Holub will wiederkommen, sobald er das Ersatzteil hat. Die Schrauben packt er so ein.

Das nächste Repair Café ist an diesem Samstag, 13. April, von 11 bis 14 Uhr. Infos gibt es online.