Auf dem Weg zum Hackfleisch: Die grobe Zerkleinerung ist einer von vielen vollautomatischen Schritten, die Mitarbeiter bei dieser Produktion kontrollieren.
Auf dem Weg zum Hackfleisch: Die grobe Zerkleinerung ist einer von vielen vollautomatischen Schritten, die Mitarbeiter bei dieser Produktion kontrollieren. | Foto: Kopf

Schlachtbetrieb zum Anschauen

Rind- und Schweinefleischproduktion: Blick hinter die Kulissen bei Müller-Fleisch in Birkenfeld

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Müller-Fleisch in Birkenfeld setzt auf Offenheit beim Weg aus dem Corona-Tief. Das Unternehmen zeigt, wie die Produktion funktioniert und was seine Mitarbeiter leisten. Dabei wird auch sichtbar, was das Virus verändert hat.

Eine Schablone ist das Maß fürs T-Bone Steak. Das Metzgerauge mag Unterschiede sehen an den Stücken. Der Laie kann kaum unterscheiden, was da Schnitt für Schnitt aufs Band und von dort in eine der vielen roten Kisten geräumt wird.

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Zwischen diesen Kisten stehen die Menschen, die seit Wochen in den Schlagzeilen sind und jetzt dank dem Fall Tönnies in Nordrhein-Westfalen einmal mehr. Gut die Hälfte von ihnen war mit Covid-19 infiziert.

Kühlraum mit rund 3.000 Rinderhälften

Es ist kein Zufall, dass Müller-Fleisch gerade jetzt die Türen zur Produktion öffnet. Der Weg führt von der Schlachtung bis zum Hackfleisch-Päckchen mit der Beschriftung fürs Kühlregal. Auch wenn nicht allerorten fotografiert werden darf, bleibt die Botschaft eindeutig: Ein Betrieb wie dieser, hat nichts zu verbergen.

Die Besuchergruppe lernt, zu erkennen, weshalb die Schweine gesund waren und keinen Stress hatten vor der Schlachtung, die da jetzt hälftig und entborstet in Richtung der Männer und Frauen mit den Zerlegemessern baumeln.

Die Gäste sehen die Schweinehaxen, die für Korea bestimmt sind, die Schwarten aus denen Gelatine gemacht wird und sie gehen durch den Kühlraum mit den rund 3.000 Rinderhälften, die direkt aus der Birkenfelder Schlachtung sind.

Zur Hygienschleuse geht es Trepp-auf

Der Betrieb ist nicht nur coronafrei, er lässt sich auch anschauen mit all den Menschen, die dank der neuen pandemiegerechten Hygiene- und Abstandsgebote mindestens eine Viertelstunde früher da sein müssen, wenn sie pünktlich am Arbeitsplatz sein wollen.

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Egal in welcher Schicht, die Arbeit beginnt dieser Tage mit einer Art Einstiegssport. Wo bis Ostern ein Aufzug flott nach oben huschte, müssen alle 1.100 Beschäftigten vier Stockwerke Stufe für Stufe überwinden und dürfen dabei und auch sonst nie weniger als 1,50 Meter Abstand zueinander haben.

Oben gilt es einen Befindlichkeitszettel auszufüllen und zu unterschreiben, danach sind Fiebermessen, Umziehen und ein Parcours der Reinlichkeit angesagt: die Hygieneschleuse. Bereits der zweihändige Griff in den Seifenauslass entscheidet, ob es einen Schritt weiter geht.

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Nach dem Händewaschen folgt die Desinfektion und dann gibt ein zweites grünes Licht den Weg zum Arbeitsplatz frei.

Die Hygieneschleuse hat nichts mit Corona zu tun. Eine EU-Verordnung habe sie im Jahr 2000 gebracht, erzählt der stellvertretende Betriebsleiter Wilhelm Dietz. „Corona hat die Maßnahmen um die Mitarbeiter verändert, aber nicht die Hygienestandards zur Fleischproduktion“, ergänzt Betriebsleiter Lothar Kusche. Neu im Betrieb dagegen sin der Abstand zwischen den Männern und Frauen und die Plexiglasscheiben.

Wenn wir die Leute direkt anstellen, wird die Pandemie kein bisschen anders

Martin Müller, Geschäftsführer Müller-Fleisch

Meistens stehen 15 Leute an den Produktionsstraßen – manchmal sind es auch nur drei. Seit Corona müssen alle medizinische Mund-Nase-Masken tragen. Und das ist wohl der massivste Einschnitt in den Arbeitsalltag, wie Stefan Müller darlegt. „Wir hoffen, dass die Maßnahmen vor weiteren Infektionen schützen können“, sagt Martin Müller, während er dem Weg des Fleisches in Richtung Verpackung folgt. „Wenn wir die Leute direkt anstellen, wird die Pandemie kein bisschen anders“, schiebt er nach.

Auch die T-Bone Steaks sind inzwischen dem Endkunden etwas näher gekommen. Wie der Schnitt perfekt zur Verpackung passt, läuft systematisiert und teilweise vollautomatisch. Technischer Fortschritt ersetzt Mitarbeiter. Auch bei Müller-Fleisch wird die Zahl der Mitarbeiter nach und nach um zehn bis 15 Prozent sinken, schätzt Martin Müller. Vieles bleibe aber doch handgemacht.

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